Alle Tiere verfügen über ein breites Spektrum an Emotionen.
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Gefühle oder reiner Instinkt: Wie ticken unsere Tiere?

Wissenschaft/Emotion/Empathie/Hormone - News am 8. November 2020

  • Tiere empfinden Emotionen
  • Tiere sind nicht nur zu Basis-Emotionen, sondern auch zu komplexen Gefühlen in der Lage
  • Respekt und Empathie sind der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben

Dass Tiere Schmerzen empfinden können, ist schon lange bekannt. Aber wie sieht es mit den anderen Emotionen aus? Erstreckt sich das Spektrum der Gefühle nur auf Angst und Wohlfühlen. Oder sind auch Facetten wie Spaß, Spiel und Empathie für andere vorhanden? Können sich Menschen wirklich noch mit ihren Emotionen von den Tieren abgrenzen, oder müssen wir unsere Einstellung grundlegend ändern?

Was sind eigentlich Emotionen?

  • Emotionen sind psycho-physiologische Vorgänge.
  • Die physiologischen Veränderungen, wie Ausschüttung von Hormonen, Beschleunigung der Puls-, Atem- und Herzfrequenz können gemessen werden.
  • Der psychische Teil liegt im Verborgenen. Er ist nicht greifbar, außer für denjenigen, der die Emotionen empfindet. 

Bei Menschen und Tieren ist ein Vergleich des Gehirns möglich. Die für die Emotionen zuständigen Areale reagieren ähnlich. Wie sieht es aber mit Tieren aus, die ein anderes Nervensystem besitzen. Zum Beispiel mit einem Tintenfisch, der sieben verschiedene Gehirne in seinem Körper hat. Empfindet er keine Emotionen, nur weil wir diese nicht mit einem Scan darstellen können?

Was die Wissenschaft zu den Emotionen der Tiere sagt:

Charles Darwin entdeckte, dass Tiere Gefühle haben und Schmerzen empfinden. Dieser Teil seiner Forschungen geriet aber immer mehr in Vergessenheit. Vielemehr setzte sich die Ansicht durch: In der Natur überlebt nur der Stärkste. Doch heute weiß man, dass in der Natur, auf die Art bezogen, nicht immer nur der Stärkste Erfolg hat.

Frans de Waal, niederländischer Primatologe und Verhaltensforscher: „Die meisten Säugetiere überleben nicht, indem sie einander im Kampf ausstechen, sondern durch Kooperation, Fürsorge und Teilen.“

Gerd Schlenker,Veterinärprofessor in Berlin: "Es ist oft wichtiger, den Gefühlen zu vertrauen, als über möglichst hohe Nervenleistungen zu verfügen."

Heute ist sich ein Großteil der Wissenschaftler einig, dass alle Tiere ein großes Spektrum an Emotionen empfinden können. Durch neue Studien wird der Stand der Wissenschaft ständig erweitert.

Man unterscheidet sechs Basisgefühle:

  1. Freude
  2. Trauer
  3. Aggression
  4. Angst
  5. Lust
  6. Ekel

Tiere schließen Freundschaften: Sie verhalten sich nicht nur loyal ihrem Halter gegenüber. Sie schließen auch Freundschaften mit anderen Tieren. Manche Bindungen halten das ganze Leben. So konnte nachgewiesen werden, dass Meerschweinchen, die zu zweit gehalten werden, deutlich länger leben und gesund bleiben. Diese Tatsache beruht darauf, dass bei paarweiser Haltung verstärkt Oxytocin, ein Glückshormon, ausgeschüttet wird. Auch im Internet finden sich immer wieder Berichte über die außergewöhnlichsten Freundschaften zwischen Tieren. So sind zum Beispiel auch Katzen in der Lage, sich mit ihren Beutetieren zu befreunden und das spezielle Tier nicht mehr zu jagen.

Tiere trauern: Bei dem Verlust des geliebten Menschen oder eines tierischen Freundes trauern auch Tiere. Elefanten bleiben für Stunden bei einem verstorbenen Artgenossen und berühren den Körper immer wieder mit dem Rüssel. Hunde und Katzen verweigern das Futter, wenn der Partner gerade verstorben ist.

Geben Sie Ihrem Tier daher immer die Möglichkeit, sich von einem verstorbenen Freund zu verabschieden. Nur so hat es die Möglichkeit, zu begreifen, was passiert ist und Abschied zu nehmen.

Entwickeln Tiere auch komplexe Gefühle?

  1. Scham
  2. Verachtung
  3. Rache 
  4. Eifersucht

Bei Affen konnte nachgewiesen werden, dass sie bei falschen Handlungen oder Versagen Scham empfinden. Sie versuchen das Resultat der Handlung vor den anderen Affen zu verbergen. Bonobos lösen viele Streitigkeiten mit Sex. Durch die Ausschüttung von Dopamin werden positive Emotionen ausgelöst, die die Beilegung von Streitigkeiten begünstigen. (Professor Gansloßer aus Münster)

Wieweit auch andere Tierarten diese Gefühle empfinden, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht. Wir sollten unsere Tiere nicht vermenschlichen, aber berücksichtigen, dass sie ihre Gefühle vielleicht auf eine für uns unverständliche Art und Weise ausdrücken.

Warum Liebe und Streicheleinheiten für Tiere wichtig sind:

  • Tiere genießen es, ausgiebig gestreichelt zu werden.
  • Berührungen stärken die Bindung und fördern ein positives Zusammenleben.
  • Streicheln verursacht ein angenehmes Gefühl und die Ausschüttung von Glückshormonen.
  • Es macht nicht nur die Tiere glücklich, sondern auch uns Menschen.
  • Tiere wollen lieben und geliebt werden. Das betrifft nicht nur Säugetiere, sondern auch andere Tierarten, wie Reptilien, Vögel oder Fische. 

Mit der Ansicht, dass auch alle Tiere Emotionen empfinden, hat die Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag zu der Weiterentwicklung der Menschen geleistet.

Wir müssen unsere Einstellung Tieren gegenüber überdenken. Sie sind nicht dazu da, um benutzt zu werden, sondern sind auf dieser Welt unsere Freunde und Gefährten. Respekt und Empathie bilden die Grundlage für unser Zusammenleben. Auch wenn der Weg zu einem vollständigen Verstehen noch sehr weit ist, haben wir die ersten Schritte bereits getan.