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Phytotherapie hilft bei Arthrosen

Steht Ihr Hund nur mehr schwer auf und bewegt sich nicht mehr so gerne auf der Hundewiese? Springt Ihre Katze nicht mehr auf erhöhte Liegeflächen?

von Dr. Stefan Reischl

 

Dann leidet Ihr Vierbeiner wahrscheinlich unter Arthrosen, einer der häufigsten Ursachen für Schmerzen im Laufe des Lebens Ihres Tieres. Unter Arthrose versteht man eine Abnützung eines Gelenkes, die Schmerzen verursacht. Ein Gelenk besteht aus einer beweglichen Verbindung von Knochen und ist von einer Kapsel aus Fasern umschlossen. Die Enden der Knochen sind mit einer Knorpelschicht überzogen, die als Puffer bei Stößen dient. An der Innenwand der Gelenkskapsel befindet sich die Synovialmembran, die die Gelenkschmiere (Synovia) absondert. Die Synovia ernährt den Gelenksknorpel und unterstützt das Gleiten der Knochen innerhalb des Gelenks.

Bei einer Arthrose wird der Gelenksknorpel dünner, die dämpfende Wirkung funktioniert nicht mehr. Durch die vermehrte Krafteinwirkung entstehen Entzündungen, die Gelenkskapsel verdickt sich. Die Synovia wird dünnflüssiger und enthält nicht mehr genügend Nährstoffe, um die Knorpelschicht zu versorgen. Der Gelenksknorpel baut sich weiter ab. Um den Druck im Gelenk besser zu verteilen, baut sich der Knochen um, er wird breiter. Die Exostosen (Knochenwucherungen) verursachen bei Belastungen Schmerzen.


Ursachen:

Beschädigungen des Knorpels durch Verletzungen oder Überbelastung beim Hundesport können Arthrosen verursachen. Fortgeschrittenes Alter und Übergewicht erhöht das Risiko für die Ausbildung von Arthrosen. Minderwertiges Futter, das einen zu geringen Gehalt an essentiellen Aminosäuren aufweist, verursacht durch eine Unterversorgung des Gelenkknorpels ebenfalls Arthrosen.

Symptome:

Der Vierbeiner steht steif auf und lahmt. Bei längerer Bewegung verbessert sich die Lahmheit. Katzen springen nicht mehr gerne und vermeiden Belastungen des Bewegungsapparates. Bei länger bestehender Arthrose werden ausgedehnte Spaziergänge verweigert, Muskelschwund kann auftreten.

 

Behandlung von Arthrosen mit Phytotherapie:

Eine Heilung von bereits bestehenden Arthrosen ist nicht möglich. Das Fortschreiten des Knorpelabbaus kann durch geeignete Maßnahmen verzögert werden.

1. Weide und Weidenrinde - Salix

Bestandteile der Weide werden bereits seit der Antike als Schmerzmittel und fiebersenkendes Mittel erfolgreich eingesetzt. 1828 konnte der Wirkstoff Salicin aus der Rinde isoliert werden. 1838 wurde aus Salicin Salicylsäure hergestellt, aus der 1897 von Felix Hoffmann das bekannte Schmerzmittel Aspirin entwickelt wurde.

Inhaltsstoffe:

Die wirksamen Inhaltsstoffe werden aus der Rinde von Salix alba (Silberweide) und Salix purpurea (Purpurweide) gewonnen. Abhängig von der Weidenart sind bis zu 11 % Salicylate (Saslicin, Salicortin) enthalten. Zusätzlich ist eine hohe Menge an Gerbstoffen enthalten.

Wirkung:

Salicin wird durch die Bakterien im Darmtrakt in Salicylsäure umgewandelt. Diese wirkt fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzstillend. Positive Wirkungen treten allerdings erst nach längerer Einnahme auf. Die blutverdünnende Wirkung ist geringer als die von Salicylsäure.

Die Gerbstoffe regulieren die Darmbewegungen. Bei Tieren mit einer empfindlichen Magen- Darmschleimhaut können Reizungen und Durchfälle auftreten.

Reagiert Ihr Tier allergisch auf Salicylate, darf Weidenrinde nicht verabreicht werden. Vorsicht ist auch bei trächtigen Tieren und Jungtieren geboten.
Die Wirkung von Weidenrinde ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

2. Teufelskralle- Harpagophytum procumbens

Die zu den Sesamgewächsen gehörende afrikanische Teufelskralle wächst vor allem in den trockenen Zonen der Savanne und der Kalahari. Die in Europa vorkommenden, blau blühenden Arten (Phyteuma) gehören zu den Glockenblumengewächsen. Seit ungefähr 15 Jahren ist die Teufelskralle auch in Europa als Naturheilmittel bekannt und weit verbreitet. Aus den Wurzeln der afrikanischen Teufelskralle werden hoch dosierte Extrakte oder Tees hergestellt. Um den Bedarf zu decken, wird die Pflanze, die mit fünf Jahren ihre Reife erreicht, in Kulturen gezüchtet.

Inhaltsstoffe:

Der Hauptanteil der Wirkstoffe befindet sich in den Ausläufern der Wurzeln. Die Hauptwirkstoffe sind Iridoid-Glykoside, wie Harpagid und Procumbid. Flavonoide, Triterpene, Acetosid, Chlorogensäure und Zimtsäure unterstützen die Wirkung.

Wirkung:

Gelenkschmerzen werden verringert. Teufelskralle wird häufig gemeinsam mit Grünlippenmuschelpräparaten verabreicht, um den Stoffwechsel des Gelenkknorpels zu unterstützen. Flavonoide regulieren die Verdauung und lindern Blähungen. Die Produktion von Galle wird unterstützt, die Blutreinigung gefördert. Als Nebenwirkung können bei Tieren mit empfindlichem Magen- Darmtrakt Entzündungen auftreten.
Die Wirkung der afrikanischen Teufelskralle ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

3. Löwenzahn – Taraxacum

In der Phytotherapie werden vor allem das Löwenzahnkraut und die Wurzel der zu den Korbblütlern gehörenden Pflanze verwendet.

Wirkstoffe:

In Löwenzahn sind 4,5 % Kalium und, abhängig von der Jahreszeit, bis zu 40 % Inulin enthalten. Die Hauptwirkstoffe sind Sesquiterpenlactone (Bitterstoffe), Phenolcarbonsäuren (Taraxosid) und Triterpene.

Wirkung:

Die Bitterstoffe fördern die Sekretion von Galle und die Verdauung. Die Harnproduktion und die Ausscheidung von Giftstoffen werden angeregt. Bei Gelenkschmerzen, die durch Gicht oder Rheuma verursacht werden, erfolgt durch verstärkte Ausscheidung von Harnsäure eine Linderung der Schmerzen.
Bei Tieren mit empfindlichem Magen können die Bitterstoffe eine Überproduktion von Magensäure verursachen.
Die Wirkung von Löwenzahn ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

4. Kren oder Meerrettich -  Armoracia rusticana

In der Phytotherapie wird vor allem die Wurzel des Meerrettichs, der zu den Kreuzblütengewächsen gehört, verwendet. Meerrettich wächst hauptsächlich im Bereich von Flüssen und feuchten Wiesen. In Europa wird die Pflanze seit dem Mittelalter als Heil- und Gewürzpflanze eingesetzt.

Inhaltsstoffe:

Meerrettich enthält große Mengen an Vitamin C, B1, B2 und B6, sowie die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Die Hauptwirkstoffe sind Senfölglykoside (Sinigrin, Glukonasturtiin), Allicin, Flavone und ätherische Öle. Asparagin, Glutamin, Arginin, Peroxidase und organisch gebundener Schwefel ergänzen das Wirkungsspektrum.

Wirkung:

Senföle lindern Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Verdauung wird angeregt, die Ausscheidungstätigkeit der Niere gefördert. Das Antioxidans Vitamin C reduziert Entzündungen.
Die Wirkung von Meerrettich ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

5. Arnika – Arnica montana

Die echte Arnika gehört zu den Korbblütlern. Die Pflanze bevorzugt saure, magere Wiesen und wächst in Mitteleuropa bis zu einer Höhe von 2300 Metern. Die seit dem 15. Jahrhundert als Heilpflanze verwendete Arnika steht unter strengem Naturschutz.

Inhaltsstoffe:

Die Blüten enthalten ätherische Öle, Flavonoide und Sequiterpenlactone. Hauptwirkstoffe sind Helenaline. Thymol und Cumarine unterstützen die Wirkung.
Achtung: Helenaline sind toxisch. Selbst gesammelte Arnikablüten sollten nicht für die Herstellung von Teezubereitungen verwendet werden. Zu hohe Dosen können einen Herzstillstand verursachen.

Wirkung:

Arnikablüten wirken antibakteriell und lindern Arthritis. Bei äußerlicher Anwendung wirken die Flavonoide entzündungshemmend. Verletzungen und Blutergüsse heilen rascher ab.
Korbblütler können Allergien verursachen. Bei längeren Anwendungen können juckende Hautausschläge auftreten.
Homöopathische Zubereitungen enthalten verdünnte Extrakte aus Wurzeln oder Blüten. Sie können auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Die Wirkung von Arnika ist wissenschaftlich erwiesen.

6. Weihrauch – Olibanum, Thus

Das an der Luft getrocknete Harz des Weihrauchbaumes wird für Räucherungen und als Bestandteil von Arzneimitteln verwendet. Das von Boswellia sacra gewonnene Harz enthält abhängig von der Erntezeit einen unterschiedlichen Gehalt an Wirkstoffen.

Inhaltsstoffe:

Weihrauch enthält ätherische Öle (5 – 12%), Harze, Schleim und Proteine. Den höchsten Anteil, bis zu 80 %, machen Terpene, Boswelliasäuren, Lupansäuren, Tirucallensäuren, aus. Am wertvollsten und reichsten an Inhaltsstoffen sind die klaren, großen Harztropfen der letzten Ernte. Die erste Ernte wurde früher verworfen. Heute wird sie, mit Beinwell gemischt, für günstigen Kirchenweihrauch verwendet.

Wirkung:

Weihrauch wird vor allem bei chronisch- entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Boswelliasäuren wirken entzündungshemmend und lindern Schmerzen. Die Produktion von Entzündungsmediatoren wird unterbrochen. Entzündungen können abheilen, bevor diese chronisch werden.
Die Wirkung von Weihrauch ist teilweise durch wissenschaftliche Studien belegt.

7.  Wintergrünöl – Gaultherai procumbens

Das Heidekrautgewächs stammt ursprünglich aus Kanada und Nordamerika. Das Öl wird aus den Blättern der Pflanze durch Mazeration in warmem Wasser hergestellt.

Wirkstoffe:

Durch Destillation des Mazerats wird das ätherische Wintergrünöl (Methylsalicylat) gewonnen. Da gewonnen Öl muss mit Trägeröl verdünnt werden, da bereits geringe Mengen hoch giftig sind (1 – 4 Tropfen pro 30 ml Trägeröl)

Inhaltsstoffe:

Das ätherische Öl besteht zu 98 % aus Methylsalicylat. Die restlichen ätherischen Öle (Menthol) sind für das minzartige Aroma verantwortlich.
Wirkung:
Wintergrünöl wirkt schmerstillend, entzündungshemmend und löst Krämpfe und Verspannungen. Wird verdünntes Wintergrünöl auf schmerzende Bereiche aufgetragen, wird die Durchblutung verbessert, Giftstoffe werden schneller ausgeschieden. Anthocyane wirken antioxidativ und lindern Entzündungen.


8. Spanischer Pfeffer – Piper nigrum

Pfeffer stammt ursprünglich aus Indien und gelangte im 17. Jahrhundert mit Handelsschiffen nach Europa. Die unreifen, grünen Pfefferkörner werden nach der Ernte gelagert und an der Sonne getrocknet. Schwarzer Pfeffer hat einen höheren Piperin-Gehalt als weißer oder roter Pfeffer.

Inhaltsstoffe:

Pfeffer enthält 200 verschiedene Wirkstoffe. 8 % Piperin und Derivate sind für die heilende Wirkung verantwortlich. Die Schärfe wird durch Pfefferöl, bis zu 4,8 %, verursacht.

Wirkung:

In der Phytotherapie werden grüne, getrocknete und ungeschälte Früchte verwendet. Piperin und Safrol regen die Schmerzrezeptoren und die Verdauung an. Zusätzlich besteht eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung. Wird Piperin gemeinsam mit Cucurmin verabreicht, wird die schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung von Cucurmin um das 20-fache erhöht. Ebenso wird die Bioverfügbarkeit von Vitamin C und Selen verbessert.
Trächtigen Tieren sollten keine größeren Mengen von schwarzem Pfeffer verabreicht werden.

9. Ingwer – Zingiber officinale

Ingwergewächse werden vor allem in China, Indien und Malaysia angebaut. In der Phytotherapie werden die Wurzeln der Pflanze verwendet.

Inhaltsstoffe:

In der Ingwerknolle sind 160 verschiedene Inhaltsstoffe enthalten. Ätherische Öle, Zingiberol, Zingiberen, Gingerol und Shogaol sind für die heilende Wirkung verantwortlich. Zusätzlich enthält die Ingwerwurzel einen hohen Anteil an Mineralstoffen, Eisen, Kalium, Kalzium, Phopsphor, Magnesium. Natrium, und Vitaminen A, B und C.

Wirkung:

Ingwer wirkt wärmend und durchblutungsfördernd. Die Wurzel entgiftet den Körper und bekämpft Entzündungen. Der Appetit wird angeregt, die Verdauung durch die erhöhte Sekretion von Verdauungssäften gefördert. Äußerlich aufgelegt lindert Ingwer Schmerzen und Entzündungen von Gelenken. Gingerol hemmt die Bildung von Enzymen, die Entzündungen von Knochen und Gelenken verstärken. Akute Entzündungen können abheilen, bevor sie in einen chronischen Verlauf übergehen.
 
Unterstützen Sie die Behandlung von Arthrosen bei ihrem Tier mit Phytotherapie. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt über die für Ihr Tier geeigneten Präparate beraten.
 

petdoctors Experte Dr. Stefan Reischl

Neben der Schulmedizin setzt Dr. Reischl Komplementärmedizin, insbesonders Phytotherapie zur Behandlung seiner PatientInnen ein. Sein umfangreiches Wissen aus Theorie und Praxis teilt er mit den Userinnen und Usern auf petdoctors.at.