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Das 1. Mal Meerschweinchen

Grundlegendes für alle Meerschweinchen Neulinge

 

Meerschweinchen gelten leider noch immer als Heimtiere, die keine großen Ansprüche stellen. Dabei ist die tiergerechte Haltung dieser possierlichen Nagetiere durchaus mit einem gewissen Aufwand verbunden.

Meerschweinchen sind soziale Tiere

Meerschweinchen sind Gruppentiere. Alleine gehalten vegetieren sie vor sich hin, denn der Mensch kann einen Artgenossen niemals ersetzen. Wer nur Platz für zwei Tiere hat, ist mit einem kastrierten (!) Männchen, auch Bock genannt, und einem Weibchen am besten beraten. Ein Pärchen lebt meist sehr harmonisch zusammen.

Noch wohler fühlen sich viele Meerschweinchen in größeren Gruppen, wobei eine Haremsgruppe mit vier Tieren als ziemlich ideal gilt. Auch hier ist die Kastration des Bocks die Grundvoraussetzung, weil sonst ein Kindersegen ohne Ende ins Haus steht.

Mehrere Böcke mit Weibchen sind dagegen in den allermeisten Fällen ein Garant für Streit innerhalb der Gruppe. Nur Frühkastraten, also Böcke, die vor Eintritt der Geschlechtsreife kastriert wurden, können eine Ausnahme darstellen. Frühkastraten eignen sich meist auch für die reine Bockhaltung, sind aber dafür als Haremswächter oft überfordert.

Kaninchen und Meerschweinchen sind keinesfalls das Dreamteam, für das sie früher einmal gehalten wurden. Beide Tierarten haben unterschiedliche Ansprüche und sprechen unterschiedlichen Sprachen. Sollen Meerschweinchen und Kaninchen gehalten werden, braucht man daher mindestens zwei Tiere jeder Art.

Meerschweinchen brauchen Platz

Während ältere Meerschweinchen im Allgemeinen von der gemütlichen Sorte sind, brauchen junge Tiere viel Platz, um sich zu bewegen, im „Meerschweinchen-Galopp“ durch die Gegend zu jagen, Haken zu schlagen und sich einfach auszutoben. Außerdem ist es immer gut, wenn man den Partnertieren auch einmal aus dem Weg gehen kann, wenn der Haussegen etwas schief hängt.

Daher ist eine wichtige Voraussetzung, bevor man sich entscheidet Meereschweinchen in die Wohnung oder ins Haus zu nehmen Platz!

Besonders geeignet sind Bodengehege mit ausreichend großer Grundfläche, die viele Versteckmöglichkeiten bieten. Baut man in die Höhe, muss man beachten, dass Rampen keinesfalls zu steil sein dürfen und auch jede Ebene eine möglichst große Grundfläche bieten muss.

Zusätzlich zum Platz im Gehege ist täglicher Freilauf im meerschweinchengerechten Zimmer ein wichtiger Bestandteil der tiergerechten Haltung – auch wenn Meerschweinchen nicht stubenrein werden und gerne nagen.

Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser

Meerschweinchen haben lebenslang nachwachsende Zähne, die sie nur durch ausreichendes Fressen von strukturiertem Futter abnutzen können. Neben aromatischem Heu, das 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen muss, setzt sich die Meerschweinchennahrung aus frischem Grün von der Wiese (Löwenzahn, Gräsern, Spitzwegerich und anderen schmackhaften Wildkräutern) und Gemüse und Kräutern zusammen. Geeignet sind zum Beispiel Gurken, verschiedene Salatsorten, Petersilie, Stangensellerie oder grüne Paprika (ohne Stängel). Obst sollte immer nur als Leckerbissen gereicht werden. Nicht auf den Speisezettel gehört Kraftfutter jeder Art. Das frische Futter sollte auf mindestens 3 Portionen pro Tag aufgeteilt werden.

Meerschweinchenhaltung bedeutet daher, dass man nicht einfach so übers Wochenende wegfahren kann, ohne eine Betreuung seiner Tiere zu organisieren.

Meerschweinchen sind ängstliche Fluchttiere

Meerschweinchen zählen zu den ängstlichsten Tieren, die von Menschen gehalten werden, auch wenn sie schon seit sehr langer Zeit domestiziert sind. Daher brauchen sie im Gehege ausreichend viele Versteckmöglichkeiten. Bei ihrer Haltung ist immer darauf zu achten, dass sie nicht mutwillig in Angst und Schrecken versetzt werden. Es sollte auch immer auf ihr feines Gehör und ihren empfindlichen Geruchssinn Acht genommen werden.

Zum Glück sind Meerschweinchen aber recht anpassungsfähig. Eine gewisse Tagesroutine gibt ihnen Sicherheit.

Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere

Was Meerschweinchen gar nicht mögen – auch wenn sie noch so niedlich wirken – ist Kuscheln, Streicheln oder Herumtragen. Als Fluchttier ist es ihnen ein Gräuel, wenn sie den Bodenkontakt unter ihren Pfoten verlieren. Und da erwachsenen Meerschweinchen auch nicht mit Ihresgleichen kuscheln, sind zudringliche menschliche Hände erst recht ein Problem.

Auch wenn es wichtig ist, Meerschweinchen gut daran zu gewöhnen, dass sie sich anfassen lassen, damit eine möglicherweise notwendige tierärztliche Behandlung nicht zur Katastrophe ausartet, muss man sich bewusst sein, dass Meerschweinchen in erster Linie Tiere zum Beobachten sind.

 

Zur Autorin Dr. Marion Reich
Dr. Reich ist Initiatorin der Seite meerschweinchenberatung.at. Diese Plattform hat zum Ziel, Informationen zu Meerschweinchen, ihrer Haltung, ihrem Verhalten, Aspekte der Zucht und des Einsatzes von Meerschweinchen in tiergestützter Pädagogik und Therapie und anderen Themen rund ums Meerschweinchen zur Verfügung zu stellen.