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Atemnot bei Boxer, Mops & Co

Zucht im Dienste der Schönheit geht auf Kosten der Gesundheit. Ein stark verkürztes Kiefer verursacht Brachycephales Atemsyndrom und führt nicht nur zu Atemnot bei Kleinhunden. Es tritt bei Boxern, Mops, Bulldoggen, Lhasa Apso und Pekinesen auf.

 

Hunde werden von Menschen seit vielen Jahren gezüchtet. Richtete sich die Zucht früher hauptsächlich nach dem Verwendungszweck als Wach- oder Jagdhund, wurde in den letzten 150 Jahren auf „Schönheit“ gezüchtet. Von Zuchtvereinen festgelegte Rassestandards sollten erreicht werden, egal was diese Tatsache für die Gesundheit der Hunde bedeutet. Bei einigen Rassen wurde der Kiefer durch gezielte Zuchtwahl so verkürzt, das normales Atmen nicht mehr möglich ist.

 

BAS: das brachycephale Atemnotsyndrom

Der gesamte Bereich von Nase bis Kehlkopf ist zu schmal und kurz. Die Mandeln sind vergrößert. Der weiche Gaumen endet in einem zu langen und zu breiten Gaumensegel, das die Atmung zusätzlich behindert. Zusätzlich sind als Nebenerscheinung dieser Zucht die Knorpelringe der Luftröhre zu weich ausgebildet. Die Trachea kann bei der geringsten Anstrengung kollabieren. Die Hunde leiden immer wieder unter Erstickungsanfällen.

Eine normale Atmung ist nicht möglich, schnarchende und röchelnde Geräusche sind bei der Ein- und Ausatmung hörbar. Die Nasenmuscheln wuchern in der gesamten Nasenhöhle, die verdickte Nasenschleimhaut verstopft zusätzlich die Atemwege. Durch den stark verkürzten Kiefer tritt ein Vorbiss auf, die Zähne sind eng gestellt.

BAS tritt vor allem bei Boxern, Mops, Bulldoggen, Lhasa Apso und Pekinese auf.

 

Symptome

Die ersten Symptome treten bereits mit 6 Monaten auf. Mit zunehmendem Lebensalter verstärken sich die Beschwerden.

Das lange Gaumensegel wird bei der Einatmung in die Stimmritze gezogen und verschließt diese. Durch Luftwirbel entstehen schnarchende Geräusche. Bei hochgradigem BAS sind die Hunde nicht in der Lage, liegend zu schlafen. Würgen, Husten und Erbrechen tritt häufig auf, da auch der Schluckvorgang gestört ist. Eine chronische Gastritis entsteht.

Durch die angestrengte Atmung entzünden sich die Bronchien. Der Druck in der Lunge steigt an, das Herz ist ständig überlastet. Eine Herzschwäche ist die Folge.

Ist die lockere Haut im Kopfbereich zu weit, können Hautfalten die Nasenöffnungen bedecken und zusätzliche Atemnot verursachen. Der Geruchssinn ist durch die Schädigung der Nasenschleimhaut stark eingeschränkt. Sozialkontakte sind schwerer möglich.

 

Diagnose

Der Hundekopf wird mittels einer Computertomographie vermessen. Über eine Endoskopie kann die Stärke der Gewebewucherungen festgestellt werden.

 

Wann  ein Hund operiert werden muss:

·      Ständiges Schnarchen und Röcheln
·      Atemprobleme beim Schlafen
·      Blaufärbung der Schleimhäute
·      Extreme Leistungsschwäche bei warmen Temperaturen
·      Häufige Ohnmachtsanfälle
·      Gastritis und chronisches Erbrechen

 

Operationsmethoden

Wird die Diagnose früh bei jungen Hunden gestellt, ist oft nur ein kleiner Eingriff nötig. Je später die Operation durchgeführt wird, umso mehr Gewebe ist betroffen. Sind der komplette Rachen und die Tonsillen verdickt, müssen auch diese entfernt werden.

1.  Rhinoplastik

Keilförmige Teile des Nasenknorpels und des weichen Gewebes werden herausgeschnitten. Die Nasenlöcher werden geweitet.

2.  Tonsillektomie

Die Mandeln werden aus den Taschen vorverlagert und entfernt.

3.  Gaumensegelkürzung

Das Gaumensegel wird gekürzt und verschmälert.

4.  Kehlkopfkollaps

Damit die weichen Knorpelanteile des Larynx nicht zusammenfallen können und die Stimmritze verlegen, werden Teile des Kehlkopfes entfernt. Bei 50 % der Hunde tritt nach der Operation eine tödliche Komplikation auf. Futter wird während des Schluckvorganges eingeatmet, eine Lungenentzündung entsteht.

5.  Versteifung der Trachea

Das zu weiche Knorpelgerüst der Luftröhre wird künstlich verstärkt.

6.  LATE

Unter Narkose wird Gewebe in der Nasenhöhle mit einem Laser entfernt. Die Atmung kann leichter stattfinden.

7.  Medikamente

Durch die Gabe von Kortikosteroiden werden Schwellungen der Schleimhaut verringert.

 

Welche zusätzlichen Erkrankungen auftreten

Bei Hunderassen mit kurzem Kopf treten häufig Hydrocephalus und Hirntumoren auf. Die Öffnungen im knöchernen Schädel schließen sich nicht nach der Geburt. Das Gehirn ist nicht ausreichend vor Verletzungen geschützt. Das Kleinhirn ist geschädigt, da die Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nicht abfließen kann. Bewegungsstörungen, Krämpfe und Lähmungen sind die Folge. Der große runde Kopf passt bei der Geburt nicht durch das Becken der Mutterhündin. Die Geburt kann nur durch einen Kaiserschnitt erfolgen.

 

Belastungstest

Um das Ausmaß der Atemprobleme zu überprüfen, wird ein Belastungstest durchgeführt. Innerhalb von 11 Minuten muss eine 1000 Meter lange Strecke zurückgelegt werden. Atemgeräusche und Herzfrequenz der Hunde werden gemessen.
Um mögliche Fehlerquellen auszuschließen, kann der Test auch auf einem Laufband durchgeführt werden.

 

Was Sie für ihren Hund tun können

Das Kindchenschema (runder, großer Kopf mit Kulleraugen) wirkt niedlich und süß. Für den Hund bedeutet das aber oft lebenslange Atemprobleme. 


Ist eine Operation nötig, führen sie diese so schnell wie möglich durch, um die Heilungschancen zu verbessern. 90 % der Hunde profitieren von der Operation. Auch wenn für ihren Hund ein Leben mit ständigen Atemproblemen normal ist, ermöglichen sie ihm durch eine Operation ein tiergerechteres Hundeleben.


Achten sie vor dem Kauf eines brachycephalen Hundes auf die Elterntiere. Sind diese nicht in der Lage, mehrere Runden in einem Ausstellungsring zu laufen, liegt ein hochgradiges BAS vor.