Anleitung zum BARFen von Hunden: Born Again Raw Feeders [01|21]

Auf ausgewogenen Nährstoffbedarf, Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, Eiweiß, Fette achten.
(c) Uwe Ruhrmann auf Pixabay

Teilen

Ernährung, rohes Fleisch, Nährstoffbedarf, Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren, Eiweiß, Fette - Update [18|01|21]

Ihr Hund soll artgerechtes, gesundes Futter erhalten. Da fällt die Entscheidung schwer. Im Handel sind viele Futtervarianten, von Trockenfutter über Nassfutter, halbroh oder BARF-Menüs erhältlich. [#MehrwissenaufPetdoctors: gesundes, artgerechtes & hochwertiges Futter erkennen] Vielleicht möchten Sie die Mahlzeiten ihres Hundes aber auch selber zubereiten, um alle Zutaten zu kennen und auf die Geschmacksvorlieben Ihres Hundes einzugehen.

1. Was bedeutet BARF eigentlich?

BARF, „born again raw feeders“ und „bones and raw food“ bedeutet:

  • „biologisch artgerechte Rohfütterung“, oder „biologisch artgerechtes rohes Futter“
  • Diese Art der Fütterung soll garantieren, dass Ihr Hund gesund und artgerecht ernährt wird und
  • später nicht an Zivilisationserkrankungen, wie Herz- Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, oder Übergewicht leidet.

Wichtig ist, dem Hund ein Futter zu bieten, das alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthält und seinen Energiebedarf ausreichend abdeckt.

2. Die Vorteile:

  1. Diese Form der Fütterung richtet sich nach früheren, natürlichen Gegebenheiten.
  2. Die meisten Inhaltsstoffe werden nicht erhitzt, Konservierungsmittel oder andere künstliche Substanzen dürfen/werden nicht zugesetzt.
  3. Um den Kalziumbedarf des Vierbeiners abzudecken, werden Knochen gefüttert, die gleichzeitig die Zähne mechanisch reinigen.
  4. Die Bildung von Zahnstein wird verhindert, es tritt kein Mundgeruch auf.
  5. Durch den hohen Gehalt an Ballaststoffen wird die Verdauung reguliert, der Hund setzt nur mehr einmal am Tag Kot ab.
  6. Der Kot ist fast geruchlos.
  7. Rohes Fleisch kann leichter verdaut werden, als Trockenfutter.
  8. Der Hund leidet nicht mehr unter Blähungen, die Haut riecht wieder neutral, da nicht mehr so viele Abfallstoffe über die Haut ausgeschieden werden müssen. Das „Hundeln“ verschwindet.

3. Die Nachteile:

  1. Eine  Dose oder einen Trockenfuttersack zu öffnen ist viel weniger aufwendig.
  2. Um einen Hund richtig zu barfen, muss man sich genau über den Nährstoffbedarf des Hundes informieren und
  3. bei der Zusammenstellung der Menüs auf Abwechslung achten.
  4. Bei der Fütterung von Knochen sollte darauf geachtet werden, nur Markknochen, oder Fleischknochen in ungekochtem Zustand zu verwenden.
  5. Andere Knochen können splittern und Darmverletzungen verursachen.
  6. Bei Welpen darf der Eiweißgehalt im Futter nicht zu hoch sein, da durch zu schnelles Wachstum Probleme an den Gelenken und der Wirbelsäule auftreten können.
  7. das Fleisch sollte immer absolut frisch sein. [#MehrWissen: Gammelfleisch ist auch tabu für den Hund]

4. Der Nährstoffbedarf eines Hundes:

Der Nährstoffbedarf hängt von Alter, Größe und Bewegung Ihres Hundes ab. Hunde, die viel laufen oder Hundesport mit ihren BesitzerInnen betreiben und trächtige Hündinnen haben einen höheren Nährstoffbedarf als der nicht so stark ausgelastete Stadthund.

4.1 Aminosäuren und Eiweiß:

Das rohe Futter muss 10 essentielle Aminosäuren enthalten. Aminosäuren beeinflussen viele Stoffwechselprozesse, wie zum Beispiel die Umwandlung von Glukose in Energie, oder die Bildung von Botenstoffen im Gehirn. Die meisten Hunde bevorzugen rein instinktiv Futter, das die essentiellen Aminosäuren in ausgeglichenem Verhältnis enthält.

