Die Bedeutung von Gerüchen in der Katzensprache: von den Pheromonen bis zu Harn und Kot.
(c) Photo: Katzensprache Ilona Ilyés auf Pixabay

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Teil 3 Katzenkommunikation: Düfte und Gerüche, unsichtbaren Zeichen der Katzensprache

Verhalten, Katzensprache, Mag.a Ingrid Harant - News 23/03/21

  • Verhaltensexpertin und Tierärztin Mag.a Ingrid Harant über Katzenkommunikation.
  • Katzen hinterlassen Duftmarkierungen, wenn sie an Gegenständen, Artgenossen oder Menschen entlang streifen. 
  • Das Verteilen von Pheromonen erfolgt auch mit den Pfotenballen.
  • Dies strukturiert auch das Territorium de Samtpfote, egal ob im Freien oder in der Wohnung.

1. Pheromonmarkierung: Freund oder Feind erkennen und tracken

Sie streifen mit der Wange oder Körperflanke an Gegenständen, Möbeln, Artgenossen oder Menschenbeinen entlang oder hinterlassen Duftmarkierungen mit den Pfotenballen. Auf diese Art und Weise tauschen Katzen Pheromone - also Botenstoffe - aus, damit sie Gruppenmitglieder, Freund, Feind oder Fremdling erkennen und „tracken“ können. Zudem wird zwischen Katzen durch gegenseitiges „Allomarkieren“, dem sich aneinander Reiben und der gegenseitigen Fellpflege, ein vertrauensschaffender Gruppengeruch erzeugt.

2. Pheromonmarkierung: Ordnung im eigenen Territorium schaffen

Das Verteilen von Pheromonen im Lebensbereich bezweckt aber noch mehr:

  • Es strukturiert das Territorium des Tiers - egal ob im Freien oder in der Wohnung - und schafft damit Vertrautheit, was vor allem für ängstliche Katzen ganz wichtig ist. 
  • Katzen markieren daher selbst dann mit ihrem, für Menschen nicht riechbaren Eigenduft „ihre“ Wohnung, wenn sie darin Alleinherrscher sind, sie diese also mit keinem anderen Tier teilen.
  • In diesem Fall geht es nicht um die Abschreckung von Artgenossen, sondern darum, für sich selbst ein Wohlfühlambiente zu schaffen.
  • Wie oft und intensiv sich Katzen an Einrichtungsgegenständen oder Ecken reiben ist also von Katze zu Katze unterschiedlich, abhängig von ihrem Charakter und ihrer Psyche.

Daher können, noch bevor der Stubentiger gesichtet wird, die Abnutzungen an den Türstöcken einer Wohnung schon einiges über den felinen Bewohner erzählen.

3. Kotmarkierung: Verteidigung des eigenen Reichs

Recht krasse Botschaften werden den Artgenossen durch Harn- und Kotmarkieren gesendet. Besonders Kotmarkierungen an gut sichtbaren und riechbaren Stellen sind eine Spezialität von Katzen mit starkem Territorialverhalten, die so ihr Hoheitsgebiet unmissverständlich abgrenzen:

  • Diese Signale werden daher nicht im Wohlfühl- und Entspannungsbereich gesetzt, sondern an den Außengrenzen des heimatlichen Reviers.
  • Nur wenn sich eine Katze stärker bedroht fühlt, hinterlässt sie auch im Kernbereich diese starken Duftmarkierungen.
  • Dieses Kotmarkieren tritt allerdings erst mit Erlangung der sozialen Reife auf, also ab einem Alter von zwei bis vier Jahren.
  • In abgeschwächter Form machen ähnliches auch viele Wohnungskatzen, wenn sie ihre festen Hinterlassenschaften im Katzenkistl nicht vergraben. Allerdings kann das auch mit Erkrankungen assoziiert sein, etwa mit Durchfall oder Gelenkproblemen.

4. Harnmarkierung: Katzen-Social Media

Ähnlich wie das Kotmarkieren ist auch das Harnmarkieren gewissermaßen Normalverhalten.

  • Es steckt das Territorium ab, macht es für andere Katzen „sichtbar“ oder besser gesagt „riechbar“.
  • Primär dient Harnmarkieren daher der sozialen Kommunikation, bei unsicheren Tieren oft auch der Selbstberuhigung.
  • Und nicht zuletzt demonstrieren Kater durch Harnmarkieren ihren sexuellen Status und ihre Potenz, während Kätzinnen so ihrem Galan während der Rolligkeit unzweideutig ihre Paarungsbereitschaft signalisieren, nach dem Motto „Hallo Märchenprinz, ich warte schon auf dich!“.

Für Katzen sind Markierungen also wie Tinder und Facebook zugleich. Die markierten Stellen werden ausführlich „gelesen“ und gedeutet, also intensiv mit der Nase inspiziert, oft sieht man die Tiere dann auch flehmen - die Katze beschnüffelt dabei die Stelle mit leicht geöffnetem Maul, steckt oft sogar die Zungenspitze heraus und hat einen ganz typischen, weggetretenen Gesichtsausdruck - ein Zeichen, dass das Jacobsonsche Organ aktiv ist, ein Geruchsorgan hinter den Schneidezähnen im Oberkiefer, das direkt mit dem Riechhirn verbunden ist.

