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Verhaltensänderung durch Schmerz

Hunde empfinden Schmerzen ebenso wie Menschen. Sie können sich allerdings nur durch ihre Körpersprache und ihr Verhalten mitteilen.

In der freien Natur werden Schmerzen unterdrückt und vor den anderen Rudelmitgliedern möglichst lange verborgen. Schmerzen machen schwach und können einen Ausschluss aus dem Rudel zur Folge haben.  Dies kann aber auch den Tod des Tieres bedeuten.

Wann und wie tritt Schmerz auf?

Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers auf einen äußeren Reiz. Durch Schädigung des Gewebes werden in feinen Nervenden, den Schmerzrezeptoren, Reize ausgelöst, die an das Rückenmark weitergeleitet werden. Im Rückenmark entsteht ein Signal, das sofort an den betroffenen Körperteil weitergeleitet wird. Gleichzeitig werden die Schmerzsignale in chemische Botenstoffe umgewandelt, die über Leitungsbahnen in das Gehirn gelangen. Im Zwischenhirn und Endhirn entsteht die bewusste Schmerzempfindung. Endorphine werden ausgeschüttet, um den Schmerz zu verringern. Schmerz kann akut oder chronisch auftreten. Das Gehirn ist auch in der Lage, Schmerz für Lernprozesse zu verwerten. Schmerzauslösende Situationen werden zukünftig so gut wie möglich vermieden.

Wie äußern Hunde Schmerzen?

Hunde können nicht durch Sprache anzeigen, dass sie in bestimmten Situationen Schmerzen empfinden. Deshalb reagieren die Vierbeiner mit Veränderungen des Verhaltens auf unangenehme Situationen. Die Reaktionen zeigen große individuelle Unterschiede und können von Hyperaktivität bis Aggressivität reichen.

  • Schonhaltung
  • Hecheln bei geringen Belastungen
  • Verminderte Bewegungsfreudigkeit
  • Steife Bewegungen am Morgen
  • Unruhe
  • Kurzes Aufschreien
  • Fressunlust
  • Benagen und Belecken von Körperteilen
  • Zurückweichen vor der streichelnden Hand
  • Knurren und Schnappen

Achtung Schmerzgedächtnis

Das Schmerzgedächtnis hält lange an. Auch wenn die Ursache für die Schmerzempfindung bereits beseitigt ist, kann Ihr Hund in bestimmten Situationen aus Angst vor Schmerzen weiter übersteigerte Reaktionen zeigen.

Wie Sie erkennen, ob somatische oder organische Erkrankungen die Ursache für Verhaltensveränderungen sind:

  • Die Änderung des Verhaltens tritt plötzlich auf
  • Aggressionen sind nur zeitweise erkennbar
  • Ihr Tier reagiert auf Berührungen aggressiv
  • Eine schmerzhafte Erkrankung wurde von einem Tierarzt diagnostiziert
  • Das Verhaltensproblem ist in kein übliches Schema einzuordnen

Welche Formen von Aggression unterschieden werden:

1. Natürliche Aggression

Jagen und Erlegen von Beutetieren zählt während des Lebens in freier Wildbahn zu der überlebenswichtigen, natürlichen Aggression. Auch für Rangordnungskämpfe wird ein gewisses Aggressionspotential benötigt.

2. Übersteigerte Aggression

Als pathologische Aggression wird Angstbeißen durch Unsicherheit, oder stark übersteigertes Territorialverhalten bezeichnet.

3. Schmerzbedingte Aggression

Hier handelt es sich eigentlich um kein aggressives Verhalten. Der Hund gibt durch Knurren oder Schnappen zu erkennen, dass er Berührungen als unangenehm und schmerzhaft empfindet.

Auch organische Krankheiten, wie Fehlfunktionen der Schilddrüse und andere Störungen des Hormonstoffwechsels, können „aggressives Verhalten“ verursachen.

Bei Erkrankungen der Leber funktioniert die Entgiftung des Körpers nicht mehr. Giftstoffe gelangen über die Blutbahn in das Gehirn und verursachen Veränderungen des Verhaltens.

Auch ein erhöhter Zuckerspiegel bei Diabetes mellitus kann zu Verhaltensänderungen führen.

Tumoren im Gehirn verursachen eher selten Aggressionen. Die meisten Hunde ziehen sich zurück und werden ruhiger.

Verformungen des Schädels bei brachycephalen Hunderassen und Ausbildung einer Syrinx (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume im Rückenmark) führen aufgrund von Schmerzen zu Abwehrbewegungen beim Streicheln des Kopfes.

Auch ungeeignetes Futter kann aggressives Verhalten auslösen. Enthält das Futter zu viel Energie und Eiweiß, wird die Leber überlastet. Das Übermaß an Energie wird von dem Hund in Form von Aggression ausgelebt.

Therapie bei Schmerzen

Zuerst muss von einem Tierarzt die Ursache für den Schmerz durch eine Untersuchung abgeklärt werden. Eine Unterscheidung von akutem und chronischem Schmerz wird getroffen.

Anschließend wird das geeignete Medikament für Ihren Hund ausgewählt. Um das Schmerzgedächtnis zu löschen, können Akupunkturbehandlungen durchgeführt werden.

Schmerzhafte Zustände können auch mit Hilfe von Homöopathie, Phytotherapie und physikalischen Therapien gelindert werden.

Schmerzmittel für Menschen sollten Hunden nur nach Rücksprache mit einem Tierarzt verabreicht werden, da schwere Nebenwirkungen auftreten können.

Regelmäßig durchgeführte Untersuchungen können Bissattacken vermeiden

Lassen Sie Ihren Hund in regelmäßigen Abständen von einem Tierarzt untersuchen. Achten Sie auf plötzliche Verhaltensänderungen Ihres Hundes, um schmerzhafte Erkrankungen oder Störungen des Stoffwechsels schnell zu erkennen.

Ein gesunder, sicherer Hund mit festem Wesen reagiert nicht plötzlich und grundlos aggressiv.