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Was tun, wenn der Hund zuckerkrank ist

Eine richtige Therapie ermöglicht ein langes, artgerechtes Leben


Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, von der besonders Hunde ab dem dritten Lebensjahr betroffen sind. Manchmal ist die Erkrankung auch genetisch bedingt, und tritt bereits bei Junghunden auf.

Um die Energieversorgung für den Zellstoffwechsel aufrecht zu erhalten, müssen die Zellen mit Hilfe von Insulin aus dem Blut Glukose aufnehmen. Ist nicht genügend Insulin vorhanden, erhöht sich der Zuckerspiegel im Blut, da das Gehirn dem Körper ständig signalisiert: „du brauchst Nahrung“.


Funktion der Bauchspeicheldrüse


In den Beta-Zellen der Langerhans- Inseln wird Insulin gebildet und in der Bauchspeicheldrüse gespeichert. Ist im Blut viel Zucker enthalten, erhält die Bauchspeicheldrüse das Signal, Insulin auszuschütten. Sofort wird wieder mit der Produktion von neuem Hormon begonnen, die Speicher sind in kürzester Zeit wieder für den nächsten Einsatz gefüllt.


Wie Insulin wirkt


Insulin haftet an der Zellwand und aktiviert Rezeptoren, die für die Passage von Insulin in die Zelle verantwortlich sind. In der Zelle wird der Zucker zur Energiegewinnung abgebaut. Nicht genutzter Zucker wird in Glykogen (Speicherzucker) umgewandelt und in Leber und Muskeln für eine spätere Verwendung aufbewahrt.


Einige Stunden nach der Futteraufnahme wurde der zugeführte Zucker verwertet, der Blutzuckerspiegel sinkt wieder auf ein normales Niveau ab. Wird Energie aus den Zuckerspeichern benötigt, schüttet die Bauchspeicheldrüse Glukagon aus, Zucker wird freigesetzt, der Blutzuckerspiegel steigt an. Durch die gemeinsame Wirkung von Insulin und Glukagon kann der Blutzuckerspiegel im Körper stabil gehalten werden.



Diabetes mellitus Typ I


Die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin. Zucker aus dem Blut kann von den Zellen nicht verarbeitet werden. Der Zuckerspiegel steigt. Diese Form tritt bei Hunden am häufigsten auf.


Diabetes mellitus Typ II


Die Bauchspeicheldrüse erzeugt Insulin, aber in zu geringer Menge. Die Körperzellen reagieren nicht empfindlich auf das ausgeschüttete Insulin, Zucker kann nicht in die Zelle geschleust werden. Eine Insulin- Resistenz liegt vor.


Diabetes mellitus Typ III


Dieser Diabetes Typ wird durch die Verabreichung von Medikamenten wie Kortison, Läufigkeit oder andere Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse, ausgelöst.


Nach der Läufigkeit oder während der Trächtigkeit produziert der Körper vermehrt Progesteron. Insulin wird durch Progesteron daran gehindert, Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Die Insulinproduktion verstärkt. Reicht die vermehrte Insulinproduktion nicht aus, bildet sich ein temporärer Diabetes mellitus.


Symptome


Alle drei Formen zeigen ähnliche Symptome: Der Hund trinkt vermehrt, hat ständig Durst. Trotz gesteigerter Futteraufnahme verliert er Gewicht. Unkonzentrierter Harn wird in großen Mengen ausgeschieden. Die Anfälligkeit für Harnwegentzündungen steigt, da sich Bakterien im zuckerhaltigen Harn gut vermehren können. Der Harn riecht nach Obst.


Durch die Anreicherung von Schadstoffen im Körper erbricht der Hund, Durchfall tritt auf. Das Fell ist glanzlos und stumpf. Die Linsen trüben sich, das Auge erscheint grau und undurchsichtig. Anfangs kann der Hund noch Schatten wahrnehmen, später tritt Erblindung ein, da die Lichtstrahlen die Netzhaut des Auges nicht mehr erreichen können. Die Leber ist vergrößert und enthält zahlreiche Fetteinlagerungen.


