11 Zahn- & Mundkrankheiten: auch Hunde können unter kranken Zähnen leiden [08|22]

Zahnkrankheiten, Zahnfehlstellung, Zahnstein, Parodontose, Gingivitis, Stomatitis, Karies, Fremdkörper, Speicheldrüsenzyste - Petdoctors [09|08|22]
(c) Photo: manfredrichter auf Pixabay
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Zahnkrankheiten, Zahnfehlstellung, Zahnstein, Parodontose, Gingivitis, Stomatitis, Karies, Fremdkörper, Speicheldrüsenzyste - News [09|08|22]

1. Lefzenekzem:

Das Lefzenekzem kommt häufig bei Spaniel, Bernhardiner und Neufundländer vor. 

  1. An den Hautfalten der Unterlippe kommt es durch Reibung der darüber liegenden Oberlippe zu einer mechanischen Reizung der Haut.
  2. Durch die Ansiedlung von Bakterien, speziell Streptokokken und Staphylokokken entsteht eine eitrige Entzündung.

Symptome: Rötung der Unterlippe, krustige Auflagerungen, Schmerzen, Juckreiz.

Behandlung: 

  • regelmäßige Desinfektion
  • bei Bedarf Verabreichung von Antibiotika durch die/den Tierärzt:in.
  • Vorhandene Zahnbeläge und Zahnstein sollten entfernt werden.

2. Allergie:

Wie eine allergische Reaktion entsteht:  

  • Das Immunsystem dient normalerweise der Abwehr von Fremdstoffen wie zum Beispiel Viren oder Bakterien, die dem Körper schaden könnten. Ziel ist die Vernichtung oder Neutralisierung der eindringenden Antigene.
  • Bei einer allergischen Reaktion sind diese normalen Abwehrvorgänge gestört.
  • Das Immunsystem kann nicht mehr ausreichend zwischen unschädlichen und schädlichen Stoffen unterscheiden.
  • Eigentlich harmlose Dinge wie Gräser, Milcheiweiß oder Hausstaub lösen übersteigerte Abwehrreaktionen aus.
  •  Juckreiz, Schwellung, Rötung sind die Folge.

Die Veranlagung für allergisch bedingte Erkrankungen ist erblich. Die auslösenden Substanzen (d.h. die Allergene) können sowohl über die Atemwege als auch über die Haut und über den Verdauungsweg aufgenommen werden. 

Symptome: 

  1. starker Juckreiz,
  2. Rötung, Schwellung.
  3. Durch Infektion mit Bakterien und Hefen entstehen schuppende, eitrige, nässende Hautstellen.

Vorbeugung: Vermeidung der Allergene, soweit möglich. Verwendung von Spezialshampoos.

Ihre Tierärztin, Ihr Tierarzt kann eine Hyposensibilisierung (Erfolgsquote bis zu 80% höher als beim Menschen) oder eine symptomatische Therapie durchführen.

3. Zahnfehlstellungen:

3.1 Caninussteilstand:

Normalerweise liegen die Spitzen der Fangzähne ( Canini) in einer flachen Mulde im Zahnfleisch des Gegenkiefers. Durch Fehlstellung der Fangzähne können die Spitzen im Oberkiefer in den Gaumen, im Extremfall bis in die Nasenhöhle eindringen.

Oft ist diese Zahnfehlstellung mit einer Verkürzung des Unterkiefers verbunden.

Symptome:

  • Schmerzen,
  • die Hunde sind kopfscheu.
  • Entzündungen im Mundbereich

Behandlung: Die Fangzähne können gezogen werden (im Extremfall schon beim Milchgebiss) oder durch eine Spange (Dehnschrauben) in die richtige Position gebracht werden.

3.2 Frontaler Kreuzbiss oder Vorbiss:

Durch eine Fehlstellung der Schneidezähne, zu kurzen Oberkiefer oder zu langen Unterkiefer bedecken die Schneidezähne des Oberkiefers nicht die Schneidezähne des Unterkiefers.

Symptome: Die mechanische Fehlbelastung bei der Futteraufnahme führt zu einer Schädigung des Kiefers, vor allem des Zahnhalteapparates und Entzündungen.

Behandlung: Meist ist eine Korrektur der Zahnfehlstellung mit Zahnspangen möglich.

4. Zahnstein:

Unter Zahnstein beim Hund versteht man mineralisierte Zahnbeläge aus Speichel, Futterresten, Bakterien und Pilzen.

Zahnstein hat eine raue Oberfläche und ist sehr hart. Dadurch heften sich leicht weitere Zahnbeläge an, sodass der Zahnstein an Dicke zunimmt.

Zahnstein ist bei Hunden weit verbreitet und befällt besonders häufig die Eck-, Reiß- und Backenzähne des Oberkiefers. Er lagert sich sowohl auf der Zahnoberfläche als auch unterhalb des Zahnfleischs an.

Vor allem kleine Hunderassen mit einer kurzen Schnauze neigen dazu, schnell Zahnstein zu bilden.

  • Bei diesen Hunden findet man häufig auch Kieferfehlstellungen, zum Beispiel zu dicht stehende, schräge oder überzählige Zähne. 
  • Hierdurch ist die Selbstreinigung des Gebisses gestört, der Abrieb beim Kauen kann nicht erfolgen.
  • Ferner neigen kleine Hunderassen mit kurzem Kopf vermehrt zum Hecheln, wodurch die Schleimhaut des Mauls leichter austrocknen kann und der Speichelfluss die Zähne nicht ausreichend reinigen kann.

