5 Tipps: richtig füttern bei Erkrankungen der Samtpfoten [04|21]

Mag.a Ingrid Harant, 1. Wiener Katzenambulanz, über die richtige Ernährung bei Erkrankungen
(c) Photo: Steven Iodice auf Pixabay

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Ernährung, Nieren, Leber, Durchfall, Erbrechen - Update 14/04/21

Mag.a Ingrid Harant, 1. Wiener Katzenambulanz, über die richtige Ernährung bei Erkrankungen:

1. Aus der Praxis von Mag.a Ingrid Harant:

Baxi, eine zwölfjährige Katzendame, hat seit drei Jahren erhöhte Nierenwerte mit leicht steigender Tendenz.

Schon zu Beginn der Diagnose wurde Baxi eine Nierendiät verordnet, wobei sie nur das Trockenfutter akzeptierte. Bei Feuchtfutter streikte sie. Frauchen ist daher nachgiebig gewesen und hatte weiter normales Feuchtfutter gefüttert, dazu frisches Huhn, Fischfilets und ein bisschen Putenbrust. Trockenfutter bekam Baxi nur sporadisch als Leckerli - in der Annahme, dass Baxi wegen ihrer Nierenbelastung keines fressen dürfe.

Grundsätzlich ist es korrekt, dass bei Nierenpatienten eine nierenangepasste Feuchtfütterung besser als Trockenfutter ist, aber hier war die Diät leider gar nicht nierenschonend. Der Fleischanteil - vorwiegend Muskelfleisch - war zu hoch, die Nieren mussten viel zu viel Eiweißabbauprodukte und Phosphor verstoffwechseln.

Mit der Versprechung, dass es nicht zu kompliziert werden würde, wurde ein neuer Versuch gestartet. Nun bekommt Baxi 30g Nierentrockenfutter und fettes Schweinefleisch, Hühnerkeulenfleisch und fetten Fisch mit ein paar Stückchen Leber, ein wenig Pflanzenöl und einer vitaminisierten Mineralstoff-Mischung. Da diese Diät mehr als zur Hälfte passend ist, wird auf exakt ausgerechnetes und grammgenaues Futter auf Frauchens Wunsch verzichtet. Zusätzlich wird Baxi homöopathisch behandelt.

Nach ein paar Monaten zeigen sich im Blutbild schon leicht verbesserte Werte. Seither sind, bei den jährlichen Folgekontrollen, die Nierenwerte tendenziell stabil bis sogar leicht verbessert. 

2. Richtiges Futter für Nieren und Leber:

Bei Erkrankungen der Leber oder Nieren ist Spezial-Diätfutter unverzichtbar, da die Inhaltsstoffe passend abgestimmt sind. „Normales“ Fertigfutter bietet das leider nicht.

So müssen beim Futter die Qualität und Menge des Eiweißes stimmen. Ist es nicht hochwertig - enthält es etwa zu viel Bindegewebe -  oder ist der Anteil zu gering, baut die Katze Muskelmasse ab. Ebenfalls nötig: Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine - diese Tiere haben einen höheren Bedarf, scheiden aber diese Stoffe auch stärker aus. Weiters wichtig sind faserige Zusatzstoffe, die Prebiotika, die für eine gute Verdauung sorgen und, um die Nieren und Leber zu entlasten, die Absorption von Ammoniak,einem schädlichen Eiweißabbauprodukt, verhindern.

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz [Mehrwissen auf petdoctors.at: CNI & Therapie [11|20] muss außerdem der Phosphor in der Nahrung gesenkt (aber nicht zu niedrig) werden, um Verschlimmerungen zu bremsen. Wenn aber die Mieze für ihr seelisches Wohlbefinden hin und wieder ein Häppchen zwischendurch braucht, ist der Fettrand vom Frühstücksschinken besser als das zarte Fleisch.

Verboten ist zu viel Fett hingegen bei Leberproblemen, da oft auch die Gallenblase gleichzeitig Probleme macht. Zwar fressen, wie bei der CNI, die betroffenen Katzen oft schlecht, aber zur Regeneration der Leber brauchen sie viel Energie. Daher enthält Leber-Diätfutter enthält hochverdauliches, aber nicht zu hoch dosiertes Eiweiß, Kohlehydrate für den Kalorienhaushalt sowie viele essentielle Fettsäuren. Und wieder Prebiotika zum Stabilisieren der Darmflora.

