Meist tritt Nausea bei jungen Hunden auf
(c) Bild von Christian LeBlanc auf Pixabay

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15 bis 20 % aller Hunde leiden unter Reisekrankheit

Reisekrankheit/Erbrechen/vegetatives Nervensystem - News: 29. Juni 2020

  • Bei der Reisekrankheit ist das gesamte vegetative Nervensystem betroffen.
  • Meistens tritt die Reisekrankheit bei jungen Hunden auf.
  • Rund ein Fünftel aller Hunde leidet unter Übelkeit beim Reisen im Auto
  • Symptome sind sehr individuell. Sie sind nervös, zittern, speicheln, machne sind panisch

Die Koffer sind gepackt und Mensch und Tier freuen sich schon auf die gemeinsamen Unternehmungen im Urlaub. Wenn da nur nicht die leidige Reise zum Urlaubsort wäre. Viele Hunde fühlen sich auf längeren Autofahrten nicht wohl. Sie sind unruhig, ihnen ist übel und sie erbrechen. Hat Ihr Hund bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, können bereits erste Anzeichen einer längeren Urlaubsfahrt die Reisekrankheit auslösen. Ähnlich wie bei Kindern verliert sich die Übelkeit, wenn sich die Hunde mit zunehmendem Alter an das Fahren mit dem Auto gewöhnt haben.

1. Was versteht man unter Reiseübelkeit?

Die Reiseübelkeit ist das Hauptsymptom der Reisekrankheit. Ihr Hund ist nervös, zittert, speichelt und leckt sich ständig die Lefzen. Die Augenlider zittern, der Hund ist panisch. Die Symptome können individuell sehr verschieden sein. Einige Hunde sitzen auch ruhig und wie erstarrt im Auto. Plötzlich beginnt Ihr Hund zu erbrechen.

2. Wodurch wird die Reisekrankheit (Seekrankheit oder Kinetose) ausgelöst?

Das Auto schaukelt beim Fahren. Das Gleichgewichtsorgan, das sich im Innenohr befindet, meldet an das Gehirn: „Bewegung“. Gleichzeitig sind die Augen nicht in der Lage, eine Bewegung zu erkennen. Der Hund sitzt ruhig im Auto. Besonders wenn Ihr Hund nicht die Möglichkeit erhält, aus dem Fenster zu sehen, wird diese Diskrepanz noch größer.

  1. Histaminausschüttung 
  2. Passive Bewegung 
  3. Irritation des Gleichgewichtsorgans 
  4. Sensibilisierung des vegetativen Nervensystems

Das Gleichgewichtsorgan reagiert empfindlich auf die Sinnestäuschung. Eine Sensibilisierung des vegetativen Nervensystems findet statt, die Symptome der Reisekrankheit treten auf. 

3. Symptome der Reisekrankheit

Jeder Hund reagiert auf die Sinnestäuschung unterschiedlich. Einige sind hysterisch und panisch, jaulen und sind kaum ansprechbar. Andere sitzen oder liegen ruhig und starren unbeweglich auf einen Punkt. Erreicht die Übelkeit ihren Höhepunkt, beginnt Ihr Hund, immer wieder zu erbrechen. Durch Angst werden die Symptome noch verstärkt.

  • Übelkeit 
  • Nervosität 
  • Unruhe 
  • Speicheln
  • Erbrechen

Die ersten Erfahrungen mit der Reiseangst sammelt der Welpe bei seiner Übergabe an den neuen Halter. Er muss seine vertraute Umgebung und Familie verlassen, fremde Geräusche und Gerüche wirken auf ihn ein. Er kann nicht abschätzen, was auf ihn zukommt. In dieser Situation reagiert der Welpe ängstlich. Meistens werden die Welpen mit dem Auto bei dem Züchter abgeholt. Der kleine Hund verknüpft die für ihn unangenehme Situation mit der Autofahrt.
Zukünftig ist jede Autofahrt belastet. Die Angst kann die Symptome sogar schon vor der Autofahrt auslösen. Der Anblick der Transportbox, des Autos oder der Koffer erinnern den Hund an die Übelkeit.

4. Wie häufig tritt die Reisekrankheit bei Hunden auf?

Nicht alle Hunde, die beim Autofahren ein Problem haben, werden bei einem Tierarzt vorgestellt. Häufig wird die Autofahrt auch nicht direkt mit dem Erbrechen in Verbindung gebracht. Daher kann die Anzahl der betroffenen Hunde nur grob auf 15 bis 20 % geschätzt werden.

5. Wie kann die Reisekrankheit behandelt werden?

5.1 Vorbeugung

Junge Hunde sollten früh an das Fahren in einem Auto gewöhnt werden, damit Sie keine Angst entwickeln. Am besten erfolgt das Training schon beim Züchter. Die Welpen können das Innere des Autos genau inspizieren und darin spielen. Sie gewöhnen sich an das Laufen des Motors. Eventuell können auch kurze Fahrten mit der Mutterhündin unternommen werden. Bei der Fahrt in sein neues Zuhause sollte der Welpe besonders vorsichtig behandelt werden. Die Autotüre sollte nicht heftig zugeschlagen werden. Abrupte Beschleunigungen und Bremsmanöver müssen vermeiden werden. Am besten werden immer wieder kurze Spielpausen eingelegt. Auf diese Weise erfolgt die erste Autofahrt stressfrei.

