Wie ein Kreisel dreht sich der Hund in rasender Geschwindigkeit um die eigene Achse.
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Den eigenen Schwanz jagen: lustiges Spiel oder Zwangsneurose?

Verhalten/Spiel/Zwangsstörung - news am 18/11/20

  • Der Hund dreht sich, wie ein Kreisel, immer schneller. Er versucht, seinen eigenen Schwanz zu fangen.
  • Ein lustiges Verhalten, oder etwa doch nicht?
  • Das Jagen des Schwanzes ist teilweise ein normales Verhalten 
  • Es kann sich auch um ein Zwangsverhalten handeln
  • Es tritt auch bei Schmerzen oder Erkrankungen auf

Vor allem junge Hunde sind noch verspielt. Staut sich zu viel überschüssige Energie an, beginnen sie diese abzubauen, indem sie ihren Schwanz jagen. Eigentlich müssen Sie gegen dieses Verhalten nichts unternehmen. Sie sollten es jedoch keinesfalls verstärken, indem Sie Ihrem Hund gesteigerte Aufmerksamkeit schenken. Dreht sich Ihr Hund aber ohne Pause im Kreis, hat das mit Spaß und Spiel nichts mehr zu tun. Dann sollte nach der Ursache gesucht werden.

1. Mögliche Usachen für die wilde Jagd:

  • Übermut beim Spiel
  • Langeweile
  • Erlerntes Verhalten: Ihr Hund erlangt Aufmerksamkeit, wenn er nach seinem Schwanz jagt. In der Folge führt er das Verhalten immer aus, wenn er beachtet werden möchte.
  • Genetisch bedingt: Professor Hannes Lohi, Universität Helsinki, stellte in Studien fest, dass das Verhalten bei einigen Hunderassen gehäuft auftritt.
  • Zwangsstörung: das Verhalten entwickelt sich bereits vor Erreichen der Geschlechtsreife.
  • Analdrüsenentzündung
  • Flohallergie-Dermatitis
  • Juckreiz am After durch Parasitenbefall
  • Zecken 
  • Reste von Kot oder Verschmutzungen, die im Fell hängen bleiben

2. Wie Sie Spiel von einer Zwangsstörung unterscheiden können: 

Spielt Ihr Hund mit seinem Schwanz kann er leicht abgelenkt werden. Rufen Sie ihn zu sich und bieten Sie ihm ein alternatives Verhalten an.

Bei einer Zwangsstörung ist der Hund vollständig in sein Verhalten vertieft. Er lässt sich durch nichts ablenken und jagt immer weiter nach seinem Schwanz. Eventuell verbeißt sich Ihr Hund in den Schwanz und fügt sich selbst Verletzungen zu. Das Verhalten ist obsessiv.

3. Eine Zwangsstörung kann in zwei Formen auftreten:

  • Stereotypien
  • Obsessive-kompulsive Störung

Stereotypien sind sinnlose Verhaltensweisen, die ohne jeden Grund immer wieder auftreten. Bei einer obsessiv-kompulsiven Störung versucht der Hund, sein Ziel zu erreichen. Dabei kann es sich zum Beispiel um den Abbau von Stress handeln. Anders als Menschen sind Hunde nicht in der Lage, ein zwanghaftes Verhalten zu kontrollieren oder abzuschwächen.

4. Warum Sie der Ursache unbedingt auf den Grund gehen sollten:

  • Verletzungen
  • Ständiger Stress
  • Das Sozialverhalten ist gestört
  • Normales Fressen ist nicht mehr möglich
  • In schweren Fällen ist auch kein ungestörter Schlaf mehr möglich

5. Bei Zwangsstörungen erfolgt die Behandlung durch ein Verhaltenstraining:

Bei dem Training muss alles vermieden werden, was den Hund noch mehr stresst. Bestrafungen sind keine Lösung und unbedingt zu vermeiden, da diese bei Ihrem Hund weiteren Stress auslösen.

Eine Zwangsstörung ist immer ein komplexes Problem. Holen Sie sich für die Verhaltenstherapie Hilfe bei einem Tierpsychologen oder einer Tiertrainerin.

Liegt eine obsessiv-kompulsive Störung vor, sollte der Hund immer auch von einem Tierarzt untersucht werden. Verletzungen des Schwanzes werden versorgt. Eventuell erhält der Hund eine medikamentöse Therapie, die das Verhaltenstraining begleitet.