3. Diät bei Erbrechen und Durchfall:

Erbrechen und Durchfall treten bei einer Gastroenteritis auf, das heißt, Magen, Dünndarm, Dickdarm oder alle drei sind betroffen - in Folge von Bakterien, Viren, oder anderen Infektionen wie beispielsweise Giardien [Mehrwissen auf petdoctors.at: Giardien positiv: die Einzeller lieben Hund und Katze [07|21], aber es gibt auch Tumore, die mit Erbrechen und Durchfall einhergehen. Andere Ursachen sind auch:

  • zu kalte Mahlzeiten (Beutetiere sind immer körperwarm!), zu große Futtermengen auf einmal, schlecht gereinigte Näpfe, verdorbenes oder zu lange in der Sonne gestandenes Futter. Auch plötzlicher Futterwechsel irritieren die Organe, da sich die Darmflora an ein Futter immer erst gewöhnen muss. Neues Futter muss daher immer mehrere Tage lang mit dem bisherigen gemischt werden.
  • Erkrankung der Nieren, der Schilddrüse oder Leber und Bauchspeicheldrüse
  • Vergiftungen
  • zu viele Kohlenhydrate (Reis, Nudeln) oder Milchprodukte 
  • Fehlfunktionen des Immunsystems,zu viel Magensäure und Mangel an guten Darmbakterien 

4. Im Akutfall:

Schonkost in kleinen Portionen geben. Ist kein passendes Diät-Fertigfutter im Haus kann über ein bis zwei Tage bei einer sonst gesunden Katze auch ein bisschen fettarmer Hüttenkäse, mageres Huhn- oder Putenfleisch und wenig(!) gekochter Reis oder Kartoffeln verfüttert werden. Aber Achtung, das ist als Dauernahrung schädlich!

24 Stunden nicht zu füttern kann bei Hunden helfen, ist aber bei Katzen nicht angezeigt. Für junge Tiere, Diabetiker oder solche mit einem schlechten Allgemeinzustand kann das sogar lebensgefährlich sein.  Und natürlich ist es wichtig, dass die Tiere genügend Flüssigkeit aufnehmen.

5. Chronische Gastroenteritis:

Sie zeigt sich durch wiederkehrendes Erbrechen, sauren Maulgeruch, Anorexie, Gewichtsverlust, Schmatzen, Schlucken von Speichel, Unruhe, Druckschmerzen und Geräuschen im Bauch. Auch Zusammenkauern und deutliches sich lang Strecken deuten auf Übelkeit hin. In diesem Fall sind Medikamente und mehrere kleine, lauwarme Mahlzeiten nötig, am besten mit etwas Wasser verdünnt. Feuchte Nahrung ist meist leichter verdaulich als Trockenfutter.

Das Futter soll fettarm und mit Pre- und Probiotika - wie dem Enterococcus faecium - sein, um die schlechten Darmbakterien zu verdrängen. Zwar sollte Futter generell nicht zu oft gewechselt werden, falls es aber Überempfindlichkeiten gegenüber einer Eiweißart gibt, müssen andere Fleischsorten gefüttert werden, um den Darm zu entlasten.orten gefüttert werden, um den Darm zu entlasten.

6. Verstopfung: 

Obstipation hat bei Katzen ähnliche Ursachen wie bei Menschen: zu wenig Ballaststoffe und Bewegungsmangel. Deshalb müssen durch Faserzugaben gute Bakterien gefördert und die Peristaltik angeregt werden. Ein bisschen verdünnte Milch, Joghurt oder Butter helfen oft auch. Verstopfung kann aber auch durch Organerkrankungen wie Tumore, Beckenfrakturen, Veränderungen im Wirbelsäulenbereich, welche die Nervenversorgung des Darms beeinträchtigt, entstehen. 

7. Flatulenz:

Blähungen haben gesunde Katzen nicht. Kommen sie dennoch vor, zeugt das von Problemen, schlechter Verdaulichkeit des Futters oder bakteriellem Ungleichgewicht im Darm. Oft sind Blähungen auch die Folge von Durchfall oder Reaktionen auf das Geliermittel im Dosenfutter. [Expertentipp auf petdocotrs.at: 8 Tipps wie Sie gutes, hochwertiges Katzenfutter erkennen. [01|21]

8. Harnsteine:

Harnsteine bilden sich nicht nur durch Entzündungen in der Blase, sondern auch, wenn der pH-Wert des Harns aus dem leicht sauren bis neutralen Bereich verschoben ist. Aus Mineralstoffen können dann Kristalle und/oder Steine entstehen. Spezialfutter hat einen optimal ausgewogenen Mineralstoffgehalt, enthält Stoffe, die Entzündungen beruhigen und den Harn ansäuern, wodurch - etwa bei Struvit-Kristallen - die Kristalle aufgelöst werden können und auch eine Neubildung vermindert wird.

Zusätzlich brauchen die Katzen mehr Flüssigkeit - gewässerte Katzenmilch, frisch gemachte Knochensuppe. [Tipp auf petdoc tors.at: Ein Trinkbrunnen und zusätzliche Gefäße regen zum Trinken an] Wasser kann auch ins Futter gemischt werden. Gegen Steine hilft allerdings auch das beste Futter nicht - dieses Problem löst nur eine Operation.

 

Mag. Ingrid Harant  

ist Gründerin der "1. Wiener Katzenambulanz", Veterinärin und versierte Verhaltensexpertin.

Nach Abschluss ihres Studiums der Veterinärmedizin und Studienaufenthalten in den USA eröffnete Harant vor mehr als 20 Jahren die „Erste Wiener Katzenambulanz“. Sie bietet nahezu alles an, was Katzen und anderen Vierbeinern das Leben leichter macht: von der Routineoperation über die klassische Homöopathie bis zur tierpsychologischen Beratung bei Problemkatzen.

www.katzenambulanz.at