5.2 Therapie

Früher wurden Hunde, die unter Reisekrankheit litten, mit Beruhigungsmitteln und Antihistaminika behandelt. Der Hund wurde schläfrig und benommen. Da mit dieser Behandlung nur die Symptome therapiert wurden, trat die Reisekrankheit immer wieder auf.

Heute gibt es wirkungsvollere Behandlungsmethoden, die mit einem gezielten Training verbunden werden.
Bei starker Reiseübelkeit kann der Tierarzt Antiemetika verschreiben. Die Tabletten nehmen dem Hund die Übelkeit und machen die Autofahrt für ihn angenehmer.

Sprays mit Pheromonen helfen, dass sich der Hund sicher fühlt und die Angst überwinden kann.

5.3 Therapie mit homöopathischen Mitteln:

Cocculus D6: bei Übelkeit, die immer stärker wird und zum Erbrechen führt. 2 – 3 Tage vor der Fahrt, 1x täglich
Tabacum D30: wenn sich der Hund schnell erholt, sobald er an die frische Luft kommt. 1x täglich.
Petroleum D30: die Übelkeit verschlimmert sich bei der Bewegung des Fahrzeugs. 1x täglich.
Pulsatilla D30: vor allem bei weiblichen Hunden, die panisch und hysterisch reagieren. 1x täglich.
Nux vomica D6 oder D12: die Hunde erbrechen schnell. 1 – 2 x täglich.

5.4 Was können Sie noch für Ihren Hund tun?

  • Sorgen Sie für Ablenkung durch ein Lieblingsspielzeug
  • Ihr Hund sollte die Möglichkeit erhalten, aus dem Fenster zu schauen
  • Gewöhnen Sie Ihren Hund rechtzeitig an Autofahrten
  • Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt Antiemetika verschreiben
  • orgen Sie für ein angenehmes Klima im Autoinneren
  • Machen Sie auf längeren Fahrten immer wieder Pausen
  • Führen Sie keine abrupten Beschleunigungs- und Bremsmanöver durch
  • Lassen Sie Ihren Hund immer wieder frisches Wasser trinken
  • Bieten Sie Ihrem Hund eine Transportbox an. Einige Hunde bevorzugen die Sicherheit.
  • Füttern Sie vor der Fahrt nur kleine Portionen.
  • Geben Sie Ihrem Hund, in Absprache mit dem Tierarzt, homöopathische Mittel.

6. Wie sollte ein Training bei Reisekrankheit erfolgen?

Damit der Hund seine Angst ablegt, sollte eine Gegenkonditionierung vorgenommen werden. Ihr Hund muss das Auto mit einer angenehmen Erfahrung verknüpfen.

Zuerst wird der Hund an das Auto gewöhnt. Dazu gehen Sie immer wieder in die Nähe des Autos. Verhält sich Ihr Hund ruhig, bekommt er eine Belohnung. Als nächstes öffnen Sie die Autotüre. Sobald Ihr Hund in das Auto einsteigt, erhält er eine Belohnung. Hat Ihr Hund den Aufenthalt im Auto akzeptiert, können Sie ihn dort füttern. Überfordern Sie Ihren Vierbeiner nicht. Reagiert Ihr Hund ängstlich, wird das Training einfach abgebrochen und das nächste Mal fortgesetzt.
Da sich Ihr Hund bei Fahrten auf der Rückbank oder im Kofferraum aufhalten soll, muss er an seinen Platz im Auto gewöhnt werden. Schließen Sie langsam die Türen und starten Sie den Motor. Vergessen Sie nicht, Ihren Hund zu belohnen, wenn er sich entspannt verhält. Hat Ihr Hund die Situation akzeptiert, können Sie mit kurzen Fahrten beginnen.

Dieses Training muss besonders geduldig ausgeführt werden, damit der Hund nicht überfordert wird. Lassen Sie ihm ausreichend Zeit, die Angst zu verlieren und sich an die passive Bewegung zu gewöhnen.

7. Sind auch andere Tiere von der Reisekrankheit betroffen?

Nicht alle Tierarten sind von der Reisekrankheit betroffen. Aasfresser, die auch verdorbenes Fleisch problemlos fressen können, reagieren nicht so empfindlich auf die verstärkte Ausschüttung von Histamin. Sie neutralisieren es mithilfe des Enzyms DAO. Daher erkranken Hyänen, Tiger, Löwen und auch Schweine nicht an Nausea.
Da das Gleichgewichtsorgan der Fische denen der Menschen und Hunde ähnelt, können Fische bei hohem Seegang seekrank werden.

8. Fazit

Hunde, die von der Reisekrankheit betroffen sind, sollten durch ein behutsames Training und eine medikamentöse Therapie behandelt werden. Mit Geduld helfen Sie Ihrem Hund die Angst und die Übelkeit zu überwinden.