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Joggen mit dem Hund

Was beachtet werden sollte, damit alles für alle passt

 

Von Sabine Koch-Bischof

 

Hast Du schon mal überlegt, Deinen Vierbeiner zum Joggen mitzunehmen? Wenn Du ein paar Dinge beachtest, ist Laufen mit Hund eine gelungene Abwechslung und eine wirklich schöne gemeinsame Aktivität.

 

Bevor Du loslegst, vergewissere Dich, ob Dein Hund sich als Laufpartner eignet. Er sollte auf jeden Fall ausgewachsen und körperlich gesund sein. Für Welpen und Junghunde ist Joggen tabu, da sie sich noch im Wachstum befinden und ihr Bewegungsapparat noch nicht stabil genug ist. Um sicher zu gehen, dass Dein erwachsener Hund fit genug für den Laufsport ist, halte Rücksprache mit Deiner Tierärztin oder Physiotherapeutin. Auch ältere oder übergewichtige Hunde müssen im Vorfeld unbedingt zum medizinischen Check-up! Einige Rassen eignen sich aufgrund ihres Körperbaus nicht zum Joggen. Dazu gehören alle Hunde mit kurzen Nasen (zb. französische Bulldogge, Mops), oder mit kurzen Beinen und langem Rücken (z.b. Corgi, Dackel).

 

Die passende Ausrüstung

Um Halswirbelsäule, Kehlkopf und Luftröhre Deines Hundes zu schonen, verwende ein gut sitzendes Brustgeschirr. Gerade beim Laufen kann es passieren, dass Dein Hund mit der Leine wo hängen bleibt oder mal abrupt stehen bleibt, um zu schnüffeln. Die Leine sollte nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein (sonst stolperst Du drüber). Ideal sind Leinen zwischen drei und fünf Metern. Wer die Hände frei haben möchte, kann eine Joggingleine mit Bauchgurt verwenden. Völlig ungeeignet sind Flexileinen. Der Griff mit dem Rollmechanismus ist unnötig schwer und fällt Dir der Kasten aus der Hand, rumpelt er dem Hund hinterher, was zu sehr unschönen Szenen führen kann. Im Schlimmsten Fall läuft Dein Hund in Panik davon.

Beachte: Hunde regulieren über Hecheln ihre Körpertemperatur. Wenn Dein Hund aufgrund gesetzlicher Bestimmungen einen Maulkorb tragen muss, dann vergewissere Dich, dass er damit richtig gut hecheln kann. Der Maulkorb braucht also nach unten hin viel Spielraum, damit Dein Hund sein Maul öffnen kann.

 

Geh es gemütlich an

Lass Deinen Hund niemals mit vollem Magen joggen! Es sollten mindestens zwei Stunden seit der letzten Mahlzeit vergangen sein.

Such Dir als Laufstrecke lieber einen weichen Wald- oder Feldweg statt harten Asphalt. Das schont seine Gelenke. Dein Hund hat schließlich keine Laufschuh-Dämpfung ;-) Hat Dein Sportsfreund Probleme mit Menschen oder Artgenossen, ist es in einer ruhigeren Gegend stressfreier und ihr müsst nicht ständig anderen Menschen und Hunden ausweichen.

 

Schnüffeln erlaubt!

Als Neueinsteiger braucht Dein Hund Zeit um einerseits Kondition aufzubauen, und sich andererseits an diese neue gemeinsame Aktivität mit Dir zu gewöhnen. Lass ihn die ersten paar Minuten im Schritt ausgiebig schnüffeln und seine Geschäfte machen. Dann läufst Du im gemütlichen Trab los, gehst nach ein paar Minuten wieder in den Schritt über, bevor Du wieder losläufst und die Zeitdauer langsam ausdehnst. Auch während des Laufens solltest Du ihm die Möglichkeit zum Schnüffeln geben. Hunde wollen nämlich in erster Linie immer ihre Umgebung erkunden, schauen, schnüffeln, markieren … da kann Dein Sportgeist noch so groß sein. Bleib also fair Deinem Hund gegenüber und nimm dieses wichtige Bedürfnis ernst. Jogge am Stand oder mach ein paar Kniebeugen/Liegestütze bis es gemeinsam wieder weitergeht. Dein Hund und Deine Kondition werden es Dir danken :-D

Und ganz ehrlich: Wer mag schon einen gelangweilten Vierbeiner an seiner Seite traben haben, der weder nach rechts noch nach links schaut, und nur hofft, dass es bald vorbei ist, damit er wieder Hund sein kann?

