Besonders häufig betroffen sind Airdeale Terrier, Boxer, Bulldoggen und Schnauzer
(c) Foto Daniel Hedrich auf Pixabay

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Die 5 Phasen des Haarwachstums & saisonale Flankenalopezie

Haarausfall/Haarwachstum/Fell/Flanken - News am 1. August 2020

  • Das Fell des Hundes hat Schutzfunktion und
  • ist auch Teil der Körpersprache
  • Das Haarwachstum erfolgt in 5 Phasen
  • Haarverlust kann aus verschiedenen Gründen auftreten 
  • Die saisonale Flankenalopezie tritt vor allem im Herbst und Winter auf.
  • Besonders häufig betroffen sind Airdeale Terrier, Boxer, Bulldoggen und Schnauzer

Das Haarkleid eines Hundes sollte schön, glänzend und gesund sein. Doch nicht bei allen Hunden ist das der Fall. Viele leiden aus verschiedenen Gründen unter lokalem oder diffusem Haarausfall.

Dabei ist das Haarkleid wichtig für soziale Interaktionen mit Artgenossen und die Thermoregulation. Welchen Gesamteindruck das Fell vermittelt, ist wesentlich von der Haardichte und der Haarqualität abhängig.

1. Wie Hunde Haare wachsen

Haare sind keine stationären Gebilde. Sie durchlaufen ihren Lebenszyklus in fünf Phasen:

  1. Wachstumsphase oder anagene Phase
  2. Rückbildungsphase oder katagene Phase
  3. Ruhephase oder telogene Phase
  4. Haarausfall oder exogene Phase
  5. Kenogene Phase: das Haar ist ausgefallen, im Haarfollikel wird aber noch kein neues Haar gebildet.

1.1 In der Wachstumsphase wird im Haarbalg eine Haarwurzel gebildet, die beginnt, ein neues Haar zu produzieren. Während der anagenen Phase wächst das Haar immer weiter in die Länge. Es wird durch Blutgefäße mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

1.2 In der katagenen Phase wird die Ernährung des Haares eingestellt.

1.3 Es tritt die telogene Phase, eine Ruhephase, ein. Ein weiteres Längenwachstum findet nicht mehr statt. Die Haarwurzel stirbt ab, der Haarfollikel wird kleiner.

1.4 In der exogenen Phase wird die Verankerung des Haares wird immer lockerer, das Haar fällt schließlich aus. Dabei wird das Haar nicht durch ein neu nachwachsendes Haar aus dem Follikel verdrängt. Der Haarausfall wird aktiv gesteuert.

1.5 Als kenogene Phase wird die Zeitspanne bezeichnet bis ein neues Haar gebildet wird. Diese Phase, in der sich in der Haut haarlose Haarfollikel befinden, ist wichtig, um das Fell an die saisonalen Außentemperaturen anzupassen. Je mehr Haarfollikel sich in der kenogenen Phase befinden, umso dünner ist das Haarkleid.

2. Die rezidivierende saisonale Flankenalopezie

Der Verlust der Haare ist auf beiden Flanken scharf gegen das restliche Haarkleid abgegrenzt. Meistens kann der Haarverlust zwischen November und März beobachtet werden. Der Haarausfall kann sporadisch oder regelmäßig jedes Jahr auftreten. Nach drei bis acht Monaten wachsen die Haare ohne Behandlung von selbst wieder nach.

Welche Hunde häufig betroffen sind: 

  • Boxer
  • Airedale Terrier
  • Schnauzer
  • Bulldoggen

3. Ursache der saisonalen Flankenalopezie

Die Ursache der rezidivierenden saisonalen Flankenalopezie konnte noch nicht genau geklärt werden. Vermutet wird:
·       Genetische Disposition
·       Veränderung der Lichtverhältnisse, Lichtmangel im Spätherbst und Winter durch die verringerte Tageslichtmenge.

4. Symptome der saisonalen Flankenalopezie

Die Haare fallen im Bereich der Flanken an beiden Seiten symmetrisch aus. Eventuell wird Pigment in die Haut eingelagert. Eine schwarze Verfärbung tritt auf. Die nachwachsenden Haare können eine andere Farbe aufweisen als das übrige Haarkleid. Bei manchen Hunden wachsen die Haare auch nach dem Winter nicht mehr nach. Die haarlosen Stellen breiten sich jedes Jahr weiter aus.
Bei der saisonalen Flankenalopezie tritt generell kein Juckreiz auf.

5. Diagnose der saisonalen Flankenalopezie

Tritt der typische Haarverlust auf, sollte nach einer klinischen Untersuchung eine Hautbiospsie durchgeführt werden. Mit einer Blutuntersuchung kann die saisonale Flankenalopezie von Morbus Cushing und einer Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) unterschieden werden.

6. Therapie saisonalen Flankenalopezie

Derzeit ist eine gezielte Behandlung noch nicht möglich. Da die Haare bei den meisten Hunden von selbst wieder nachwachsen, heilt die Erkrankung eigentlich spontan ab. Ihr Hund leidet nicht unter dem Haarverlust, es handelt sich eher um ein kosmetisches Problem. Bei starker Kälte können Hunde, die an einer saisonalen Flankenalopezie leiden, mit einem Mantel geschützt werden.
Ein Behandlungsversuch kann durch die Verabreichung von Melatonin versucht werden. Bei Melatonin handelt es sich um ein Hormon, das, abhängig von der Tageslichtmenge, in unterschiedlichen Mengen vom Körper erzeugt wird. Einige Hunde haben auf die Therapie mit Melatonin gut angesprochen. Es gibt aber noch keine Studien über eine gesicherte Wirkung oder Nebenwirkungen.

7. Fazit

Die rezidivierende Flankenalopezie ist ein vor allem in den Wintermonaten auftretender Haarverlust, der Ihren Hund nicht gesundheitlich beeinträchtigt.