Besonders gefährdet sind Hunde mit tiefem, breitem Brustkorb wie z.B. Boxer
(c) Photo: Romuald Galecki auf Pixabay

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Eine Magendrehung ist immer ein lebensbedrohlicher Notfall!

Brechreiz/gekrümmter Rücken/Gasbildung/Erbrechen - News am 30. Oktober 2020

Wird vom Hund eine Bewegung ausgeführt, die das Pendeln des Magens verstärkt, kann sich dieser um seine Längsachse drehen. Am gefährlichsten sind hierbei nach unten gerichtete Bewegungen und plötzliches Abbremsen. Rassen mit tiefem und breitem Brustkorb sowie weichen Bindegewebe sind besonders gefährdet. Dazu zählen Dogge, Schäferhund, Boxer, Chow Chow, Greyhound, Dobermann, Molosser.

1. Symptome

  1. Durch den kurzen Drehungsschmerz laufen Hunde vorsichtig mit gekrümmtem Rücken.
  2. Es tritt immer wieder Brechreiz auf. Da die Speiseröhre durch die Drehung verschlossen ist, kann kein Futter heraus gewürgt werden.
  3. Es tritt starker Speichelfluss auf.
  4. Trinkt der Hund Wasser, wird dieses nicht abgeschluckt, sondern sofort wieder erbrochen.
  5. Der Bauch vergrößert sich durch die Gasbildung.
  6. Klopft man auf den Bauch, entsteht ein Geräusch, wie bei einer Trommel.
  7. Der Hund wird infolge der massiven Kreislaufbelastung immer apathischer und hechelt.
  8. Es kommt zur Äußerung von Schmerzlauten.
  9. Die Schleimhäute sind fast weiß, der Puls ist kaum mehr tastbar.

Diese lebensbedrohlichen Zustände können innerhalb von 30 Minuten entstehen, wird kein chirurgischer Eingriff durchgeführt, stirbt der Hund.

2. Ursache

Hat sich der Magen gedreht,

  • bilden sich durch Futterreste Gase, die nicht über die Speiseröhre oder den Darm entweichen können.
  • Der Magen bläht sich auf und drückt gegen das Zwerchfell.
  • Ist die Blähung sehr stark, kann die Magenwand zerreißen.
  • Da die Milz am Magen mit einem Band befestigt ist, wird sie bei der Drehung mitgedreht. Das Blut kann über die zusammengepressten Gefäße nicht mehr abfließen und staut sich in der Milz.
  • Es treten lebensbedrohliche Kreislaufstörungen und Herzbelastungen auf.

3. Therapie

Ein Magendrehung ist ausschließlich durch eine Operation zu therapieren:

  • Nachdem der Kreislauf durch Infusionen stabilisiert wurde, wird unter Narkose der Bauchraum geöffnet und der Magen in seine ursprüngliche Lage zurückgedreht.
  • Ist der Magen stark gebläht, muss das Gas durch Punktion abgelassen werden. Der Mageninhalt wird ausgespült, bereits abgestorbene Teile der Magenwand werden nach innen eingestülpt.
  • Um eine neuerliche Drehung zu verhindern, wird der Magen im Bauchraum fixiert.
  • Die seitliche Bauchwand wird dabei über 5 cm mit der Magenwand zusammengenäht.
  • Wird während der Operation keine Fixierung durchgeführt, besteht eine Rezidivwahrscheinlichkeit von 80%,
  • mit Fixierung von 5%.
  • Sind an der Milz bereits schwere Schäden durch die Stauung des Blutes entstanden, muss diese eventuell auch entfernt werden.

Komplikationen können durch Blutdruckabfall, Nierenversagen und Herzrhythmusstörungen entstehen.

Erfolgt eine Operation bis zu 6 Stunden nach der Drehung, sind die Heilungschancen günstig. Danach sind die Überlebensquote deutlich.

4. Vorbeugung

  1. Nicht zu große Futterportionen verabreichen
  2. Nach der Fütterung (ca. 2 Stunden) nicht mit anderen Hunden toben oder Stiegen hinunter laufen lassen
  3. Nicht ausschließlich Trockenfutter füttern, das Futter verbleibt länger im Magen und erhöht das Risiko für eine Drehung.
  4. Kein Wälzen um die Körperachse

5. Magendrehungen können auch bei anderen Tieren auftreten:

Katze: Magendrehungen bei der Katze treten selten auf. Die Symptome gleichen denen des Hundes
 
Meerschweinchen: Die  Magendrehung beim Meerschweinchen tritt

  • häufig bei Zuchttieren auf,
  • kann aber auch infolge von Umlagerungen in Narkose sowie durch die Verwendung bestimmter Narkosemittel vorkommen.
  • Eine Erweiterung des Magens infolge Anstauung von Darminhalts kann auch zu einer Magendrehung führen.
  • Klinisch zeigt sich die Erkrankung in Abgeschlagenheit, Inappetenz, Untertemperatur und einem aufgetriebenen Bauch infolge des gasgefüllten Magens und Darms.

Eine Unterscheidung von einer normalen Tympanie erfolgt durch Röntgenuntersuchung, da bei der Magendrehung der Magen häufig auf die rechte Körperseite verlagert ist.

Die Therapie erfolgt chirurgisch wie beim Hund, die Überlebenschancen sind aber eher schlecht.