Der Hund ist müde, durch den Energiemangel sind die Hinterbeine geschwächt, es entsteht ein taumelnder Gang.
Erfolgt keine Behandlung fällt der Hund in ein Koma und stirbt schließlich.

Ursachen


Diabetes Typ I ist angeboren, oder entsteht durch Zerstörung der Langerhans- Inseln durch einen Tumor, oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
Besonders oft erkranken Beagle, Dackel, Retriever und Terrierrassen. Übergewicht begünstigt das Entstehen von Diabetes. Richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen die Bauchspeicheldrüse, werden die Beta- Zellen durch Antikörper zerstört, es kann kein Insulin mehr produziert werden.


Diabetes Typ II wird durch Übergewicht und Unterfunktion der Schilddrüse ausgelöst.


Diabetes Typ III tritt nur temporär nach der Verabreichung von Medikamenten, während der Läufigkeit, oder Trächtigkeit auf.


Diagnose


Die Diagnose wird bei einer Untersuchung aufgrund der speziellen, auftretenden Symptome gestellt. Um die Diagnose abzusichern, werden eine Harn- und eine Blutuntersuchung durchgeführt.


Harn: Messung der Glukose im Morgenharn
Blut: Messung von Glukose und Fruktosamin. Der Fruktosaminspiegel schwankt über den Tag nicht so stark, wie der Blutzuckerspiegel und stellt daher einen verlässlicheren Parameter dar.


Therapie


Diabetes Typ III verschwindet nach einiger Zeit wieder. Um einen Übergang von Diabetes Typ III zu Diabetes Typ I zu verhindern, wird eine Kastration der Hündin empfohlen.
Ist der Hund an Diabetes erkrankt, benötigt er lebenslang Insulin. Nachdem der Tierarzt aus dem Blut ein Glukosetagesprofil erstellt hat, kann Insulin in der richtigen Dosierung in Form von Injektionen unter die Haut verabreicht werden. Auch für Hunde sind bereits Insulin- Pens erhältlich, die das Durchführen der Injektion erleichtern.


Eine Therapie mit Antidiabetika in Tablettenform bringt leider nicht den gewünschten Erfolg.


Um den Erfolg der Therapie zu überprüfen, sollten regelmäßige Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Das Blut kann durch einen Stich ins Ohr gewonnen werden. Verhält sich der Hund bei der Blutabnahme nicht kooperativ, kann der Blutzucker auch über den Harn mit einem Teststreifen kontrolliert werden.


Alternative Therapien


Begleitend kann eine homöopathische Therapie durchgeführt werden, um Heißhungerattacken zu verringern, die benötigte Insulinmenge zu reduzieren und die Bauchspeicheldrüse zu stärken.


Welche Komplikationen können auftreten


Wurde eine zu hohe Dosis Insulin gespritzt, sinkt der Blutzucker zu stark ab. Das Gehirn hat nicht mehr genügend Energie zur Verfügung. Der Hund ist unruhig, zittert, kann sich nicht mehr orientieren. Er kann in einen Schockzustand, oder ins Koma fallen.


Verabreichen sie in so einem Fall als erste Hilfe aufgelösten Fruchtzucker mit einer Spritze in den Mund ihres Hundes. Achten sie darauf, dass ihr Hund sich nicht verschluckt.
Suchen sie anschließend, so schnell wie möglich, einen Tierarzt auf, der dem Hund die benötigte Glukose in einer Infusion verabreichen wird.


Was können sie für ihren Hund tun


Achten sie auf regelmäßige Futterzeiten, füttern sie ihren Hund mindestens zweimal am Tag. Verwenden sie hochwertiges, ballaststoffreiches Futter, damit der Zucker aus der Nahrung langsamer aufgenommen wird.
Vermeiden sie Übergewicht durch ausreichende Bewegung.
Reduzieren sie Stress.


Zusammenfassung


Ein Hund, der an Diabetes mellitus erkrankt ist, kann mit einer entsprechenden Therapie ein langes, artgerechtes Leben führen. Der Blutzuckerspiegel muss regelmäßig kontrolliert werden, um Folgeschäden, wie Erblindung, Leberverfettung und starke Abmagerung zu vermeiden.