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Cauda equina Syndrom beim Hund

Degenerative Knochenveränderung an der Wirbelsäule

 

Sind die Krallen der Hinterpfoten stark abgenutzt und steht der Hund sehr schwer auf, besteht der Verdacht auf ein Cauda equina Syndrom. Dieses wird auch als degenerative lumbosacrale Stenose bezeichnet. Der Wirbelkanal ist durch Knochenzubildungen an der Wirbelsäule eingeengt.

 

Betroffen sind vor allem Hunde, die ein Körpergewicht von über 20 Kilogramm aufweisen. Vor allen bei deutschen Schäferhunden, Riesenschnauzern, Boxern, Huskys, Rottweilern, Boxern und Dobermann tritt die Erkrankung öfter auf. Bei kleinen Hunderassen wird das Cauda equina Syndrom vor allem bei Kleinpudeln beobachtet.

Anatomie des Hunderückens

Die Wirbelsäule des Hundes besteht aus 50 Wirbeln: sieben Halswirbeln, 13 Brustwirbeln, sieben Lendenwirbeln, drei Kreuzwirbeln und bis zu 20 Schwanzwirbeln. Zwischen den Wirbelkörpern, die durch Gelenke miteinander verbunden sind, befinden sich die Bandscheiben. Die Wirbelbögen bilden den Wirbelkanal, in dem das Rückenmark verläuft.

Die Cauda equina wird durch pferdeschweifartige Spinalnervenwurzeln gebildet, die sich im hintersten Teil des Rückenmarks befinden. Diese Nervenwurzeln teilen sich auf und ziehen durch kleine Öffnungen des Wirbelkanals zu den benachbarten Muskeln. Sie leiten Nervenimpulse in den Hinterkörper des Hundes. Der Wirbelkanal, der im Bereich der Halswirbel sehr weit ist, verengt sich nach hinten immer mehr auf den halben Durchmesser.

Die Lendenwirbel sind über das Lumbosacralgelenk, das besonders beweglich ist, mit dem Kreuzbein verbunden. Dieses stellt eine Verbindung des Beckens mit der Wirbelsäule her.

Wie sich das Cauda equina Syndrom bildet

Wird der Hund älter, treten auch an der Wirbelsäule degenerative Knochenveränderungen auf. Diese befinden sich meistens auf Höhe des letzten Lendenwirbels und des ersten Kreuzwirbels. An dieser Stelle befinden sich in dem besonders flachen Wirbelkanal die langen Nervenwurzeln, die für die Versorgung des Beckens, der Hinterbeine und des Schwanzes mit Nervenreizen verantwortlich sind.

Durch die ständige Belastung der Wirbelsäule treten Abnutzungserscheinungen an den Knochen auf. Eine Arthrose entsteht. Bilden sich an den Wirbeln Knochenspitzen, wird der Wirbelkanal eingeengt. Die Nervenwurzeln werden durch den Druck geschädigt.

Ursachen

Durch ständiges Laufen und Springen nutzen sich die Wirbelkörper und die Bandscheiben stark ab. Eine Überbelastung bei jungen, nicht ausgewachsenen Hunden und Übergewicht fördern das Entstehen eines Cauda equina Syndroms.

Welche Symptome auftreten

Die Hunde werden langsamer und laufen nicht mehr so gern. Die ersten Symptome werden häufig als Alterserscheinungen interpretiert. Im Bereich der Lendenwirbelsäule reagiert der Hund mit Schmerzen auf Berührungen. Die Hautreflexe sind gesteigert. Die Hinterbeine werden nicht mehr genügend angehoben und nach vorne geführt. Die Krallen schleifen dadurch über den Boden. Treppensteigen fällt dem Hund besonders schwer. An der Krallenspitze tritt eine verstärkte Abnutzung auf.

Aufstehen und laufen fällt dem Hund schwer. Er winselt und hechelt. Besonders Sprünge lösen starke Schmerzen aus.

Um die Schmerzen zu beseitigen nagt der Hund häufig an seinem Schwanz. Schreitet die Schädigung des Rückenmarks weiter fort, tritt unwillkürlicher Verlust von Harn und Kot auf. Der Schwanz hängt nur mehr nach unten (Hammelschwanz).

Diagnose

Die Diagnose wird durch die Veränderung des Gangbildes gestellt. Mit Röntgenbildern werden Bandscheibenvorfälle und Tumoren an der Wirbelsäule ausgeschlossen. Mit einer Myelographie (Kontrastdarstellung des Wirbelkanals) können verengte Stellen abgebildet werden.

Bei einem MRT werden die Nerven der Cauda equina dargestellt. Die Schmerzen können genau lokalisiert werden.

Therapie

Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente beseitigen nur für einige Zeit die Symptome. Die Verengung des Wirbelkanals muss durch einen chirurgischen Eingriff beseitigt werden. Nach der Druckentlastung der Nervenwurzeln besteht eine gute Chance auf Heilung. Durch eine Physiotherapie werden die Muskeln wiederaufgebaut.

Eine frühe Operation ermöglicht eine vollständige Heilung. Sind bereits irreversible Lähmungen vorhanden, können individuell angepasste Prothesen dem Hund ein tiergerechtes Leben ermöglichen.

Worauf nach der Operation geachtet werden muss

Für sechs Wochen ist eine Ruhigstellung erforderlich. Anschließend kann mit der Physiotherapie auf dem Unterwasserlaufband begonnen werden. Massagen unterstützen die Beweglichkeit der Gelenke. Bereits rückgebildete Muskeln können durch eine Elektrotherapie wieder stimuliert werden.

Komplementäre Heilmethoden

Teufelskralle wirkt abschwellend und entzündungshemmend.

Weihrauch kann als Unterstützung der Schmerzmedikation eingesetzt werden.

Laserbestrahlungen helfen durch Wärme die Muskeln zu entspannen.

Vorbeugung

Große Hunde sollten nicht durch Springen beim Hundesport überbelastet werden. Regelmäßige Ruhepausen entlasten den Rücken. Sprünge über Hindernisse dürfen erst von ausgewachsenen Hunden ausgeführt werden.

Vor der Ausübung des Hundesports sollte ein Röntgenbild angefertigt werden. Liegt ein Übergangswirbel vor, der eine vermehrte Beweglichkeit des Kreuzbeins verursacht, ist der Hund nicht für intensiven Sport geeignet.

Bei der Pflege sollten immer die Krallen der Hinterbeine kontrolliert werden. Abnützungserscheinungen müssen von einem Tierarzt abgeklärt werden.

Tiergerechtes Futter verhindert Übergewicht.

Zusammenfassung

Das Cauda equina Syndrom ist eine schwere neurologische Erkrankung, die starken Schmerzen verbunden ist. Je früher eine Diagnose und Behandlung erfolgt, umso besser sind die Heilungschancen.

Auch ein behinderter Hund kann bei entsprechender Versorgung ein glückliches, tiergerechtes Hundeleben führen.

 

Diesen Beitrag hat petdoctors-Tierärztin Dr. Andrea Triebl für den Tierfreund, das Monatsmagazin unseres Partners, des Wiener Tierschutzvereins, geschrieben. Wir dürfen ihn  mit der freundlichen Genehmigung des WTV übernehmen.