Trend zur "natürlichen" Ernährung: wieviel Wolf steckt noch im Hund?

Sollen Hunde wie Wölfe ernährt werden oder ist das ein Irrweg?
(c) Photo: Lutz Prager auf Pixabay
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Hundefutter, BARF, Verdauung, Domestizierung - news 18/01/21

  • Der Hund ist wie der Wolf  ein Fleischfresser
  • Die Verdauung des Hundes hat sich durch das Zusammenleben mit dem Menschen verändert.
  • Hunde können in Maßen auch bestimmte Kohlenhydrate verdauen.
  • Hunde besitzen 30 Gene, die zur Aufspaltung von Stärke im Verdauungstrakt notwendig sind.

Bei der Ernährung des Hundes geht der Trend immer mehr in die Richtung einer natürlichen Ernährung. Das Hundefutter soll der Ernährung des Wolfes so weit wie möglich ähneln. Aber ist der Hund überhaupt noch ein Wolf? Oder hat sich seine Ernährung durch die Domestikation an den Menschen angepasst?

1. Wie sich Wölfe ernähren:

Der Wolf ist ein Beutegreifer. Er legt in der freien Natur täglich bis zu 50 Kilometer zurück, um seine Beute aufzuspüren. Hat der die Beute mit seinem kräftigen Kiefer, das weit geöffnet werden kann, erlegt, beginnt er diese mit den spitzen Schneidezähnen und Backenzähnen zu zerteilen:

  1. Dabei frisst der Wolf fast alle Beuteteile: Muskeln, Innereien, Darm- und Magenwände.
  2. Der Darminhalt wird liegengelassen. Er enthält hauptsächlich Ballaststoffe, die von dem Wolf nicht verwertet werden können und auch keine Energie liefern. Wölfe verfügen nur über zwei Gene, die die Verdauung von Stärke und Pflanzenfasern ermöglichen. 
  3. Der Magen des Wolfs ist sehr dehnbar. Er ist darauf ausgelegt, große Futtermengen auf einmal aufzunehmen und zu verdauen.
  4. Meistens frisst das Raubtier nur zwei bis dreimal in der Woche.
  5. Steht keine frische Beute zur Verfügung, begnügt sich der Jäger auch mit Aas.

2. Was unsere Hunde mit ihren Ahnen verbindet: 

Der Kiefer des Hundes entspricht dem des Wolfes. Auch der Hund kann seinen Mund weit öffnen und die Beute am Hals fassen. Das Gebiss ist ebenfalls identisch. Der Magen ist dehnbar, jedoch an die tägliche Fütterung angepasst. Ebenso wie beim Wolf bildet der Magen des Hundes erst dann Magensäure, wenn Futter zur Verfügung steht. Je größer die Fleischbrocken im Futter sind, umso länger muss das Futter im Magen bleiben. Theoretisch wäre es mit langsamer Gewöhnung möglich, einen Hund nur zweimal bis dreimal in der Woche zu füttern. ABER: Ist das alles aber schon ein Grund einen Hund wie einen Wolf zu ernähren? Auf keinen Fall.

3. Was unsere Hunde von Wölfen unterscheidet:

Hunde haben im Lauf der Jahrtausende, die sie mit den Menschen zusammenleben, einige Veränderungen entwickelt:

  1. Schädel und Gebiss sind kleiner als beim Wolf 
  2. Hunde sind in der Lage, Stärke und Kohlenhydrate zu verdauen: 30 Gene sind für den Abbau von Stärke vorhanden
  3. Bei der Fütterung werden große Mengen an Enzymen produziert, die die Verdauung von Stärke ermöglichen
  4. Hunde können über den Darm mehr Glukose aufnehmen als Wölfe und so Energie aus Stärke gewinnen.
  5. Hunde können aufgeschlossene Kohlenhydrate im Futter gut verwerten.

Ein Wolf, der mit 50 % Fleisch und 50 % Kohlenhydrate ernährt wird, könnte auf Dauer nicht genügend Energie für die Jagd aufbringen. Er stirbt. Bei Hunden ist diese Form der Ernährung problemlos möglich.

4. Wodurch sich der Wolf vom Hund unterscheidet:

  1. Wölfe leben bei jedem Wetter im Freien. Hunde genießen die Wärme der Wohnung.
  2. Wölfe sind Fluchttiere. Hunde haben sich an die Nähe des Menschen gewöhnt.
  3. Wölfe sind ständig zur Verteidigung bereit. Hunde sind durch das Zusammenleben mit dem Menschen nicht mehr so gestresst.
  4. Wölfe wandern täglich bis zu 50 Kilometer. Hunde legen meistens nur zwei bis acht Kilometer zurück
  5. Wölfe fressen in kurzer Zeit große Mengen an Fleisch. Hunde sind an eine regelmäßige tägliche Fütterung gewöhnt.
  6. Wölfe verdauen das Futter über einen langen Zeitraum. Sie gehen erst wieder auf die Jagd, wenn ihr Körper vollständig entschlackt ist. Hunde können den ganzen Tag über fressen.
  7. Der Lebenszweck ist unterschiedlich. Das Leben des Wolfes ist auf die Fortpflanzung, aber nicht auf das Erreichen eines maximalen Lebensalters ausgelegt. Hunde sollen möglichst alt werden. Die Fortpflanzung wird meistens unterbunden.
  8. Wölfe haben einen höheren Bedarf an Energie. Sie können ihre Beute bis zu 100 Kilometer weit hetzen. Hunde benötigen Futter mit weniger Energie, damit sie kein Übergewicht entwickeln.

Hunde stammen von den Wölfen ab, sie sind aber nicht mehr mit den Raubtieren identisch. Ihr Stoffwechsel hat sich im Lauf der Jahre an die Ernährung des Menschen angepasst. Trotzdem sollten Hunde ein hochwertiges und gesundes Hundefutter erhalten, damit sie lange und gesund leben. 

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