4.2 Fette und Fettsäuren

Tierische Fette und pflanzliche Öle sind wichtige Energielieferanten. Fettsäuren werden für den Transport fettlöslicher Vitamine benötigt, sie sind wesentlich am Aufbau von Zellstrukturen beteiligt. Im Futter ihres Hundes sollten mindestens 10% Eiweiß und 6% Fett enthalten sein

4.3 Wieviel Energie benötigt Ihr Hund

Energie wird aus Kohlenhydraten, Zuckern, Stärke und Fasern gewonnen. Manche Kohlenhydrate, wie Glukose und Fruktose können direkt resorbiert werden. Fasern und Stärke müssen im Dickdarm durch Bakterien in kurzkettige Fettsäuren und Gase umgewandelt werden, bevor sie vom Körper verwertet werden können.

Der durchschnittliche Energiebedarf eines erwachsenen Hundes mit normaler Bewegung beträgt

  • bei einem Körpergewicht von 5kg
  • 404 Kalorien,
  • bei 15 kg 920 Kalorien und
  • bei 25 kg 1350 Kalorien.

4.4 Vitamine

Vitamine sind an vielen Vorgängen im Körper beteiligt.

  • Vitamin A fördert das Immunsystem und den Zellstoffwechsel.
  • Vitamin D ist an Umbauprozessen der Knochen maßgeblich beteiligt.
  • Als Antioxidans verhindert Vitamin E Entzündungsprozesse.
  • Vitamin K ist wesentlich an der Blutgerinnung beteiligt.
  • B6 unterstützt die Funktion der Nerven und des Immunsystems.
  • B1 greift in den Kohlenhydratstoffwechsel ein.
  • Folsäure ist an der Verwertung von Aminosäuren beteiligt.

4.5 Mineralstoffe

  • Kalzium ist für die Knochenbildung und die Zahngesundheit verantwortlich,
  • Magnesium stabilisiert die Zellmembranen gegen äußere Einflüsse.
  • Phosphor wirkt ausgleichend und stabilisiert das Säure-Basengleichgewicht im Körper.

5. Bestandteile einer BARF Mahlzeit:

Fleisch, Fisch, Innereien, Blut und Knorpel sollten ungefähr 80% der Futterportion ausmachen.

5.1 Fleisch

  • Es sollte immer abwechselnd Fleisch verschiedener Tierarten verwendet werden.
  • Vorsicht ist nur bei rohem Schweinefleisch geboten, da auf diesem Weg eine Übertragung des Aujeszky- Virus erfolgen kann. Um eine Infektion mit Wurmlarven oder Finnen zu verhindern, kann das Fleisch für 3 Tage eingefroren werden.

5.2 Innereien

  • Durch rohe Leber bekommt der Hund ausreichend Vitamin A. Leber sollte nicht in zu großen Mengen gefüttert werden, da eine Überversorgung mit Vitamin A Krankheiten verursachen kann.
  • Nieren sind eine ausgezeichnete Eiweißquelle.
  • Lunge ist eher fett- und energiearm. 
  • Ungeputzte Vormägen von Wiederkäuern (Pansen, Blättermagen) enthalten durch Bakterien vorverdaute Grünpflanzen. Diese pflanzlichen Proteine können ohne weitere Aufspaltung direkt verwertet werden.

5.3 Fisch

  • Fisch enthält viele essentielle Fettsäuren, die sich positiv auf die Gesundheit von Haut und Fell auswirken.
  • Allerdings sind in Fischen Enzyme enthalten, die Vitamin B1 zerstören. 
  • Daher muss bei häufiger Fütterung von Fisch auf eine ausreichende zusätzliche Vitamin B1 Versorgung geachtet werden.

5.4 Rohe Knochen

  • Knochen versorgen Ihren Hund mit Kalzium. Sie müssen immer roh gefüttert werden, da
  • gekochte Knochen spröde werden und splittern können. Diese sind auch schwer verdaulich und können Erbrechen und Knochenkotverstopfungen hervorrufen.

5.5 Eier

  • Wer keine Knochen füttern möchte, kann die Kalziumversorgung auch mit gemahlenen Eierschalen sichern.
  • Eidotter enthält viele Vitamine und essentielle Fettsäuren.
  • Das Eiklar sollte vorher abgetrennt werden, da es Avidin enthält und Vitamin H bindet.

5.6. Öl

  • Werden der Futterportion biologische, kaltgepresste Öle zugesetzt, können die fettlöslichen Vitamine besser resorbiert werden.
  • Fischöl, Distelöl und Leinöl enthalten reichlich ungesättigte Fettsäuren. 
  • Hanföl, das der Ration einmal pro Woche zugesetzt wird, fördert das Immunsystem und die Gesundheit von Haut und Fell.

