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Gewitterangst!

Sie spüren das nahende Gewitter lange vor uns. Noch bevor die Wolken aufziehen und der erste Wind die Bäume erreicht.

 

Gerade im Sommer kommt es immer wieder zu, oft heftigen, Gewittern. Angst vor Gewitter ist bei vielen Hunden weit verbreitet. Während manche Hunde beim ersten Donnergroll Anzeichen von Stress und Angst zeigen, reicht beim anderen schon ein stärker werdender Wind aus, um sich zitternd, und mit eingezogener Rute, zu verkriechen.

Hunde spüren Wetter-Veränderungen oft schon viel früher. Aber auch durch Lernerfahrungen kann es dazu kommen, dass Reize, wie starker Regen oder eben Wind, die oft mit Wärmegewittern einhergehen, ausreichen, um manchen Hund in Panik zu versetzen – Angst zieht sehr schnell Kreise. Und so können diese Vorboten das gleiche Verhalten auslösen, auch wenn der ursprüngliche Auslösereiz, wie zum Beispiel Donner, ausbleibt.

Warum so viele Hunde unter Gewitterangst leiden:
 

Warum jetzt viele Hunde Angst vor Gewitter zeigen, konnte bis dato noch nicht wirklich erforscht werden. Aber, wie so oft, spielen wahrscheinlich mehrere Komponenten dabei eine Rolle, wie:
 
Genetisch bedingt: Aus biologischer Sichtweise macht es durchaus Sinn auf laute Geräusche, die mögliche Gefahren mit sich bringen, mit Angstverhalten zu reagieren und sich in Sicherheit zu bringen.

Soziales Lernen: Reagiert die Mutterhündin ängstlich auf Gewitter, wird die Angst oft vom Welpen mitgelernt.

Stimmungsübertragung: Auch manche Menschen fühlen sich unwohl bei Gewitter und verhalten sich dementsprechend. Diese Unsicherheit kann sich auf den Hund übertragen, denn Hunde sind wahre Meister beim Lesen unserer Körpersprache.

Körperliches Unwohlsein: Ist der Hund krank und fühlt sich unwohl während eines Gewitters, kann auch das einen bleibenden negativen Eindruck hinterlassen. Wenn ihr Hund schon Stressverhalten bei Gewittern zeigt, kann körperliches Unwohlsein die Angst noch zusätzlich verstärken.

Schlechte Erfahrungen: Jede schlechte Erfahrung kann mit anderen vorhanden Reizen, wie zum Beispiel Gewitter, in Zusammenhang gebracht werden.  

Wie Sie Ihrem Hund helfen können:

Selbst anwesend sein, aber entspannt:

Hunde, die unter Gewitterangst leiden, sollten auf keinen Fall alleine gelassen werden. Zieht ein Gewitter auf, verschließen sie sofort offene Fenster und verdunkeln diese - aber bitte nicht indem sie hektisch hinstürzen.

Fernseher und Radio sind ideal, um Gewittergeräusche etwas zu dämpfen. Auch andere Alltagsgeräusche wie Staubsaugen und Waschmaschine können vom Donnergroll ablenken. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Hund im Alltag keinerlei Probleme mit diesen Geräuschen hat.

Trösten und bemitleiden sie ihren Hund nicht überschwänglich, sondern verhalten sie sich normal - sonst könnte sich der Hund erst recht in seiner Angst bestärkt fühlen. Mit „Nicht bemitleiden“ ist aber nicht gemeint, ihren Hund keinen Social-Support zu geben, wenn er das braucht und möchte. Wenn ihr Hund ihre Nähe oder Körperkontakt benötigt, um sich sicher zu fühlen, dann darf er das auch, IMMER!
 
Dem Hund die Möglichkeit geben, sich zurück zu ziehen: Viele Hunde möchten sich bei Gewitter am Liebsten verkriechen und suchen einen Zufluchtsort auf, der ihnen diese Möglichkeit bietet. Ist das bei ihrem Hund der Fall, lassen sie ihn und bleiben idealerweise in seiner Nähe.
 

Gemeinsame Aktivitäten:

Mit gemeinsame Aktivitäten, wie Spielen, kleinen Tricks, die er gerne zeigt, Suchspiele, etwas zum Kauen oder gemeinsamem Kuscheln, können sie ihren Hund ein wenig ablenken. Gerade Kauen wirkt beruhigend und entspannt - und Entspannung ist der Gegenspieler von Angst. Ablenkung wird aber nur dann funktionieren, wenn seine Angst vor Gewitter nicht all zu groß ist.
 

Thundershirt:

Ein Thunder-Shirt ist ein Mantel der sehr eng an dem Hundekörper anliegt. Durch diesen Druck wird ein Gefühl der Sicherheit erzeugt. Wichtig ist dabei, dass der Hund das Thundershirt schon vorab kennen gelernt hat und auch als angenehm empfindet.
 

Training:

Sollte ihr Hund an Gewitterangst leiden, besteht auf alle Fälle Handlungsbedarf – vor allem dann, wenn Angst seine Lebensqualität einschränkt. Hunde, die große Angst zeigen, und die sich durch die oben genannten Tipps wenig, bis keine Erleichterung verschaffen können, brauchen einen gut durchdachten Trainingsplan – dabei kann ihnen ein qualifizierter Trainer helfen.

Mit Hilfe von Gegenkonditionierung:  der Hund lernt Schritt für Schritt beängstigende Geräusche mit etwas Positivem zu verknüpfen, Aufbau einer Sicherheitszone, Entspannung, und vor allem Erlernen einer Problemlösungsstrategie, die es ihrem Hund auch selbständig ermöglicht, mit dem Angstauslöser umzugehen, kann die Angst gemildert werden. Letztendlich sind aber alle Hunde individuell, und so sollte auch der Trainingsplan gezielt auf den jeweiligen Hund und seine Angst abgestimmt werden. Vergessen sie nicht, dass der Trainingsprozess der Umgewöhnung oft sehr langsam vor sich geht und viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Verständnis von Seiten des Besitzers benötigt.
 

Unterstützende Maßnahmen:

Unterstützend können auch homöopathische Mittel, Bachblüten, Medikamente oder Nahrungsergänzungen mit entspannender Wirkung, eingesetzt werden – bitte erkundigen sie sich ausführlich bevor sie diese verwenden bei Ihrer TierärztIn. Das gilt ausnahmslos beim Einsatz von  Medikamenten!

Medikamente sollten nur in Absprachen mit einem Tierarzt zum Einsatz kommen und eine begleitende Maßnahme zum Training darstellen.