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Wie man seinen Hund verstehen lernt.

Verhalten/Körpersprache/Signale/WTF - update am 18. April 2020

 

„Gib einem Menschen einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Menschen zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“

 

Wir Hundetrainer sind eigentlich Menschentrainer.  Wir verhelfen dem Menschen zu einem harmonischen Zusammenleben mit seinem Hund. Wir möchten, dass dieser Mensch mit seinem Hund in seinem Alltag gut zurechtkommt. Dafür ist ein gewisses Basiswissen notwendig. Der Mensch lernt, das Verhalten seines Hundes zu verstehen und zu beeinflussen, damit er in seinem Alltag vorrausschauend und angemessen auf Situationen reagieren kann. Wir lehren ihn, zu fischen.

1. Die Körpersprache unserer Hunde

Hunde kommunizieren recht deutlich, wenn es ihnen zu viel wird. Sie zeigen Beschwichtigungssignale, Stresszeichen oder sogenannte Übersprunghandlungen.

Beschwichtigungssignale

dienen der Konfliktvermeidung beziehungsweise der Vorbeugung und zeigen dem Gegenüber, dass keine offene aggressive Auseinandersetzung gewünscht ist.

Sie werden bewusst gezeigt und äußern sich zum Beispiel

    • in einem mit der Zunge über die Schnauze lecken,
    • Pfote heben,
    • Gähnen,
    • Blinzeln,
    • verlangsamte Bewegungen,
    • einen Bogen laufen,
    • am Boden schnüffeln und
    • Kopf abwenden.

Stresszeichen

werden unbewusst gezeigt und dienen dem eigenen Stressabbau. Die Hunde

    • gähnen,
    • schütteln sich,
    • zittern,
    • haben plötzlich weiße Schuppen,
    • erweiterte Pupillen,
    • starkes Hecheln mit eingerollter Zunge und
    • nagen an sich selbst oder an Gegenständen.

Übersprunghandlungen

sind in der Situation, in der sie gezeigt werden, unpassend und entstehen meist aus Frust, Unsicherheit, Stress und einem inneren Konflikt. Dazu zählen

    • extremes Körperpflegeverhalten,
    • Hochspringen,
    • Aufreiten und
    • Wälzen.

Beschwichtigt dein Hund, weil ein anderer Mensch oder Hund ihm zu nahegekommen ist? Zeigt er Stresszeichen, weil er den Stadttrubel nicht gewöhnt ist? Möchte er ausweichen und einen Bogen gehen, weil ein anderer Hund auf euch zukommt? Dann ist es Ihre Aufgabe, ihn aus der Situation herauszuholen.

2. WTF: Die Ursache für das Verhalten verstehen: 

Wenn Sie sich das Verhalten Ihres Hundes nicht erklären können, dann stellen Sie sich die Frage: What´s the funktion? WTF? Welche Funktion erfüllt das Verhalten? Oder anders gefragt: Was erreicht Ihr Hund mit dem Verhalten?

  • Kann er dadurch etwas bekommen? Wie zum Beispiel Aufmerksamkeit, eine Futterbelohnung, Streicheleinheiten, Zugang zu etwas Tollem (Tür geht auf etc.)?
  • Oder kann er dadurch etwas entkommen? Wie zum Beispiel einer unangenehmen Situation, zum Beispiel einem lauten Geräusch, etwas das ihm Angst macht?

Wenn Sie die Ursache für sein Verhalten eruieren können, dann können Sie das Verhalten auch verändern.

3. Das Verhalten ändern

Beispiel 1:

Der Hund springt bei der Begrüßung immer hoch, obwohl jeder zu ihm „Nein“ sagt und seine Beine wieder auf den Boden gesetzt werden. Auch nach mehreren Tagen zeigt Ihr Vorgehen keine Wirkung.

Welche Funktion erfüllt das Verhalten? WTF? Was bekommt den Hund dafür, dass er raufspringt? Ganz klar: Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Hunden ist es egal, was wir genau zu ihnen sagen, Hauptsache wir wenden uns ihnen zu und sprechen mit ihnen. Die Lösung liegt darin, ihm dann Aufmerksamkeit zu geben, wenn alle 4 Pfoten auf dem Boden sind. Wenn Sie schon in seitlich geduckter Haltung, mit empfangenden Armen bei der Tür reingehen, können Sie  Ihren Hund direkt streicheln während er noch unten ist und ihm Aufmerksamkeit geben.

Beispiel 2:

Ihr Welpe knabbert lieber an Ihren Schuhen und an Möbeln als an seinem Spielzeug, das überall herumliegt. 

WTF? Was hat er davon, sich mit Ihren Schuhen zu beschäftigen? Gehen Sie vielleicht hin, sprechen ihn an und nehmen ihm Ihren Schuh weg? Was hat er davon, wenn er mit seinem Spielzeug spielt? Sie finden das zwar toll, aber Beachtung bekommt Ihr Hund dafür nicht.

Daher liegt auch hier die Lösung darin, ihm Aufmerksamkeit dafür zu geben, dass er sich mit den richtigen Spielsachen beschäftig und nicht darin, ihm nachzulaufen,  wenn er sich etwas von Ihnen schnappt.

Wenn Sie sich dieses Basiswissen aneignen, werden Sie Ihren Hund besser verstehen und die Möglichkeit haben, sein Verhalten zu beeinflussen.

 

Zu Heidrun Pusch

  • Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
  • zert. Tiertrainerin
  • zert. Tierschutzreferentin
  • respekTIERt Hundeschule
  • Tiergestützte Intervention
  • Tierschutzworkshops und Seminare

www.respektiert.at in Kärnten

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