Es juckt und juckt und juckt: Atopische Dermatitis beim Hund

Erste Symptome der Atopische Dermatitis treten im Alter von acht Monaten bis drei Jahren auf.
(c) Photo: Wilfried Santer auf Pixabay

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Hauterkrankung, Allergie, Immunsystem - News 15/04/21

  • Obwohl der Hund gegen Flöhe und andere Parasiten behandelt wurde, leidet er unter starkem Juckreiz. 
  • Es passiert ständig oder Anfallsartig: er kratzt sich und benagt ohne Pause sein Fell, schüttelt die Ohren, rutscht und wälzt sich am Boden.
  • Atopischen Dermatitis ist eine sehr häufig auftretende allergische Hauterkrankung. 
  • Die Symptome treten erstmals im Alter von acht Monaten bis drei Jahren auf.
  • Hunde mit weißem Fell sind besonders häufig betroffen.

1. Definition atopische Dermatitis:

Bei der atopischen Dermatitis handelt es sich um eine sehr häufig auftretende allergische Hauterkrankung. Das erste Mal treten die Symptome im Alter von acht Monaten bis drei Jahren auf.
Allergene dringen in die oberste Hautschicht ein. Das Immunsystem reagiert stark und bildet Antikörper (Immunglobuline E). Diese haften sich an die Allergene an. Eine starke Ausschüttung von Histaminen ist die Folge. Durch die Entzündung geht Gewebeflüssigkeit verloren. Bakterien und Malassezien können sich leichter ansiedeln und die Entzündung verschlimmern.

2. Ursachen für atopische Dermatitis:

Die Gründe für die übermäßige Reaktion des Immunsystems konnten noch nicht geklärt werden. Normalerweise harmlose Einflüsse aus der Umwelt lösen die starke allergische Reaktion aus.

Mögliche Allergene sind:

  • Futter
  • Parasiten
  • Pollen
  • Pilze

3. Symptome: vor allem starker Juckreiz

Bei der atopischen Dermatitis tritt immer ein sehr starker Juckreiz auf. Die Hunde kratzen sich, benagen das Fell, wälzen sich am Boden und scheuern an Gegenständen, um den Juckreiz zu lindern:

  • Die Haare brechen ab und fallen aus.
  • Die Haut ist gerötet, verdickt und mit Schuppen bedeckt.
  • Eventuell sind auch die Lidbindehäute und die Lefzen entzündet. 
  • Häufig ist die atopische Dermatitis mit einer Entzündung des äußeren Gehörgangs verbunden.
  • Abhängig von dem auslösenden Allergen können die Symptome das ganze Jahr über oder saisonal auftreten.

4. Wie dieser starke Juckreiz entsteht:

  1. Die Allergene dringen bis in die Unterhaut ein und lösen die Bildung von T-Lymphozyten aus.
  2. Diese Gedächtniszellen wandern in die Lymphknoten und die Milz.
  3. Dort warten sie, bis der nächste Kontakt mit dem Allergen erfolgt.
  4. In diesem Fall beginnen die T-Lymphozyten, sich stark zu vermehren. Die Abwehrzellen geben Botenstoffe an die Fresszellen des Bindegewebes ab.
  5. Die Allergene werden unschädlich gemacht.
  6. Die Botenstoffe ziehen aber auch unspezifische Entzündungszellen in das geschädigte Gewebe.
  7. Die Entzündung breitet sich in der geröteten obersten Hautschicht aus. Der Hund empfindet starken Juckreiz.

5. Wie die Diagnose gestellt wird:

  1. Ausschlussdiagnostik: zuerst werden andere Ursachen für den starken Juckreiz durch eine klinische Untersuchung ausgeschlossen. Durch eine Eliminationsdiät, bei der der Hund auf bisher bekannte Futtermittel vollständig verzichten muss, wird auch eine Futtermittelallergie ausgeschlossen.
  2. Allergietest: Jetzt wird versucht, das auslösende Allergen durch einen Allergietest zu identifizieren.
  3. Blutuntersuchung: zusätzlich wird das enthaltene Immunglobulin E im Blut gemessen.

Komplementärmedizinische Diagnosestellung:

Eine Diagnose kann auch durch alternative Methoden, wie einen Muskelspannungs-Test oder mithilfe eines Bioresonaz-Gerätes gestellt werden. Dabei wird der Hautwiderstand über Elektroden gemessen. Bei dem Kontakt mit einem Allergen sinkt der Hautwiderstand deutlich ab.

6.  Maßgeschneiderte Therapie ist notwendig:

Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und muss auf jeden Hund individuell abgestimmt werden:

  • Antihistaminika
  • Kortison
  • Antibiotika bei Sekundärinfektionen mit Bakterien
  • Shampoos, die die Entzündung der Haut lindern
  • Atopica: Medikamente, die die Immunzellen inaktivieren
  • Topische Calcineurinhemmer: das Immunsystem wird unterdrückt
  • Verringerung der Allergenlast
  • Spot-Ons mit Fettsäuren stärken die Hautbarriere und die natürliche Abwehrfunktion der Haut
  • Regelmäßige Bekämpfung der Parasiten
  • Hypoallergenes Trocken- und Nassfutter

Besonders wichtig ist es, dass der Hund keinen weiteren Kontakt mit dem Allergen mehr hat. Ist es nicht möglich, einen Kontakt zu vermeiden, muss eine Desensibilisierung durchgeführt werden. Über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten werden dem Hund unter die Haut individuell hergestellte Allergene injiziert. Danach erhält der Hund lebenslang eine geringere Erhaltungsdosis. Mit der Allergen-spezifischen-Immuntherapie werden in bis zu 60 Prozent der Erkrankungsfälle gute Ergebnisse erzielt. Wird die Therapie abgesetzt oder die Erhaltungsdosis verringert, kehren die Krankheitserscheinungen schnell wieder zurück.

7. Komplementärmedizinische Behandlungen:

  • Bioresonanz: die Durchlässigkeit der Zellwände wird verringert. Die Empfindlichkeit auf das Allergen sinkt.
  • Echinacea: blockiert die Botenstoffe, die die Entzündung im Gewebe verursachen
  • Sibirischer Ginseng: Die Taigawurzel wirkt regulierend auf das Immunsystem
  • Hagebutten-Pulver: Vitamin C wirkt als Antioxidans entzündungshemmend und fördert das Immunsystem
  • Sanddorn-Saft: Vitamin C, Vitamin E und Vitamin B12 unterstützen das Immunsystem
  • Löwenzahn und Mariendistel: unterstützen die Entgiftungsfunktion der Leber
  • Leinöl: die ungesättigten Fettsäuren Alpha-Linolensäure und andere Omega-3-Fettsäuren stärken die Abwehrfunktion der Haut
  • Kokosöl: wird innerlich und äußerlich angewendet. Es wirkt desinfizierend und lindert Entzündungen

8. Die Prognose:

Bei der atopischen Dermatitis handelt es sich um eine Erkrankung des Immunsystems, die nicht durch Medikamente oder andere Maßnahmen geheilt werden kann. Wird die Behandlung regelmäßig durchgeführt, kann der Hund ohne Einschränkungen der Lebensqualität mit der Erkrankung leben.

Eine vollständige Verhinderung einer Erkrankung des Hundes ist nicht möglich, da die Störung des Immunsystems genetisch bedingt ist. Erfolgt schon bei den ersten Anzeichen der Erkrankung eine schnelle und gezielte Behandlung, treten keine weiteren starken Erkrankungsschübe auf.