Das weisse Pulver ist hoch giftig und in Flüssigkeiten löslich.
(c) Photo: ThePixelman auf Pixabay

Teilen, verschicken oder drucken Sie diesen Artikel

Gift aus dem Baumarkt: Alpha-Chloralose tödlich für Hunde, Katzen, Keintiere und Vögel

Gift, neuer Wirkstoff, Baumarkt, Bekämpfung von Mäusen - News 27/03/21

  • Neues Gift aus dem Baumarkt, das zur Bekämpfung von Mäusen eingesetzt wird.
  • Die weißen Kristalle sehen aus wie Milchpulver und lassen sich in Wasser und Alkohol auflösen. 
  • Der Tod tritt durch Unterkühlung und Organversagen ein.
  • Es gibt kein Gegengift. Die Behandlung erfolgt symptomatisch.
  • Nur eine schnelle Behandlung kann das Leben retten

Jedes Jahr verursacht die Bekämpfung von Mäusen auch Todesfälle bei Hunden, Katzen, Kleintieren und Vögeln. Neben den bisher bekannten Giften Strychnin und Cumarin- Derivaten werden in letzter Zeit immer wieder Vergiftungen mit einem neuen Wirkstoff, Alpha-Chloralose, beobachtet.

1. Zum hoch giftigen Wirkstoff Alpha-Chloralose:

Alpha-Chloralose ist eine Mischung aus Glukose (Zucker) und Chloralhydrat, einem starken Betäubungsmittel. Die weißen Kristalle sehen aus wie Milchpulver und lassen sich gut in Wasser und Alkohol auflösen. Im Körper der Tiere wird der Wirkstoff zu Trichlorethanol und Trichloressigsäure umgebaut und als Urochloralsäure mit dem Harn wieder ausgeschieden. 50 Prozent des Wirkstoffs werden bereits innerhalb von 24 Stunden ausgeschieden, der Rest nur wenige Tage später. Da nur ein sehr geringer Teil der Alpha-Chloralose direkt mit dem Harn in unveränderter Form ausgeschieden wird, ist ein direkter Nachweis des Wirkstoffs im Urin kaum möglich.

2. Symptome einer Vergifung mit Alpha-Chloralose:

  • Spinale Reflexe werden stimuliert
  • Geräusche und Berührungen lösen Krämpfe aus
  • Betäubende Wirkung: das zentrale Nervensystem wird gelähmt
  • Die Schleimhäute der Bronchien bilden verstärkt Schleim
  • Die Atmung ist erschwert
  • Die Körpertemperatur sinkt auf bis zu 30 ° Celsius ab
  • Der Stoffwechsel ist verlangsamt
  • Die Schleimhäute sind bläulich verfärbt
  • Speicheln

Die ersten Symptome können schon 30 Minuten nach der Aufnahme auftreten. Wird nur eine geringe Giftmenge aufgenommen, sind die ersten Symptome erst nach bis zu vier Stunden sichtbar. Die Tiere fallen in ein Koma, das bis zu 48 Stunden andauern kann.

3. Diagnose

  1. Harnuntersuchung
  2. Gaschromatographie: Untersuchung von Mageninhalt und Serum

4. Therapie

  1. Wärme zur Anhebung der Körpertemperatur
  2. Stabilisierung von Atmung und Kreislauf
  3. Linderung der Krämpfe

Ist die Aufnahme vor kurzer Zeit erfolgt und das Tier bei Bewusstsein:

  • Aktivkohle
  • Magenspülung
  • Glaubersalz
  • Harntreibende Medikamente
  • Lagerung des Tieres in einer ruhigen Umgebung, um Krämpfe zu verhindern

Es gibt kein Gegengift. Die Behandlung erfolgt symptomatisch.

5. Wo und wie Alpha-Chloralose eingesetzt wird: 

  • Das Gift wird in Form von Fraßködern in Stallungen und auf Feldern ausgelegt.
  • Es ist verboten, die Giftköder mit Alpha-Chloralose im Freien auszulegen. Dieser Hinweis wird aber von den meisten Anwendern missachtet.
  • Durch den süßen Zuckergeschmack nehmen die Ratten und Mäuse den Köder gerne an.
  • Damit nicht Kinder das Gift irrtümlich aufnehmen, sind Bitterstoffe enthalten.

6. Hunde, Katzen und Vögel vergiften sich durch:

  • Fressen vergifteter Nager
  • Schnüffeln am Giftköder
  • Direkte Aufnahme des Köders

7. Die tödliche Dosis:

Katze: 100 mg pro kg Körpergewicht. Das entspricht 1 Maus oder 10 g Köder (1 Teelöffel)
Hund: 600 – 1000 mg pro kg Körpergewicht. Das entspricht 136 g Köder

8. Erste Hilfe: was Sie tun können:

  1. Bei einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose handelt es sich immer um einen lebensbedrohlichen Notfall.
  2. Besteht der Verdacht, dass Ihr Hund oder Ihre Katze das Gift aufgenommen hat, suchen Sie bitte immer sofort eine Tierärztin, einen Tierarzt auf.
  3. Nur eine schnelle Behandlung kann eventuell das Leben Ihres Tieres retten.

9. Wissen zu Giftködern:

  1. Giftköder sollten immer nur in entsprechenden Köderboxen ausgelegt werden, damit der Köder nicht direkt aufgenommen werden kann.
  2. Die Auslegung von Giftködern im Freien ist nicht erlaubt. Was aber leider oft missachtet wird!