Vor allem schnell wachsende, große Hunde sind betroffen.
(c) Photo: ED Petra Boekhoff auf Pixabay

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Ellbogengelenksdysplasie: vorbeugen und erste Symptome rechtzeitig erkennen

große, schwere Hunde, schnell wachsende Hunde - news 05/02/21

  • Ellbogendysplasie (ED) ein Komplex aus mehreren Erkrankungen des Ellbogengelenks
  • Vor allem schnell wachsende Hunde sind betroffen.
  • Berner Sennenhund, Großer Schweizer Sennenhund, Labrador Retriever, Deutscher Schäferhund, Neufundländer, Bordeaux Dogge, Rottweiler, Chow Chow
  • Die Bewegungen des Ellbogengelenks sind bei ED eingeschränkt
  • Die ED ist nicht heilbar und verschlimmert sich im Lauf der Jahre ständig
  • Je früher sie erkannt wird desto besser. Man kann den Hund unterstützen und Schmerzen vorbeugen.

Ellbogengelenksdysplasie auch Ellbogendysplasie oder ED genannt ist ein Komplex aus mehreren Erkrankungen des Ellbogengelenks. Die vererbte, chronisch verlaufende Ellbogendysplasie tritt vor allem bei schnell wachsenden Hunderassen auf. Erste Symptome treten bereits mit vier bis acht Monaten auf. Eine Heilung ist nicht möglich. 

1. Häufig betroffene Hunderassen:

  • Berner Sennenhund
  • Großer Schweizer Sennenhund
  • Labrador Retriever
  • Deutscher Schäferhund
  • Neufundländer
  • Bordeaux Dogge
  • Rottweiler
  • Chow Chow

Rüden sind öfter von der ED betroffen als Hündinnen.

2. Symptome einer ED:

  1. Das Ellbogengelenk ist in der Beweglichkeit eingeschränkt
  2. Der Ellbogen wird eng am Körper gehalten
  3. Die Pfote ist nach außen gedreht
  4. Das Ellbogengelenk ist geschwollen und warm
  5. Schmerzen
  6. Lahmheit
  7. Vor allem nach dem Aufstehen ist die Vorderextremität steif
  8. Springen und Bewegung wird vermieden
  9. Die Muskulatur an den Vorderbeinen und Schultern bildet sich zurück
  10. Die Muskeln von Rücken und Hinterbeinen sind verspannt
  11. Das Ellbogengelenk wird benagt

3. Zum Aufbau des Ellbogengelenks:

Das Ellbogengelenk wird durch den Oberarmknochen, die Elle und die Speiche gebildet. Als Scharniergelenk kann es nur gestreckt und gebeugt werden. Der Oberarmknochen endet in einer Gelenkwalze. Diese ruht auf der Speiche und der Elle. Auf der Elle befindet sich eine halbmondförmige Fläche, die die Oberarmwalze von hinten umschließt. Auf der Fläche befinden sich Höcker, Processus anconaeus und Processus coronoideus, die auch als Kronfortsatz bezeichnet werden. Das Gelenk wird von einer Gelenkskapsel umschlossen und durch Bänder stabilisiert.

4. Formen einer Ellbogendysplasie (ED):

4.1 Isolierter Processus anconaeus

Normalerweise sind der Zapfenfortsatz und der Hakenfortsatz des Gelenks über eine Wachstumsfuge verbunden. Durch ein Trauma löst sich der Zapfenfortsatz, die Wachstumsfuge verknöchert. Der Ellbogen ist instabil, eine Arthrose entsteht.

4.2 Osteochondrosis dissecans

Bei dieser Form liegt eine Störung der Knorpelbildung vor. Da die Knorpelzellen nicht in Knochenzellen umgewandelt werden, wird die Knorpelschicht im Gelenk immer dicker. Die Gelenkflüssigkeit dringt in Risse im Knorpel ein und verursacht eine schmerzhafte Entzündung. Brechen Knorpelstücke ab, schwimmen diese frei in der Gelenkflüssigkeit.

4.3 Fragmentierter Processus coronoideus

Die Speiche und die Elle wachsen unterschiedlich lang. Im Ellbogengelenk entsteht eine Stufe. Der Kronfortsatz der Elle kann durch die Überbelastung abbrechen. Durch die in den Spalt eindringende Gelenksflüssigkeit entzündet sich das Gelenk. Eine Arthrose bildet sich.

4.4 Inkongruenz

Zwischen Speiche und Elle besteht eine Stufe. Durch die ungleichmäßige Belastung des Gelenks werden Knorpel und Knochen geschädigt. Als Folge der Entzündung des Gelenks entsteht eine Arthrose.
Der fragmentierte Processus coronoideus und die Osteochondrosis dissecans werden gemeinsam auch als MCD, mediales Kompartmentsyndrom bezeichnet.

5. Ursachen von ED:

  1. Genetisch: bei 70 bis 80 Prozent der Hunde ist die ED vererbt
  2. Durch einen hohen Energiegehalt im Futter wird das Wachstum beschleunigt
  3. Übergewicht
  4. Übermäßige Beanspruchung durch Hundesport oder Treppen steigen während des Wachstums

6. Diagnose:

  • Röntgenuntersuchung
  • Computertomographie
  • Arthroskopie

7. Therapie:

  • Physiotherapie
  • Injektionen von autologen Blutprodukten in das betroffene Gelenk. Dem Hund wird Blut abgenommen, aus dem die Wachstumsfaktoren und die Blutplättchen isoliert werden. Die Proteine mildern die Arthrose. Aus Fett können Stammzellen erzeugt werden. Diese werden direkt in das Gelenk injiziert.
  • Schmerzmittel
  • Elektrostimulation
  • Chirurgisch: Lose Knochen- und Knorpelteile werden aus dem Gelenk entfernt. Die Stufe im Ellbogengelenk wird bei einer Operation ausgeglichen. Eventuell wird ein Teil des Ansatzes der Bizepssehne durchtrennt.

8. Alternative Behandlungen

  • Akupunktur
  • Gold-Implantate
  • Chondroitinsulfat im Futter, um den Knorpelstoffwechsel anzuregen

9. Vorbeugung

  1. Hochwertiges, an das Wachstum angepasstes Hundefutter. Ab dem fünften Lebensmonat sollte der Eiweißgehalt reduziert werden.
  2. Vermeidung von Übergewicht
  3. Sportliche Belastung erst ab dem ersten oder zweiten Lebensjahr
  4. Vor der Verwendung zur Zucht sollte eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Betroffene Tiere müssen von der Zucht ausgeschlossen werden.
  5. Die Zuchtverbände verlangen vor der ersten Deckung eine Röntgenaufnahme des Ellbogengelenks. Die Untersuchung kann ab einem Alter von zwölf Monaten durchgeführt werden. Die Untersuchung darf nur von Tierärzten durchgeführt werden, die auf der Liste der Zuchtverbände angeführt sind.