 

Stress und Überforderung erkennen

Wenn Dich Dein Hund beim Laufen verbellt, dich anspringt oder in die Leine beißt, ist die Situation für ihn noch zu aufregend. Manche Hunde stresst es, wenn ihr Mensch sich schnell(er) neben ihnen bewegt, weil sie es nicht kennen oder aber zu oft zu wild mit ihnen gespielt wird. (Überleg Dir bei der Gelegenheit gleich, wie Du Dich Zuhause mit Deinem Hund beschäftigst: nur Spiel, Spass, Action, oder auch genügend Ruhe und gemeinsame Entspannung?) Reduziere Dein Tempo und geh es noch langsamer an. Gib ihm die Zeit, in diese neue Aktivität mit dir hineinzuwachsen. Er soll schließlich lernen, unaufgeregt in einem gleichmäßigen Tempo neben Dir zu laufen, und nicht wie von der Tarantel gestochen loszuschießen und völlig zu überdrehen. Schnappt er im Laufe des Joggens in die Leine, ist er möglicherweise überfordert und überanstrengt. Mach eine Pause, bleib dabei aber langsam in Bewegung.

Wenn Dein Hund sich zurückfallen lässt, mach ebenfalls eine Pause (gemütliches Gehen und Schnüffeln). Zwing Deinen Hund niemals, Tempo zu machen!

Am Ende der Laufrunde braucht Dein Körper und der Deines Hundes Zeit, um wieder herunterzufahren. Lass Eure Laufeinheit immer im ruhigen Schritt-Tempo ausklingen.

 

Vorsicht vor Überhitzung

Die derzeitigen milden Wintertemperaturen (ein paar Grad unter oder über dem Gefrierpunkt) eignen sich gut zum Laufen. Hunde sind sehr hitzeempfindlich. Bei Temperaturen über +15 Grad solltest Du daher den Schatten bevorzugen, früh Morgens, spät Abends oder im kühlen Wald laufen gehen. Viele Hunde lieben es dann auch, sich zwischendurch mal in einem Bach oder See abzukühlen. Sonst nimmst Du auf jeden Fall Wasser zum Trinken für ihn mit.

 

Hundebegegnungen

Wenn Dir ein Hund entgegenkommt, wechsle in den Schritt und geh einen Bogen. Lauf bitte nicht frontal auf einen anderen Hund zu oder an ihm vorbei. Das ist für Hunde sehr unangenehm und konfliktträchtig. Selbst wenn Dein Laufkumpel so cool ist und das unaufgeregt schafft, viele andere Hunde regt das sehr auf. Wenn Du also schon merkst, dass der entgegenkommende Hund den Blick von Euch nicht lösen kann, dann weiche bitte entsprechend aus, so dass es zu keinem Gezerre oder Gebell an der Leine kommt. Ist Dein Hund freilaufend mit Dir unterwegs und Dir kommt ein angeleinter Hund entgegen, lässt Du Deinen Vierbeiner selbstverständlich NICHT zu ihm hinrennen. (Das gilt übrigens nicht nur beim Joggen, sondern IMMER!).

 

Ich freu mich, wenn Du mit Deinem Hund gemeinsam Deine nächste Joggingeinheit genießen kannst und wünsche Euch viel Spaß! Vergiss bitte nicht, dass Dein Hund ein Ruhebedürfnis von ca 18 Stunden pro Tag hat. Wenn das nicht der Fall ist und Dein Vierbeiner Zuhause mehr herumhibbelt als schläft, ist Joggen wahrscheinlich die falsche Beschäftigung für ihn. Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du mich gerne kontaktieren ;-)

 

 

Sabine Koch-Bischof ist petdoctors-Tiertrainer-Expertin. Sie leitet die Hundeschule www.hunde-verstehen.at

Das Foto von Sabine Koch-Bischof mit ihrem Hund Dr. Chomsky hat petdotors-Fotograf Janusch Unterhuber gestaltet

 

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