Schönheit muss leiden: das Satin-Meerschweinchen mit weichen Knochen [11|21]

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(c) Photo: Pezibaer auf Pixabay

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Krankheit, Zucht, Gendefekt, Satin-Syndrom, glänzendes Haar, Osteodystrophie, Gewichtsverlust, Knochenschäden – News [25|11|21]

  • Satin-Meerschweinchen sind wegen ihres besonders glänzenden Fells sehr beliebt
  • Ursache der Veränderung ihrer Haarstruktur ist ein Gendefekt. 
  • Etwa 33% der Satin-Meerschweinchen erkranken an Osteodystrophie
  • Oft sind junge Tiere im Alter von ein bis zwei Jahren betroffen.
  • Erste Symptome sind Gewichtsverlust und Bewegungsstörungen.
  • Die Tiere haben Schmerzen [#MehrwissenaufPetdoctors: wie Meerschweinchen Schmerzen zeigen]

Das Satin-Meerschweinchen ist keine eigenständige Rasse, sondern bezeichnet lediglich eine Genvariation. Meerschweinchen mit dem "Satin Gen" haben ein auffallend glänzendes Fell. Dieses Schönheitsmerkmal hat aber einen Pferdefuß. Ein Drittel der Tiere erkranken in den ersten Lebensjahren an Osteodystrophie, einer Stoffwechselstörung des Knochengewebes.

1. Meerschweinchen mit dem "Satin Gen":

  • Der Gendefekt kann in bei allen Rassen und Fellfarben auftreten
  • Das Satin-Gen wird rezessiv vererbt.
  • Bereits beide Elternteile tragen das Gen in sich
  • Die betroffenen Tiere weisen ein überdurchschnittlich glänzendes Fell auf
  • Der Effekt entsteht, weil die innerste Haarschaft-Schicht wesentlich dünner als bei anderen Meerschweinchen ist.
  • Das auf das Fell auftreffende Licht wird anders reflektiert als von gesunden Haaren. Der besondere Glanz entsteht.
  • Erstmals wurde der Gendefekt 1977 in den USA bei Kurzhaar-Meerschweinchen beschrieben

Auch bei andern Tieren wie Hamster, Maus oder Kaninchen kann der Gendefekt  und damit der "Satin-Look" auftereten.

2. Das Satin-Syndrom [Osteodystrophia fibrosa generalisata]

Unter dem Satin-Syndrom versteht man in aller Regel die Osteodystrophia fibrosa generalisata, eine Erkrankung des Knochengewebes.

  • Da etwa ein Drittel der Satin-Meerschweinchen an Osteodystrophie erkrankt, wird die Krankheit oft mit ihnen in Verbindung gebracht.
  • Es können jedoch auch Meerschweinchen ohne Satin-Gen daran erkranken.
  • Der Zusammenhang zwischen Gen und Krankheit ist noch nicht gänzlich erforscht und weitere Studien laufen noch
  • Man vermutet einen stark verkleinerten Genpool und gehäufte Inzucht am Beginn der Züchtung als Ursache

3. Krankheitsbild & Symptome der Osteodystrophie:

Die Knochen können nicht ausreichend Kalzium einspeichern, wodurch das Osteoid (die Knochengrundsubstanz) abgebaut wird.
Die Knochen werden instabil, sie werden weich. Die betroffenen Tiere haben Schmerzen:

  • Meist treten Fressprobleme auf. Ausgelöst werden diese durch die verminderte Kieferknochenstabilität. 
  • Das Meerschweinchen verliert Gewicht. 
  • Die Tiere bevorzugen gehäuft Weichfutter.
  • Erkrankte Meerschweinchen können Störungen des Bewegungsapparates zeigen, beispielsweise durch hoppelnden Gang
  • Kranke Tiere versuchen ihre Gliedmaßen zu entlasten und nehmen Schonstellungen ein
  • Neben Knocheninstabilität können auch Zahnabnormitäten auftreten [MehrWissenaufPetdoctors: Zahnbrücke bei Meerschweinchen]

In der Regel sind besonders junge Tiere im Alter von ein bis zwei Jahren betroffen. Der Abbau der Knochenstabilität ist schmerzhaft!

4. Diagnose und Behandlung:

  1. Eindeutige Diagnose durch Röntgenaufnahmen, welche eine Entmineralisierung des Knochengewebes zeigen
  2. Linderung der Beschwerden durch Schmerzmedikamente und regelmäßige Zahnsanierungen [#MehrWissenaufPetdoctors: Schmerztherapie für Meerschweinchen]
  3. Die Gabe von Kalzium hat keinen Einfluss auf die Krankheit

Die Osteodystrophie an sich ist nicht heilbar und Besitzer*innen von Tieren mit fortgeschrittener Krankheit wird die Einschläferung nahegelegt, da die Tiere unter starken Schmerzen leiden.

5. Fazit:

Die Krankheit entwickelt sich schleichend. Besitzer*innen von Meerschweinchen mit besonders glänzendem Fell sollten ihr Meerschweinchen besonder gut beobachten. So kann die Erkrankung frühestmöglich erkannt werden.