Teilen, verschicken oder drucken Sie diesen Artikel

Lähmungen bei Hunden

Bei einer Lähmung ist die Funktion eines Körperteils gestört. Es können innere Organe, Muskelgruppen oder einzelne Muskeln betroffen sein.

Ein gelähmter Hund lebt genau so gerne wie ein gesunder Hund. Er hat nur besondere Bedürfnisse betreffend die Pflege. Werden die Anforderungen durch den Halter erfüllt, hat der Hund mit seiner Behinderung kein Problem. (www.behinderter-hund.at)

 

In welchen Formen eine Lähmung auftreten kann:

1.   Parese:

Die Lähmung ist unvollständig. Bei zentralen Ursachen tritt eine spastische, bei peripheren Ursachen eine schlaffe Lähmung auf.
·      Monoparese: eine Extremität ist unvollständig gelähmt
·      Diparese: 2 Extremitäten sind von der Lähmung betroffen
·      Paraparese: die Vorder- oder Hinterbeine sind gelähmt
·      Hemiparese: die unvollständige Lähmung tritt halbseitig auf
·      Tetraparese: alle 4 Extremitäten sind unvollständig gelähmt

2.  Paralyse:

In der betroffenen Körperregion tritt eine vollständige Lähmung auf.
·      Plegie: ein Skelettmuskel ist gelähmt
·      Monoplegie: eine Extremität ist vollständig gelähmt
·      Paraplegie: beide Vorder- oder Hinterbeine sind von der Lähmung betroffen
·      Hemiplegie: eine vollständige halbseitige Lähmung ist sichtbar
·      Tetraplegie: alle 4 Extremitäten sind vollständig gelähmt

3.  Ataxie:

Bei Ataxien ist die Koordination der Bewegungen gestört. Eine Bewegungsstörung muss nicht mit Lähmungen in Verbindung stehen.

Ursachen

·      Nervenschädigung durch ein Trauma
·      Bandscheibenvorfall
·      Vergiftungen
·      Virale und bakterielle Infektionen
·      Durchblutungsstörungen
·      Tumore
·      angeboren

Symptome

Der Ablauf der Bewegungen ist gestört. Sind innere Organe betroffen können Störungen des Harn- und Kotabsatzes auftreten. Lähmungen der Darmmuskulatur führen zu Verstopfungen und Darmverschluss. Bei einer Zwerchfelllähmung ist die Atmung erschwert. Eine vollständige Lähmung der Atemmuskulatur führt zum Tod durch Ersticken.

Diagnose

Nach einer allgemeinen Untersuchung wird ein neurologischer Untersuchungsgang durchgeführt. Haltungs- und Stellreflexe, sowie die Empfindlichkeit auf Schmerzen werden getestet. Zusätzlich werden Röntgen-, CT- und MRT- Untersuchungen durchgeführt. Die Leitgeschwindigkeit der Nerven kann mit einem NLG und EMG (Elektromyogramm) gemessen werden.

Therapie

Die Behandlung erfolgt abhängig von der Ursache. Ist der Rückenmarkskanal eingeengt (Bandscheibenvorfall, Cauda equina), muss ein operativer Eingriff erfolgen. Schmerzmittel, Kortisonpräparate und Antibiotika ergänzen die Therapie. Vitamin B- Komplexe unterstützen die Regeneration der Nerven. Physiotherapie unterstützt die Funktion der Muskulatur. Das Gewebe wird besser durchblutet. Osteopathische Behandlungen beseitigen Blockaden.

Prognose

Nervengewebe heilt nur sehr langsam. Die Heilung kann mit Stammzellen- Therapien unterstützt werden. Bei leichten Verletzungen der Nerven ist die Prognose günstig. Liegen schwere Schäden vor, kann die Lähmung bestehen bleiben.

 

Wie ein gelähmter Hund unterstützt werden kann:

Behinderte Hunde haben besondere Bedürfnisse. Die Wohnung sollte barrierefrei sein. Liegt auch Inkontinenz vor, ist eine Ausstattung mit leicht zu reinigenden Böden notwendig.

