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Meerschweinchen brauchen kein Kraftfutter

Wie viel Naschen darf sein? Zuviel Kraftfutter schädigt die Darmflora und führt zu Blähungen und Durchfall.

Wenn man sich im Tierfachhandel umschaut, konnte man zwar in den letzten Jahren einige positive Veränderungen in Bezug auf Meerschweinchen beobachten (abhängig vom Geschäft natürlich), aber leider wird beim Futter noch immer einiges angeboten, das für Meerschweinchen nicht geeignet ist oder sogar gesundheitsschädlich sein kann.
 

Reine Pflanzenfresser

Im Gegensatz zu Mäusen, Hamstern und Ratten gehören Meerschweinchen nicht zu den sogenannten Granivoren oder Samenfressern, sondern zu den Folivoren oder Blattfressern. Außerdem sind Meerschweinchen reine Pflanzenfresserund benötigen daher – anders als z. B. Hamster – kein tierisches Eiweiß, ganz im Gegenteil.
Hausmeerschweinchen brauchen – wie ihre wilde Stammform – eine sehr ballaststoffreiche und nährstoffarme Nahrung. Daher besteht das Futter für Meerschweinchen aus frischem Grünfutter, Gemüse und dem stets verfügbaren Heu. Bekommen sie Futter mit einer zu hohen Energiedichte (z. B. zu viel Kraftfutter), hat das negative Auswirkungen auf ihr Verdauungssystem.
 

Laufende Futteraufnahme ist lebenswichtig.

Meerschweinchen haben wie Kaninchen eine sehr schwach ausgeprägte Magen-Darm-Peristaltik. Der Verdauungsbrei wird daher in erster Linie durch „Nachschub von oben durch den Verdauungstrakt bewegt“. Eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Verdauungsprozesse ordnungsgemäß funktionieren, ist, dass Meerschweinchen ein großes Futtervolumenaufnehmen. Durch hochwertiges Heu, das 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen muss, ist gewährleistet, dass die kleinen Nager laufend über den Tag (und die Nacht) verteilt kleine Nahrungsportionen zu sich nehmen. Auch das frische Futter sollte in mehreren Portionen im Laufe des Tages angeboten werden. So bleibt die Verdauung optimal in Schuss. Fressen Meerschweinchen zu viel energiereiches Futter, sind sie zu schnell satt und nehmen daher ein zu kleines Futtervolumen zu sich. Der Transport des Nahrungsbreis durch den Verdauungsapparat wird dadurch verlangsamt, was zu schwerwiegenden Verdauungsstörungen führen kann. Außerdem verändert Futter mit einem hohen Stärkegehalt den pH-Wert im Darm-Trakt. So kann die physiologische Darmflora geschädigtwerden und schädliche Bakterien oder Pilze können überhand nehmen. Die Folge sind Blähungen, Durchfall und ein wirklich krankes Meerschweinchen, das unter Umständen die Nahrungsaufnahme verweigert – was die Situation noch weiter verschlimmert.
 

Zahnprobleme vorprogrammiert

Frisst ein Meerschweinchen zu wenig Heu und Saftfutter, aber zu viel Kraftfutter, kann sich in weiterer Folge auch noch ein Problem mit den Zähnen entwickeln. Denn alle Zähne eines Meerschweinchens (Schneidezähne und Backenzähne) wachsen ein Leben lang nach. Fehlt geeignetes Material, um die Zähne richtig abzunutzen, sind Zahnzacken und Brückenbildungen der Backenzähne eine schmerzhafte Folge, die zum Tod des Meerschweinchens führen können, wenn das Tier nicht rechtzeitig von einem Tierarzt mit Meerschweinchenerfahrung behandelt wird. Neben angeborenen und altersbedingt auftretenden Fehlstellung der Backenzähne sind Fütterungsfehler die häufigste Ursache für Zahnprobleme bei Meerschweinchen.
 

Die Sache mit dem getreidefreien Futter

Neben Körnermischfutter oder Pellets auf Getreidebasis gibt es getreidefreies Kraftfutter. Getreidefreies Futter hat häufig Luzerneals Grundbestandteil. Luzerne (auch Alfalfa oder Grünmehl genannt) ist eine wichtige Futterpflanze mit hohem Eiweißgehalt. Leider ist auch Luzerne sehr calciumhältig und kann bei Meerschweinchen mit entsprechender Veranlagung schnell zu Harngrieß und Harnsteinen führen. Daher sollte auch getreidefreies Kraftfutter immer nur sparsam verfüttert werden.
 

Darf man Meerschweinchen also gar kein Kraftfutter geben?

Meerschweinchen in Innenhaltung brauchen kein Kraftfutter, um gesund zu bleiben. In ganz kleinen Mengen dürfen sie aber ein bisschen naschen. Dabei ist aber weniger unbedingt mehr und die tägliche Dosis sollte einen Esslöffel pro Tier nicht überschreiten, egal um welche Form von Kraftfutter es sich handelt. Besser ist es, man füttert Kraftfutter nur als Leckerlis direkt aus der Hand und stärkt auf diese Weise gleich die Vertrauensbeziehung zwischen Mensch und Meerschweinchen.

Nur Honig- oder Jogurtdrops und anderes gesüßtes Zeugs haben im Meerschweinchen-Magen wirklich nichts verloren!

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Zur Autorin Dr. Marion Reich

Dr. Reich ist Initiatorin der Seite meerschweinchenberatung.at. Diese Plattform hat zum Ziel, Informationen zu Meerschweinchen, ihrer Haltung, ihrem Verhalten, Aspekte der Zucht und des Einsatzes von Meerschweinchen in tiergestützter Pädagogik und Therapie und anderen Themen rund ums Meerschweinchen zur Verfügung zu stellen.