Ich bin blind, na und! Sehbehinderte Hunde können den Verlust des Sehsinns gut kompensieren.

Hunde können den Sehsinn gut mit ihrem Geruchs- und Tastsinn kompensieren.
(c) Photo: doanme auf Pixabay

Teilen

Behinderung, Erblindung, Ursachen, Symptome, Hilfe - News am 01/05/20

  • Erblindung tritt bei Hunden häufig auf.
  • Ein normales Hundeleben trotz Blindheit ist möglich.
  • Unsere Vierbeiner können Verlust des Sehsinnes sehr gut kompensieren
  • Sie setzen auf ihren Geruchssinn und ihren Gehörssinn.
  • Blinde Hunde finden sich gut in einer gewohnten Umgebung zurecht.

Die meisten Hunde sind in der Lage, sich nach einer Erblindung schnell an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Oft sind die Halter von der Umstellung stärker betroffen als die blinden Hunde.

1. Welche Ursachen zu einem Verlust des Sehvermögens führen können:

  1. Katarakt, grauer Star: die Linse ist getrübt
  2. Glaukom: durch einen erhöhten Innendruck des Auges wird die Netzhaut geschädigt.
  3. PRA: bei der progressiven Retinaatrophie löst sich die Netzhaut und stirbt ab.
  4. SARD, Neuroretinitis: die Erblindung tritt plötzlich durch eine Entzündung der Netzhaut auf.
  5. CEA, Collie-Eye Syndrom: die Netzhaut löst sich vom Augenhintergrund.
  6. Schäferhund-Keratitis: in die Cornea des Auges wachsen nach Entzündungen Gefäße ein. Die Hornhaut ist durch Einlagerungen von Pigmenten nicht mehr durchsichtig.
  7. Iritis, Uveitis: das Auge ist infolge eines Traumas oder einer Stoffwechselstörung entzündet.

2. Was sind die Anzeichen für einen Verlust des Sehvermögens?

Ihr Hund hat die Orientierung verloren und verändert sein Verhalten:

  • Um Geräusche besser lokalisieren zu können, wird der Kopf auffallend in alle Richtungen bewegt.
  • Ihr Vierbeiner stößt an Möbelstücke.
  • Er sieht in der Entfernung nicht mehr so gut.
  • Die Sehschwäche verstärkt sich bei Dunkelheit.
  • Bei einigen Hunden sind Veränderungen an den Augen sichtbar (Rötungen, getrübte Linse, Hervorquellen des Augapfels)

Hunde können von Geburt an blind sein, oder das Sehvermögen langsam oder plötzlich verlieren. Da der Sehsinn bei Hunden nur an dritter Stelle steht, orientieren sich die blinden Hunde gut über den Geruchssinn und den Gehörssinn.

3. Wie sich Ihr Hund auf die neue Situation einstellt

Wie schnell sich ein Hund mit der neuen Situation abfindet, ist von seinem Alter abhängig. Daher muss Ihre Unterstützung immer individuell auf den Hund abgestimmt werden.

Erfolgt die Erblindung langsam, beginnt der Hund schon früh, sich auf die anderen Sinne zu verlassen. Meistens fällt die Einschränkung des Sehvermögens erst in einer unbekannten Umgebung auf.

Blinde Hunde entdecken die Welt neu für sich. Bevormunden Sie Ihren Vierbeiner dabei nicht. Unterstützen Sie ihn, damit er ein neues Selbstvertrauen durch kleine Erfolge entwickeln kann. Kuscheln Sie als Belohnung ausgiebig mit Ihrem Hund. Durch den besser ausgebildeten Tastsinn wird er die Streicheleinheiten besonders schätzen.

4. So können Sie Ihrem blinden Hund das Leben leichter machen

Hunde reagieren auf den Verlust des Sehvermögens individuell verschieden. Einige kommen sofort mit der veränderten Situation zurecht. Andere verfallen für einige Zeit in eine depressive Verstimmung. Zeigen Sie Ihrem Hund nicht, dass Sie von seiner Erblindung betroffen sind. Führen Sie einen geregelten Tagesablauf ein, damit Ihr Vierbeiner sich leichter zurechtfindet.

4.1 In der Wohnung:

Nach einiger Zeit weiß der erblindete Hund, wo die Möbelstücke stehen. Er kann sich in der Wohnung sicher bewegen. Die Orientierung erfolgt über Berührungen, Geräusche und Gerüche.