5.7 Obst und Gemüse

  • Hunde können die Zellwände von Pflanzen nur durch im Dickdarm enthaltene Bakterien aufspalten. 
  • Um Obst und Gemüse besser verwertbar zu machen, sollte es püriert oder gekocht werden.
  • Die Futterration sollte ungefähr 20% Obst und Gemüse enthalten. 
  • Geeignet sind Salate, Karotten, Gurke, Sellerie, Zucchini, Radieschen, Rote Rüben (Rote bete), Fenchel und Kürbis, Apfel, Banane und Beeren.

5.8 Getreide

  • Reis, Hirse und Haferflocken können als Kohlenhydratlieferanten genutzt werden. Um Übergewicht zu vermeiden, sollten maximal 2% der Futterportion aus Getreide bestehen.

6. BARF Rechner:

Sollten Sie anfangs Probleme bei der Berechnung der Mahlzeit haben, finden sie im Internet verschiedene Barf- Rechner, wie zum Beispiel:

7. Was KEINESFALLS im Futter sein sollte:

  • Rohe Zwiebeln und Knoblauch zersetzen die roten Blutkörpechen, der Hund leidet an einer Anämie und setzt roten Harn ab.
  • Im Fruchtfleisch der Avocado ist Persin, ein Enzym, enthalten, das die Herzmuskelzellen angreift. Die Schäden am Herzmuskel sind nicht mehr reversibel.
  • Werden Paprika, Tomaten und Melanzani in zu großen Mengen gefüttert, können Durchfall, Erbrechen und Krämpfe auftreten. Wichtig ist, diese Nachtschattengewächse nur in überreifem Zustand zu verfüttern, damit das Solanin möglichst weit abgebaut ist.
  • Werden Hülsenfrüchte nicht gekocht, können durch das enthaltene Phasin Vergiftungen verursacht werden. Hülsenfrüchte sollten daher immer für mindestens 30 Minuten erhitzt werden.
  • Weintrauben und Rosinen können bei empfindlichen Hunden Nierenversagen auslösen. Der dafür verantwortliche Stoff konnte noch nicht identifiziert werden.
  • Schokolade sollte für Hundekekse und Hundetorten nicht verwendet werden. Im Kakao ist Theobromin enthalten, das Kreislaufbeschwerden und einen Herzstillstand auslösen kann.

#MehrTippsaufPetdoctors: Was Hunde fressen dürfen und was nicht.

8. Wie Sie Ihren Hund auf BARF- Fütterung umgestellen:

  1. Bei jungen, gesunden Hunden wird einen Tag kein Futter verabreicht, um den Darm zu leeren. Anschließend kann sofort mit Barf- Mahlzeiten begonnen werden.
  2. Wurde Ihr Hund schon über mehrere Jahre mit Fertigfutter ernährt, ist sein Darm nicht mehr an die Aufspaltung frischer Nahrung gewöhnt. Die Umstellung sollte langsam erfolgen. Der Anteil des Barf-Futter an der Ration wird schrittweise erhöht, bis das alte Fertigfutter nicht mehr benötigt wird.
  3. Bei älteren Hunden kann im Lauf der Umstellung eventuell für drei Tage leichter Durchfall auftreten, bis sich die Bakterienflora im Darm wieder stabilisiert hat.

9. Wie  die erste BARF-Mahlzeit aussehen sollte:

Anfangs sollten leichtverdauliche Fleischsorten, wie Huhn, verwendet werden.

  • Verweigert Ihr Hund das neue Futter, nehmen Sie die Schüssel weg und bieten Sie ihm diese nach einiger Zeit wieder an.
  • Eventuell kann das Fleisch etwas gekocht werden, damit sich Ihr Hund an den veränderten Geschmack und die festere Konsistenz gewöhnen kann.

10. Zusammenfassung

Barf ist eine gesunde, artgerechte Ernährungsform. Die Herstellung der Mahlzeit benötigt etwas mehr Zeit, dafür ist die Nahrung trotz Verwendung hochwertiger Zutaten oft günstiger als Fertigfutter aus dem Tierhandel. Nicht jede Futterportion muss zu 100% ausgewogen sein. Die Differenzen der Nährstoffe gleichen sich über einzelne Tage aus. Wichtig ist, laufend darauf zu achten, dass Ihr Hund mit allen lebenswichtigen Nährstoffen gut versorgt ist,

Haben Sie gemeinsam mit Ihrem Hund Spaß am Experimentieren und bieten Sie ihrem Vierbeiner einen abwechslungsreichen, bekömmlichen Speiseplan.