Allergien: wenn alles blüht und es die Katze juckt

(c) Photo: Amandad auf Pixabay

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Allergien, atopische Dermatitis, Futtermittel, Parasiten, Pollen - News 23/04/21

  • Artikel von Tierärztin Mag. Ingrid Harant, Gründerin "Erste Wiener Katzenambulanz"
  • Dieser Beitrag ist im Magazin „Tierfreund“ erschienen. Wir dürfen ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des TSA (Tierschutz Austria) veröffentlichen.
  • Auslöser für Allergien: Flöhe, Milben, Insektenstiche, Futtermittel, Gräser-, Kräuter-, Baumpollen
  • Anzeichen für Allergien: Juckreiz, haarlose, blutige Stellen und Krustenbildung, selten: Schwellungen (anaphylaktisdche Reaktionen auf Insektenstiche), Husten 

Fast jeder Mensch kennt sie oder wird im Frühling von ihnen geplagt – Allergien. Auf Pollen oder Gräser, auf Hausstaubmilben, Duftstoffe oder Nahrungsmittel. Egal ob geniest oder gehustet wird, die Haut juckt, die Augen tränen oder es sogar Verdauungsstörungen gibt - immer steckt eine überschießende Reaktion des Immunsystems dahinter. Und ganz ähnlich funktioniert das, wenn Katzen allergisch sind.  Mit einem großen Unterschied.

1. Katzen leiden anders als Menschen unter Allergien, auch die Auslöser sind andere:

Anders als Menschen leiden Katzen, wenn es um Allergien geht, deutlich seltener unter den gefürchteten Schleimhautsymptomen wie Schnupfen oder Augenrinnen. Der häufigste Hinweis auf eine Allergie ist vielmehr ein anhaltender Juckreiz, der dazu führt, dass sich die Tiere auffallend intensiv und häufig putzen und kratzen, sodass es zu kahlen, blank geleckten Bäuchen und - vor allem im Kopf- und Halsbereich - zu haarlosen oder blutigen Stellen und Krustenbildung kommt.

1.2 Flohbefall:

Flohbefall ist vor allem bei Freigängern eine häufige Ursache und ist unabhängig von der Jahreszeit. Bei Wohnungskatzen gelangen die kleinen Quälgeister meist durch menschliche Mitbewohner ins Haus, die Hundekontakt hatten oder im Wald etwa Igelflöhen begegneten. Manche jungen Katzen leben mit diesen winzigen Mitbewohnern jedoch schon von klein auf - merkbar und lästig werden sie manchmal erst nach ein paar Monaten im neuen Heim. Die Allergie selbst wird durch den Flohspeichel ausgelöst und nur in geringem Ausmaß durch die Reaktionen auf den Biss.  Allerdings sind gerade bei Allergie geplagten Katzen die Flöhe selbst und der Flohkot - die kleinen schwarzen Pünktchen, die beim Auskämmen des Felles sichtbar werden - schwer zu entdecken, da sich die Katzen wegen ihres Juckreizes ausführlich putzen - dabei werden sogar Flöhe und deren Ausscheidungen verschluckt.

1.2 Futtermittelallergie:

Ebenfalls Juckreiz, aber häufig kombiniert mit häufigem Erbrechen und Durchfall, ist hingegen eine Begleiterscheinung bei Futtermittelallergien.

1.3 Pollen, Milben & Pilze:

Juckende Hautreizungen sind zudem auch typisch bei der durch Gräser-, Kräuter- und Baumpollen, Hausstaub-, und Futtermilben sowie Schimmelpilzen ausgelösten atopischen Dermatitis.

1.4 Insektenstiche:

Natürlich können auch Insektenstiche zu juckenden Hautschwellungen und darüber hinaus zu einer, bei Katzen allerdings ausgesprochen seltenen anaphylaktischen Reaktion, die äußere oder inneren Schwellungen im Gesichtsbereich auslöst und möglichst rasch behandelt gehört, führen.

Und leiden Katzen bereits an felinem - also katzenspezifischem - Asthma, sind es ebenfalls allergische Reaktionen, die den Husten verursachen.