  • Vermeiden Sie ein Umstellen der Möbel
  • Sichern Sie scharfe Kanten mit einem Schutz
  • Lassen Sie nichts auf dem Fußboden herumliegen
  • Der Liegeplatz sollte sich immer an derselben Stelle befinden
  • Markieren Sie den Platz für Futter und Wasser mit Duftöl. Als Duftstoffe eignen sich Mandarine, Zitrone und Lavendel.
  • Stellen Sie nichts vor das Sofa, damit Ihr Hund bequem hinaufspringen kann
  • Sichern Sie Treppen mit einem Schutzgitter
  • Stellen Sie Pflanzen auf, damit Ihr Hund dahinterliegende Hindernisse gut erkennen kann
  • Legen Sie in der Wohnung Straßen an. Durch verschiedene Böden kann sich Ihr Hund orientieren. 
  • Andere Tiere und Menschen können Glöckchen tragen. So hört der Hund immer, wo Sie sich befinden.
  • Stampfen Sie mit dem Fuß vor einem Kommando auf den Boden. Ihr Hund spürt die Vibrationen und kann sich an Ihnen orientieren.
  • Legen Sie vor Treppen eine Matte. Ihr Hund erkennt durch den veränderten Bodenuntergrund, wo die Stufen beginnen
  • Sichern Sie rutschige Treppen mit Stufenmatten
  • Legen Sie auf jede Stufe ein Leckerchen und üben Sie mit Ihrem Hund die Kommandos „ab“ und „auf“. Kennt er die Befehle, wird er auch unbekannte Stufen leichter bewältigen.
  • Schalten Sie das Radio ein, wenn Ihr Hund in der Wohnung alleine bleiben soll

4.2 Im Garten:

  • Auch blinde Hunde lieben es, das Gras unter den Pfoten zu spüren und sich die Sonne auf das Fell scheinen zu lassen. 
  • Markieren Sie den Übergang von der Wohnung zum Garten mit einer Matte, damit Ihr Hund immer weiß, wo er sich befindet. 
  • Legen Sie Streifen mit Kies oder Rindenmulch entlang des Zauns an
  • Sichern Sie einen Gartenteich mit einem Zaun 
  • Verwahren Sie scharfkantige Werkzeuge sorgfältig Hängen
  • Sie ein Windspiel bei der Terrassentüre auf, damit Ihr Vierbeiner erkennt, wo sich der Eingang in die Wohnung befindet

4.3 Spaziergang mit einem blinden Hund

Auch ein blinder Hund benötigt Spaziergänge und die Möglichkeit, draußen zu schnüffeln. Solange Ihr Hund noch durch die neue Situation verunsichert ist, müssen Sie die Verantwortung für ihn übernehmen. Nehmen Sie ihm aber nicht das Laufen ab, sondern unterstützen Sie Ihren Vierbeiner dabei, seine Selbstständigkeit wiederzuerlangen.

  • Gehen Sie bereits vertraute Wege: Ihr Hund kann sich besser orientieren und ist auf eventuelle Gefahren vorbereitet
  • Verwenden Sie eine kurze Leine, damit Ihr Hund nicht darüber stolpert
  • Führen Sie Ihren Hund um Hindernisse herum
  • Sprechen Sie mit Ihrem Hund. Ist er von anderen Gerüchen oder Geräuschen abgelenkt, können Sie in die Hände klatschen, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
  • Trainieren Sie Kommandos für den Richtungswechsel: „rechts“, „links“. Klopfen Sie beim Aussprechen der Kommandos immer auf den Ihren Oberschenkel, damit sich Ihr Hund leichter orientieren kann.
  • Bei dem Kommando „stop“ sollte Ihr Hund stehen bleiben.
  • Nutzen Sie eine gelbe Schleife oder ein gelbes Halsband, damit andere Personen erkennen, dass Ihr Hund Abstand benötigt. 
  • Machen Sie bei Begegnungen mit anderen Hunden immer auf die Einschränkungen Ihres Vierbeiners aufmerksam. Die Körpersprache, die Ihr Hund nicht mehr erkennen kann, ist ein wichtiger Teil der Kommunikation unter Hunden
  • Versuchen Sie Missverständnisse zu vermeiden. Der Kontakt zu anderen Hunden ist für Ihren Hund wichtig. Verabreden Sie sich für den Spaziergang mit Hundehaltern und Hunden, die Ihr Tier bereits kennt.
  • Achten Sie auf auf die Signale anderer Hunde
  • Führen Sie Ihren Hund auf der Straße immer an der Leine
  • Benutzen Sie für Fahrten mit dem Auto für das Ein- und Aussteigen eine Rampe mit rutschfestem Untergrund

4.4 Indoor Beschäftigung

  • Schnüffelspiele sind auch für blinde Hunde gut geeignet. Verstecken Sie Futterbeutel und beaufsichtigen Sie Ihren Hund bei der Suche. 
  • Verwenden Sie für Ballspiele Bälle mit Glöckchen
  • Üben Sie neue Spiele ein: gib Pfote, Einräumen von Spielzeug in das Körbchen ist auch für blinde Hunde möglich

Hunde mit eingeschränktem Sehvermögen verhalten sich ähnlich wie gesunde Hunde. Sie spielen gerne und gehen gerne spazieren. Vermitteln Sie Ihrem Vierbeiner Selbstbewusstsein, damit er seinen Alltag mit möglichst geringen Einschränkungen bewältigen kann. Auch ein blinder Hund ist ein treuer Begleiter und guter Freund.

 

Über den Sehe- und Geruchsinn unserer Fellnasen: