Ein Hund zieht ein: Stress erkennen und vermeiden [07/2021]

(c) Photo: Surprising_Shots auf Pixabay

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Verhalten, Tierschutz Hund, Stress, Eingewöhnung - News 07/07/21

Ein neuer Hund im Haus braucht am Anfang vor allem eines: Ruhe und Routine. Alles was Stress macht, muss vermeiden werden. Wie Sie überforderung bei Ihrem Schützling erkennen und wieso es nicht klug ist, den Hund zu Beginn schon alleine zu lassen und weitere nützliche Praxistipps zur Eingewöhnung eines Hundes.

1. Halten Sie Spaziergänge in den ersten Tagen eher kurz:

Gehen Sie lieber öfter kurz zum Lösen raus. Ihr Hund kann sich so langsam an seine neue Umgebung gewöhnen, ohne gleich völlig mit neuen Eindrücken überfordert zu werden – auch Spaziergänge im Grünen sind für den Hund voller aufregender Eindrücke, die er „verdauen“ muss: denn nach einem Tierheimaufenthalt in Isolation reagieren Hunde sehr sensibel und empfindlich auf jegliche Reize. Weniger ist anfangs also mehr!

Sichern Sie Angsthunde außerdem mit einem maßangefertigten Sicherheitsgeschirr, um ein Herausschlüpfen in einer Panikreaktion zu vermeiden!

[Mehr Tipps zum richtigen Hundesgeschirr finden Sie  auf petdoctors.at: hier gehts weiter zum Artikel]

2. Lassen Sie Ihren Hund am Anfang NIE alleine:

Lassen Sie den Neuankömmling nicht alleine, schon gar nicht im Garten oder im Haus bei geöffnetem Fenster. Haben Sie einen Garten, so gehen Sie anfangs nur gemeinsam mit ihm raus und sichern Sie ihn dabei auch mit einer langen Leine.

Hunde können rasch erschrecken und finden oft die kleinsten Löcher im Zaun, überklettern oder springen bis zu 2 m hohe Zäune oder buddeln sich in Windeseile unten durch.
Wollen Sie Ihrem Schützling

3. Bewegungsfreiheit: Vorsicht ist oberstes Gebot:

Wollen Sie Ihrem Schützling Bewegungsfreiheit geben, so sichern Sie ihn mit einer Schleppleine, Vertrauen baut sich nicht innerhalb kürzester Zeit auf und ein Hund, der vor einem Reiz erschrickt, ist schneller weg, als man als Mensch reagieren kann… deshalb ist Vorsicht in der Eingewöhnungsphase oberstes Gebot und daher bei Spaziergängen – auch im Grünen – immer die Leine dran!

4. Was tun bei Verhaltesnauffälligkeiten: übermäßiges Kratzen, ständiges Belecken, extremes Hecheln ...

Zeigt Ihr Hund trotz all dieser Vorkehrungen Verhaltensauffälligkeiten, holen Sie sich bitte professionelle Hilfe von Trainer*innrn mit Erfahrung bzgl. Hunden aus dem Tierschutz und achten Sie darauf, dass das Training durch positive Bestärkung und nicht über Strafe erfolgt.

[Finden Sie auf petdoctors.at eine Tiertrainer*in in Ihrer Nähe, die nach dem Grundsatz der positiven Verstärkung arbeitet: hier gehts weiter]

Achten Sie auf Anzeichen von Stress und Überforderung! Diese können sein:

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Verhaltensweisen beobachten, versuchen Sie herauszufinden, was Ihrem Hund gerade zu viel ist und verändern Sie die Situation.

5. Schimpfen und laut werden ist der falsche Weg:

Schimpfen und laut werden ist nicht empfehlenswert und vor allem auch nicht zielführend:

  1. Dies sorgt für noch mehr Stress und schafft angespannte Stimmung und Unwohlsein. Keine gute Basis für einen Vertrauensaufbau mit einem neuen vierbeinigen Mitbewohner.
  2. Auch auf durchwachte Nächte sollten Sie sich einstellen: angefangen von einer oder mehreren schlaflosen ersten Nächten, in denen es Ihrem neuen Schützling vielleicht noch sehr schwer fällt zur Ruhe zu kommen, sollten Sie vor allem darauf achten, alles, was Ihnen wertvoll ist, außer Hundereichweite aufzubewahren.
  3. Darüber hinaus können Missgeschicke auch in Form von Urin oder Kot passieren, selbst dann, wenn der Hund bereits stubenrein ist. Dies ist in der Eingewöhnungsphase durchaus möglich und hat nichts mit „Absicht“ oder „Protest“ zu tun! Hier ist es wichtig Konsequenz zu zeigen: passiert ein Missgeschick, bleiben Sie ruhig und freundlich und gehen mit dem Hund ins Freie, bis er verknüpft hat, dass er sein Geschäft draußen verrichten soll. Die Nase in den Urin tauchen oder den Hund bestrafen (auch schimpfen) sind hier völlig fehl am Platz und können sogar zu einer Verschlimmerung führen!

6. Veraltete Erziehungsansichten und Quellen für Missverständnisse:

61. Wie würden Sie reagieren, wenn Sie hungrig sind und jemand nimmt Ihnen den Teller weg?

Auch von der alten Ansicht, der Hund müsse sich sein Futter wegnehmen lassen, sollten Sie sich gleich mal trennen. Einem Hund das Futter wegzunehmen, kann zu unerwünschtem Verhalten führen: Ihr Hund wird Sie als nicht vertrauenswürdig einstufen und sein Futter verteidigen.

Und daher ein klares Nein an den Menschen: ein Hund muss sich sein Futter nicht wegnehmen lassen! Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei Tisch und jemand anderer nimmt Ihren Teller weg, während Sie noch essen ... fänden Sie das toll? Wie würden Sie beim nächsten Mal reagieren?

6.2 Wer hat mehr Spaß in der Hundezone: Die Besitzer*innen oder Ihre Hunde?

Auch Hundezonen sind so ein zwiegespaltenes Thema. Für die Zweibeiner ist es oft angenehm, man steht rum und kann sich unterhalten, die Hunde laufen und bewegen sich und haben ihren Spaß.

Haben sie den wirklich? Oft sieht man darin Hunde, die einen anderen mobben - und Hundebesitzer*innern, die dies leider nicht erkennen [Hier gehts weiter zum Artikel auf petdoctars.at zum Thema Mobbing in der Hundezone]

Viele Hunde machen ihre ersten schlechten Erfahrungen in Hundezonen! Deshalb meiden Sie Hundezonen, Ihr Hund soll sich erstmals an Sie gewöhnen können!

6.3 Ein Hund muss ausgepowert sein. Ist das wirklich so?

Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, ist Ihr Hund unruhig und „überdreht“, bedeutet dies nicht, dass er noch mehr Bewegung benötigt und ausgepowert werden muss.

Was Ihr Schützling in diesem Fall benötigt ist Ruhe! Kein Balli werfen, kein Laufen – all dies stresst ihren Hund nur noch mehr! [Hier gehts weiter zum Artikel "Wie Wurf, Zerr, Hetzspiele zur Sucht werden" auf petdoctors.at]

7. Das Fazit für die Eingewöhnungszeit ist daher:

Viel Ruhe, aufeinander eingehen, denn weniger kann so viel mehr sein! Sollte ihr Hund jedoch auch nach mehreren Tagen immer noch Probleme haben und nicht zur Ruhe kommen, wenden Sie sich an eine Hundetrainer*in mit Erfahrung mit Hunden aus dem Tierschutz. Sie kann Ihnen und Ihrem Hund dabei helfen, Entspannung zu erlernen!
 
Die Autorin DI Ruth Hofleitner, arbeitet als Hundetrainierin:  www.demhundzuliebe.at Hundetrainingsplatz: Wienerstraße 30, 3032 Eichgraben