Aggressive Hunde können unter Schilddrüsen Unterfunktion leiden

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Bei plötzlichen Stimmungsschwankungen: T3, T4 & TSH Wert checken

Hund/Schilddrüse/Aggression - update: 30/03/20

  • Leidet ein früher ausgeglichener Hund plötzlich unter starken Stimmungsschwankungen, kann eine Unterfunktion der Schilddrüse vorliegen.
  • Die Schilddrüsenhormone Thyroxin T4 und Trijodthyronin T3 beeinflussen Stoffwechsel
  • Bei einer Unterfunktion wird zu wenig T3 und T4 produziert.
  • Eine Hypothyreose kann durche eine klinische Untersuchung und eine Blutuntersuchung festgestellt werden.

 

1. Die Schilddrüse

Im unteren Bereich des Halses befindet sich die kleine Drüse, die aus zwei Lappen und einem Steg besteht. Das Drüsengewebe ist für die Produktion der Schilddrüsenhormone

  • Thyroxin T4 und
  • Trijodthyronin T3 verantwortlich.
  • Außerdem wird in der Drüse Kalzitonin produziert.

Die Schilddrüse spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechselgeschehen.

  • Kalzitonin ist am Umbau der Knochensubstanz beteiligt.
  • T3 und T4 greifen in den Zucker-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel ein.

Durch die Beeinflussung des gesamten Stoffwechsels nimmt die Schilddrüse eine zentrale Stellung im Körper Ihres Hundes ein. Ist das Hormongleichgewicht durch eine Über- oder Unterproduktion der Schilddrüsenhormone gestört, wirkt sich das auf alle anderen Organe aus.

2. Unterfunktion der Schilddrüse

Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) werden T3 und T4 nur in geringem Ausmaß produziert. Verantwortlich dafür können sein:

  1. eine Entzündung der Schilddrüse,
  2. Tumoren,
  3. Jodmangel im Futter, oder
  4. ein fehlgeleitetes Immunsystem.

Durch die Unterfunktion wird der Stoffwechsel der Hunde stark verlangsamt. Sie sind müde und träge und legen, trotz verringerter Futteraufnahme immer mehr an Gewicht zu. Da den Zellen zu wenig Energie zur Verfügung steht, ist der Hund schwach. Lähmungen treten auf. Der Herzschlag ist stark verlangsamt.

Eine Hypothyreose kann durch eine klinische Untersuchung und eine Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Eventuell wird ein Belastungstest, bei dem der Anstieg der Schilddrüsenhormone überprüft wird, durchgeführt werden.

Was aber, wenn alle Parameter im klinisch normalen Bereich legen. Der Hund ist aber trotzdem immer wieder gereizt und aggressiv. Konzentrationsschwäche und fehlendes Lernvermögen machen sich bemerkbar. Ist hier immer nur die Erziehung oder der Charakter des Hundes schuld, oder liegt eine unerkannte Fehlfunktion der Schilddrüse vor?

3. Die subklinische Hypothyreose

Wie viel T3 und T4 in der Schilddrüse produziert wird, hängt von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ab. Durch die Ausschüttung von TSH wird die Bildung und Freisetzung der Schilddrüsenhormone gesteuert. TSH reguliert außerdem die Blutversorgung der Schilddrüse und die Aufnahme von Jod, das für die Hormonproduktion benötigt wird. Im Zwischenhirn (Hypothalamus) wird TRH gebildet. Dieses Hormon wirkt direkt über die Hypophyse auf die Schilddrüse, indem es die Ausschüttung von TSH regelt.

Wird eine zu hohe Menge an TSH erzeugt, treten Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und Depressionen auf.

4. Symptome

Ein vorher ausgeglichener Hund ist auf einmal

  • reizbar und reagiert ohne erkennbaren Grund aggressiv.
  • Wutanfälle,
  • Angst und Unsicherheit treten auf.
  • Zeitweise ist Ihr Hund nicht mehr ansprechbar und hat eine Tunnelblick.
  • Stress kann schlechter bewältigt werden.
  • Die Leistungsfähigkeit wird generell schlechter.
  • Angststörungen  entwickeln sich.
  • ACHTUNG: Nicht immer sind die Symptome eindeutig. Einige Hunde sind matt und müde, andere hyperaktiv.

Die Symptomatik gleicht der eines Hundes mit einer länger andauernden Kortisonbehandlung oder einer ständigen Stressbelastung.

Durch die Beeinflussung der Botenstoffe Serotonin und GABA wird der Gehirnstoffwechsel negativ beeinflusst.

5. Diagnose

Eine klinische Diagnose kann nicht mit absoluter Sicherheit gestellt werden. 90 % aller Hunde, in deren Blut nur geringe Werte an Schilddrüsenhormonen gefunden werden, zeigen keine äußeren Symptome. Werden Hunde mit plötzlich auftretenden Verhaltensauffälligkeiten aber mit künstlichen Schilddrüsenhormonen behandelt, verändert sich häufig auch das Verhalten.

6. Therapie

Werden dem Hund Schilddrüsenhormon in Tablettenform eingegeben, bessert sich das Verhalten häufig schon nach wenigen Tagen. Die restlichen körperlichen Symptome verschwinden erst nach einigen Wochen.

Die Therapie muss zweimal täglich erfolgen, da Hunde die Schilddrüsenhormone schnell abbauen. Eine Kontrolle der Blutwerte sollte zweimal jährlich erfolgen.

7. Prognose

Wird die Therapie lebenslang konsequent durchgeführt, hat Ihr Hund eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität.

8. Zusammenfassung

Treten Verhaltensänderungen plötzlich auf, kann auch eine subklinische Unterfunktion der Schilddrüse vorliegen. Aber die Schilddrüse ist nicht für alle Verhaltensauffälligkeiten verantwortlich. Wenden Sie sich zur Diagnose an einen spezialisierten Tierarzt, der die Schilddrüsenwerte im Blut, Verhalten des Hundes und die Anamnese beurteilen kann. Wird eine Therapie versuchsweise durchgeführt, bessert sich das Verhaltensproblem sehr schnell. Kommt es nach einigen Tagen zu keiner Besserung, müssen die Tabletten ausschleichend wieder abgesetzt werden. In diesen Fällen muss nach einer anderen Ursache für das Fehlverhalten des Hundes gesucht werden.

 

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