Da Harnmarkieren ein Teil der Katzennatur ist, behalten es auch kastrierte Tiere manchmal bei. Und je später die Tiere kastriert werden, desto eher wird das Harnmarkieren lebenslange Gewohnheit - mit ein Grund, warum eine Kastration von Kater wie Kätzin zum ehest möglichen Zeitpunkt stattfinden sollte.  Zudem lässt der, für menschliche Nasen unangenehme, beißende Harngeruch von Katern nach der Kastration deutlich nach.

5. Kratzmarkierung: Ritsch-Ratsch

Zum Abgrenzen des eigenen Areals dienen außer Ausscheidungsprodukten auch Kratzmarkierungen.

  • Dabei werden durch die Pfotenballen für Menschen nicht wahrnehmbare olfaktorische Botschaften hinterlassen und zugleich optische Zeichen gesetzt.
  • Aus Katzensicht heißt das: „Weil ich groß und stark bin, kann ich mich hoch hinauf strecken und das Holz oder den Stoff mit voller Kraft zerkratzen oder zerreißen.“ 
  • Das klingt nicht nur nach Imponiergehabe, sondern ist auch eines - deswegen werden der Kratzbaum - oder das Sofa - gerne demonstrativ in Gegenwart der KatzenhalterInnen malträtiert. 

Allerdings hat das lustvolle Kratzen an Gegenständen auch noch andere Gründe. Es pflegt die Krallen und ist in Kombination mit ausführlichem Strecken oft ein Energieabbau. Daher reagieren sich viele Katzen, wenn sie sich unrund fühlen, am Kratzbaum ab.

6. Folgenreiche Zeichen: vieldeutig und sehr komplex

Diese Kommunikationszeichen sind also und durchaus vieldeutig und komplex. Wie auch etwa auch die Nachrichten, die Freigänger-Katzen ihren Artgenossen bei Revier-Patrouillen hinterlassen.

So kann an einem Baum, Zaun „geschrieben“ stehen: „Petzi war um 8.15h hier“. Petzi ist mit Fritzi vom Nachbarhaus verfeindet, daher kommt Fritzi immer erst um 11h vorbei, wenn Petzi schon selig hinter dem Kamin schlummert.

Heute war Petzi aber verhindert, daher hatte er erst um 10.30h Zeit, gemächlich durch die Wiese zu schlendern. Zu diesem Zeitpunkt ist aber Fritzi schon bereit für seinen täglichen 11h-Spaziergang, er sieht den Verspäteten und kommt näher.

Jetzt folgt möglicherweise das ganze Spektrum an Drohgebärden und Eskalation: Fellsträuben, Buckel, Fauchen, Spucken, Kreischen und, wenn keiner einen Rückzieher macht, Attacke. Dabei versuchen beide Kater, einander mit den Vorderpfoten zu umklammern und zu beißen. Wenn ein Gegner kapituliert, sich in Abwehrstellung auf den Rücken legt und den Blick abwendet, ist dem Kontrahenten klar, dass er der Sieger ist und gibt dem Besiegten die Möglichkeit, davonzulaufen, meist ohne ihn noch weiter zu verfolgen.

Zwischen verfeindeten Kätzinnen wird hingegen weniger lang gefackelt, sondern schneller hingeschlagen; Beißereien sind dafür deutlich seltener. Dafür sind die Damen vehementer im Verteidigen ihres Reviers - die Ressource Futter für den Nachwuchs dürfte ein Grund sein. Ist nach Streitereien die Siegerin bestimmt, weicht die unterlegene Katze von sich aus beim nächsten Mal dem Konflikt aus; begegnet sie der anderen einmal trotzdem, läuft sie flink weg.

7. Klare Liebesbeweise

Selbstverständlich - wie wir ja alle wissen - geht es beim Zusammentreffen von Katzen nicht immer um Aggression - im Gegenteil. Botenstoffe werden auch in freundschaftlicher Absicht getauscht. Wie bei Katzen, die sich kennen: einem kurzen gegenseitigen Beschnuppern der Nasen folgt mit Köpfchengeben ein herzliches „Hallo“, manchmal wird es noch vertrauter durch wechselweises Ohrenputzen. Und alles das findet ja nicht nur zwischen Katzen statt sondern auch von Katze zu Mensch - einer der vielen Gründe, warum wir diese Tiere so lieben.

8.  Zur Autorin

Dieser Beitrag von Mag. Ingrid Harant ist im Monatsmagazin „Tierfreund“ des Tierschutz Austria (davor  Wiener Tierschutzverein) erschienen. Wir dürfen ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des Tierschutz Austria (TSA) übernehmen.

Mag. Ingrid Harant ist Tierärztin und Gründerin der 1. Wiener Katzenambulanz. Sie schreibt über medizinische Themen und über das Verhalten von Katzen.

9. Mehrwissen über die Katzensprache