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Rocky, Julius und Bambam Rottweiler

Die Rottis haben es mir angetan, seit ich den ersten sanften Riesen gesehen habe. Das heißt, so sanft war mein erster gar nicht, aus verständlichen Gründen. Rocky war damals sechs Jahre alt.

 

Mein Name ist Andrea Hanacek. Ich bin gerade dabei, mich als Hundetrainerin selbständig zu machen und habe dafür eine ganze Reihe von Ausbildungen absolviert. Ich bin Teil des petdoctors.at Teams und als Leiterin der Akademie für alles zuständig, was mit Verhalten und Training zu tun hat. Dazu gehören auch Auswahl und Produktion von Videos.

Beide Berufe machen mir ungeheuren Spaß, weil sie mit Hunden zu tun haben und Hunde sind nun einmal meine Leidenschaft.

Aber wie kommt jemand, der eigentlich Verkäuferin gelernt hat und am Flughafen Wien Schwechat acht Stunden am Tag im Schmuckgeschäft gestanden ist hat auf den Hund? 

Der Grund heißt Rottweiler.

Die Rottis haben es mir angetan, seit ich den ersten sanften Riesen gesehen habe. Das heißt, so sanft war mein erster gar nicht, aus verständlichen Gründen. Rocky war damals sechs Jahre alt. Fünf davon verbrachte er im Tierheim.  Aus den falschen Gründen angeschafft. Als Spielzeug für Kinder. Man kann sich vorstellen, wie toll das mit einem Rottweiler funktioniert. Den schwarzen Peter hatte natürlich Rocky. Weil Hund immer schuld.

Rocky ließ damals niemand an sich heran. Die professionellen Pflegerinnen nicht und mich schon gar nicht, die ich von Hunden nichts und von Hundesprache schon gar nichts verstand. Wer einen Kübel, einen Putzfetzen oder gar einen Besen in der Hand hatte wurde gestellt. Bis hierher und nicht weiter. Das verstand sogar ich und ich verstand auch, warum der Hund so war wie er war. Und ich verstand auch, dass vor mir ein toller Hund stand, ein 40-Kilo-Riese, aufmerksam, gescheit, eine Persönlichkeit.

Was will mein Hund mir sagen?

Eine Pflegerin gab mir ein erstes Buch über Hundesprache. Viele weitere folgten, aus den Buchhandlungen, über das Internet. Ich lernte die einfachsten Grundbegriffe und kaum begann ich den Hund zu sehen, verstand er mich. Rocky ist unbestechlich. Er weiß zwischen Leckerli und Liebe genau zu unterscheiden. Viele Jahre später nahm er von einer Tiertrainerin die er aus dem Heim kannte die Leckerlis und spuckte sie ihr vor die Füße. Das war natürlich unfair, weil sich die Frau liebevoll um ihn gekümmert hatte, über über den Schatten Tierheim konnte der Große halt nicht springen.

Eines Tages erlaubte mir Rocky, ihn mit nach Hause zu nehmen. 35 Quadratmeter im fünften Stock ohne Lift.  Unter dem Dach. Im Sommer heiß im Winter kalt. Rocky hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt.

Die Wohnungssituation hat sich bald verbessert. Gerade rechtzeitig weil Rotti Nummer 2 ins Haus kam. Julius, ein ausrangierter Kettenhund. 9 Jahre alt. Die zwei Rüden mussten lernen miteinander zu leben. Und ich mit ihnen. Es hat gedauert, aber es wurde. War so eigentlich nicht gedacht, weil ich für Julius nur vorübergehende Pflegestelle sein wollte und ich ihn, nachdem ich ihn aufgepäppelt hatte, an einen guten Platz vermitteln wollte.

Es kam wie es kommen musste und alle haben gewusst, dass ich zum Pflegestelleversager werden würde. Nur ich  nicht. Wer nimmt schon einen alten Kettenhund? Rocky ist mit mehr als 12 Jahren auf dem schwarzen Buckel gestorben, völlig friedlich und ich war eine Zeit lang mit Julius allein.

Bei einem unserer Spaziergänge lief uns ein Mann mit einem Rotti-Welpen über den Weg. Halsband statt Brustgeschirr. Zu kurz  an der Leine. Hinterher geschleift. Ich habe den Mann darauf angesprochen was er dem Hund antut. Er hat mich nicht verstanden.

Ist ja nur vorübergehend. Oder doch ein Leben lang?

Einige Wochen später wurde ich gefragt ob ich einen Rotti-Welpen für einige Zeit aufnehmen könnte. Der Besitzer müsse für ein halbes Jahr ins Ausland.
Er war es. Wir haben uns darauf geeinigt, dass man einen sechs Monate alten Welpen nicht einfach ein halbes Jahr weggeben kann und schon stand ich mit unterschriebenem Übernahmevertrag und dem Welpen auf der Straße.  Mit einem Welpen, der von seinem Besitzer alles gelernt hatte, was ein großer Hund nicht lernen soll. Völlig überdreht, dafür schwer unterernährt.

Ich habe eine Pflegestelle gefunden, weil ich dem alten Herrn Julius die Schmach des jungen Pubertierenden nicht antun konnte. Die Pflegestelle nannte ihn Bambam. Das passt heute noch. Wo Bambam ist, sind die Feuersteins nicht weit.  Wenn jemand Wilma ruft komme ich.

Für mich begann die nächste Lernphase. Nach zwei alten Herren ein Springinkerl. Können Sie sich vorstellen wie schnell und gewieft ein junger Rotti ist? Nein. Können sie nicht. Kuscheln, Couch, Plüschtier, Leckerli, Kong, laufen, graben. Zackzack muss das gehen. Da gibt kein Schwadronieren.

Den Hundführschein bereits mehrfach absolviert

Bambam ist jetzt drei. Wir haben den Hundeführschein absolviert. Er mehrmals mit unterschiedlichen Menschen. Ich mehrmals mit unterschiedlichen Hunden. Wir genießen unsere Spaziergänge am Marchfeldkanal. Wir besuchen Freunde.

Ich bin so dankbar das dieser Rottweiler in mein Leben gestolpert ist.  Er bringt so eine Leichtigkeit mit so viel Charme, dass er auch skeptische Menschen von seiner Rasse überzeugt. Bambam ist mein Alltagsbegleitrottweiler.