Symptome: Die Bakterien führen zu einer Entzündung des Zahnfleisches, Schmerzen und Unlust beim Fressen.

5. Paradontose:

Hat ein Hund sehr starke Zahnstein-Ablagerungen können diese das Zahnfleisch zurückdrängen und zu einer Zerstörung des Zahnhalte-Apparats (Parodontose) führen.

Zähne können ausfallen: Wenn sich sich Eiter am Zahnfleischrand oder in Zahnfleisch-Taschen bildet, liegen Zahnwurzeln frei und die Zähne lockern sich.

Vorbeugung: Regelmäßiges Putzen der Zähne mit speziellen Zahnpasten, die den ph-Wert des Speichels verändern und so Ablagerungen von Bakterien vorbeugen. Weiters gibt es spezielle Futterzusätze, Weitere Information dazu gibt es in ihrer Tierarztpraxis.

Behandlung: Entfernung des Zahnsteins mittels Ultraschall in der Tierarztpraxis unter Narkose.

6. Gingivitis:

Gingivitis ist eine Entzündung des Zahnfleisches, die vor allem bei kleinen Hunderassen auftritt.

Ursachen:

  • durch schlecht Zahnhygiene bilden sich Bakterienbeläge (Plaques) und Zahnstein. 
  • Fremdkörper (Steine, Holz) können eine mechanischen Schädigung des Zahnfleisches und eine Entzündung verursachen.
  • Darüber hinaus Verbrennungen, Verätzungen oder
  • ein Engstand der Zähne.

Symptome: das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen, blutet sowie starker Mundgeruch.

ACHTUNG: Besteht die Zahnfleischentzündung länger, kann es zur Entzündung des Zahnhalte-Apparats (Parodontitis) und schließlich zu Zahnfleisch-Schwund (Parodontose) und Zahnausfall kommen.

Auch eine Schädigung der inneren Organe wie Herz und Nieren durch eingeschwemmte Bakterien aus dem Mund ist möglich.

Vorbeugung: regelmäßiges Zähneputzen, spezielle Kauartikel

Entfernung der Beläge und des Zahnsteins in der Tierarztpraxis.

7. Stomatitis:

Die Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) beim Hund kann verschiedene Ursachen haben:

  • erkrankte Zähne,
  • Zahnstein,
  • Fremdkörper in der Mundhöhle,
  • schwaches Immunsystem,
  • Infektionen,
  • Erkrankungen der Niere,
  • Allergien, V
  • erätzungen,
  • Verbrennungen,
  • Tumore

Symptome: Mundschleimhaut gerötet und geschwollen, Schmerzen, der Hund frisst weniger, die Mundschleimhaut ist verletzt, speicheln

Die Ursache sollte unbedingt von Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt abgeklärt werden.

8. Fremdkörper:

Fischgräten, Knochen oder Holzsplitter können sich zwischen den Zähnen verkeilen.

Symptome: Schluckbeschwerden, Erbrechen, Würgen, Kratzen mit der Pfote am Maul,
Speicheln evtl. blutig, Zungenschwellung

ACHTUNG: sofort zur Tierärztin, zum Tierarzt gehen!

9. Speicheldrüsenzyste:

Wird auch als Froschgeschwür oder Unterzungenzyste bezeichnet.

Ursache: Die Speichelgänge sind durch eingedickten Speichel verstopft, es entsteht eine Blase oder ein Abszess.

Symptome: 

  • lokale Schmerzen,
  • Kauprobleme,
  • unter der Zunge blasige Schwellung (Froschgeschwür),
  • Futterverweigerung,
  • die Zunge wird seitlich abgedrängt,
  • eventuelle auch Atemnot

ACHTUNG: Behandlung durch die Tierärztin, den Tierarzt erforderlich.

Eine Speicheldrüsenzyste kann auch im unteren Halsbereich auftreten. Es entsteht eine schmerzhafte, weiche Schwellung am Hals.

Unbedingt von der Tierärztin, vom  Tierarzt abklären lassen: es könnte sich auch um eine Vergrößerung der Lymphknoten in diesem Bereich handeln.

10. Glossitis:

Die Zungenentzündung beim Hund kann verschiedene Ursachen haben. Häufig wird sie durch Fremdkörper verursacht, aber auch Bissverletzungen, scharfkantige Zähne, Erkrankungen der Nieren, Tumore, Verätzungen und Verbrennungen können die Ursache sein.

Symptome: 

  • starke Schluckbeschwerden,
  • Schmerzen, 
  • speichelen,
  • geschwollene Zunge,
  • Futterverweigerung,
  • eventuell Erstickungsanfälle und Würgen.

Die Ursache sollte unbedingt von ihrer Tierärztin oder ihrem Tierarzt abgeklärt werden. 

11. Granulom Syndrom:

Geschwüre, die vor allem an der Oberlippe und im Bereich des Mundes auftreten.

Die Geschwüre haben leicht erhabene Ränder, bluten nicht und sind meist schmerzfrei. Bei längerem Bestehen ohne Behandlung können sich aus den Geschwüren bösartige Karzinome entwickeln.

Ursachen: Allergien, Flöhe, genetische Veranlagung

TIPP: Granulome können auch an anderen Hautstellen an Bauch, Oberschenkel oder zwischen den Zehen auftreten.