Liegt eine Blasenlähmung vor, muss die Harnblase regelmäßig durch Druck entleert werden. Eventuell muss auch der Darm ausmassiert werden. Durch regelmäßiges Baden werden Entzündungen im Bereich des Afters verhindert.

Sind die Extremitäten gelähmt, ist die Anschaffung eines Hunderollstuhl nötig. Der Rollstuhl muss von einem Spezialisten an die Bedürfnisse des Hundes angepasst werden. ACHTUNG: Günstige „Rollstühle von der Stange“ aus dem Internet können die weitere Gesundheit ihres Hundes schwer beeinträchtigen. Für längere Ausgänge kann auch ein Hundebuggy hilfreich sein.

Ein Rollstuhl muss maßgefertigt sein. TIPP: Auf der Website der initiative "Behinderter Hund, Na und?" finden sich viele hilfreiche Informationen. Weitere Infos zum Thema maßgeschneiderte Rollstühle gibt es auch auf www.tierschuh.at.  

Worauf bei einem Hunderollstuhl geachtet werden muß:

Bei einer Lähmung oder Bewegungsstörungen der Hinterbeine ist die Verwendung eines Hunderollstuhls oft zu empfehlen. Die natürliche Haltung des Hundes muss bei der Anpassung berücksichtigt werden. Sitzteil und Geschirr werden von einem Tierorthopädietechniker angepasst.

Die Sitzteile müssen über eine wiche Polsterung verfügen, um keine Druckstellen zu verursachen. Die Seitenstangen fallen leicht nach vorne ab und enden knapp hinter den Vorderpfoten.

Der Hunderollstuhl muss stabil sein. Er darf auch beim Spielen oder Laufen von Kurven nicht zur Seite kippen.
Lassen sie einen Hunderollstuhl so früh wie möglich anpassen, damit die Muskulatur der Vorderbeine noch vollständig funktionsfähig ist.

Gewöhnen sie ihren Hund mit Rollitraining und Belohnung an den Hunderollstuhl. Auch er muss erst lernen, mit dem neuen Fortbewegungsmittel umzugehen.

Abhängig von der Fitness des Hundes kann er 30 – 90 Minuten im Hunderollstuhl verbringen. Danach sollte eine Pause eingelegt werden. In dieser Zeit kann ihr Hund eine Rutschhose oder einen Rutschsack tragen.

Sprechen sie sich mit ihrem Tierarzt bezüglich einer eventuell notwendigen Schmerzmedikation ab. Regelmäßige physiotherapeutische Behandlungen sind wichtig.

Welche Hilfsmittel in der Regel noch benötigt werden:

·      Hunderollstuhl und Buggy
·      Hundesocken und orthopädische Hundeschuhe
·      Hundewindeln und Einlagen
·      Feuchttücher und Desinfektionsmittel
·      Orthopädisches Spezialbett um Wundliegen zu vermeiden
·      Wundsalbe
·      Harnteststreifen zur Kontrolle von Harnwegsinfektionen (in Absprache mit einem Tierarzt)
·      Mildes Hundeshampoo

Was die Behinderung für den Hund bedeutet:

Ein gelähmter Hund liebt sein Leben genauso so  wie ein nicht behinderter Hund. Er hat nur besondere Bedürfnisse betreffend die Pflege. Werden die Anforderungen durch den Halter erfüllt, hat der Hund mit seiner Behinderung kein Problem. Solange er am Familienleben teilnehmen darf, muss er nicht bedauert werden. Ist ein schmerzfreies Leben mit Hilfsmitteln möglich. 

Fachkundige Hilfe bietet der Verein „Behinderter Hund – na und“

Dort erhalten sie auch eine Liste von Tierärzten, die auf die besonderen Bedürfnisse behinderter Hunde spezialisiert sind.

FOTO: Nicole Weiss