2. Den Allergieauslösern auf der Spur: 

2.1 Analyse & Erste Hilfe: Wann? Woher? Wie oft?

  • Zuerst geht es um die Analyse der Lebensumstände: Wann traten die Probleme erstmals auf und wie häufig sind sie? Ebenso wichtig: Die medikamentöse Therapie der akuten Beschwerden. Um zu verhindern, dass sich die Tiere weiterhin aufkratzen, lassen sich die Krallen der Hinterpfoten durch weiche Plastikkappen schützen. Bei übermäßigem Belecken des Körpers muss allerdings ein Kragen angelegt werden. 
  • Besteht Verdacht auf eine Futtermittelallergie oder Futter-Überempfindlichkeit, erhält die Katze, in Absprache mit der Tierärztin oder dem Tierarzt, ein passendes neues Futter. Entstehen neuerlich Probleme, wenn die vorhergehenden Futtersorten oder Leckerli gefressen werden, müssen sie wieder gestrichen werden.
  • Ist das Futterthema komplexer, hilft oft nur eine sogenannte Eliminationsdiät: Über einen Zeitraum von sechs bis sechszehn Wochen darf die Katze optimaler Weise nur eine einzige Eiweißsorte bekommen. Alltagstauglicher ist allerdings die Beschränkung auf drei verschiedene Eiweißsorten, die im bisherigen Futter nicht enthalten waren. 
  • Da handelsübliches Futter meist aus Huhn, Pute, Rind und Schwein besteht - auch wenn das zum Nachteil der Allergiepatienten auf der Packung selten konkret angeführt ist und die Herkunft der enthaltenen „tierischen Nebenerzeugnisse“ unklar ist  -, kommen von nun an „ Single Protein“-Produkte ins Schüsserl. Sie können beispielsweise aus ausschließlich Ziegen-, Pferden- und Wildschweinfleisch bestehen.
  • Bei einer Überempfindlichkeit auf Weizen - der prinzipiell trotz Gerüchten kein Gesundheitsgefährder für Katzen ist - werden die Symptome nicht durch die im Weizen enthaltenen Kohlenhydrate selbst sondern das sogenannte Klebereiweiß, den Gluten, ausgelöst.
  • Alternativen zum Single Protein sind hypoallergene Nahrungsmittel, deren Eiweißquellen so stark zerkleinert sind, dass der Körper das Ursprungsprotein im Idealfall nicht mehr erkennt. Das Fleisch liefert zwar das Eiweiß, aber dessen Aminosäureteilchen wurden so aufgesplittert, dass der Organismus auf sie nicht mehr negativ reagiert. 
  • Hypoallergen ist primär Trockenfutter. Auch das anallergene Futter, dessen Aminosäurenfragmente sogar noch winziger sind, kann derzeit ausschließlich als Trockenfutter hergestellt werden.

2.2 Detektivarbeit in der Tierarztpraxis

  1. Der bei Menschen übliche Prick-Test wird bei Katzen kaum angewendet, üblicher sind Spezial-Blutbilder zur Abklärung möglicher Flohspeichel-, Milben- oder Pollenallergien.
  2. Danach wird weiter differenziert, ob es beispielsweise um Futtermittel oder Hausstaubmilben oder eher um Birken- oder Spitzwegerichpollen geht.
  3. Je nach dem können die Allergene dann bewusst vermieden werden - etwa durch Futterveränderung - oder es werden die Symptome medikamentös behandelt. 
  4. Im Falle von Pollenallergien und ähnlichem ist, wie auch bei Menschen, eine Desensibilisierungstherapie möglich, sie ist allerdings aufwendig und lebenslang nötig.

3. Tipps zur Vorsorge: Frisch und sauber

Bei Hausstaubmilben sind diese Maßnahmen die gleichen wie bei menschlichen AllergikerInnen:

  1. Häufiges Putzen, Lüften und für AllergikerInnen geeignete Matratzenauflagen. 
  2. Decken und Bettwäsche müssen in die Kochwäsche. Kuschelhöhlen, die nur maximal bei 40 Grad gewaschen werden dürfen, sind für diese Allergie-Patienten daher ungeeignet.
  3. Auch Teppiche sind wahre Oasen für Milben (und Flöhe), glatte Flächen mögen sie hingegen gar nicht.

Diese Vorkehrungen sind auch zur Bekämpfung der Flohspeichelallergie nötig, zusätzlich zu rigorosen, ganzjährigen Flohkontrollen. Auch müssen alle im Haushalt lebenden Tiere mit behandelt werden und, besonders wichtig:

  1. Die verschriebenen Präparate helfen nur bei absolut regelmäßiger Anwendung - wobei ausschließlich (!) jene in den Nacken getropften Spot-Ons verwendet werden dürfen, die nur für Katzen zugelassen sind.
  2. Für Hunde geeignete Spot-Ons sind für Katzen Gift und können lebensgefährdend sein.
  3. Lebt ein Hund im gleichen Haushalt, sollte dieser deshalb am besten Anti-Floh-Kautabletten bekommen oder der Spot-On wird vor einem längeren Spaziergang auf seine Haut aufgetragen, sodass die Flüssigkeit bereits getrocknet ist, wenn er die Katze wieder trifft. 

Harmlose, Juckreiz mildernde Mittel sind hingegen diverse Nahrungsergänzungsmittel, besonders jene mit einem ausgewogenen Verhältnis ungesättigter Fettsäuren. Zudem existieren die Hautbarriere stärkend Stoffe wie Phytosphingosine, die als Schaum auf das Fell aufgetragen werden können.

Solche Zusätze sind manchmal eine gute Unterstützung um die oft unvermeidbaren Kortisondosen gering zu halten. Leider helfen die bei uns Menschen meist erfolgreich einsetzbaren Antihistaminika bei Katzen nur sehr gering.

Und auch wenn es inzwischen diverse Methoden zur Bekämpfung von Allergien gibt - sie können meist nicht vollständig geheilt, aber immerhin erfolgreich gemildert werden.

4. Mehr Artikel der petdoctors.at-Expertin hier:

Mag. Ingrid Harant ist Gründerin der "1. Wiener Katzenambulanz", Veterinärin und versierte Verhaltensexpertin. Nach Abschluss ihres Studiums der Veterinärmedizin und Studienaufenthalten in den USA eröffnete Harant vor mehr als 20 Jahren die „Erste Wiener Katzenambulanz“. Sie bietet nahezu alles an, was Katzen und anderen Vierbeinern das Leben leichter macht: von der Routineoperation über die klassische Homöopathie bis zur tierpsychologischen Beratung bei Problemkatzen.