Erste Hilfe bei Gewitterangst: was tun wenn es donnert und blitzt? [05|21]

Die Angstzustände werden von Gewitter zu Gewitter immer schlimmer.
(c) Photo: Tommy Takacs auf Pixabay

Teilen

Verhalten, Gewitter, Feuerwerk, Panik, Vorsorge - Update 14/05/21

  • Hunde spüren das nahende Gewitter lange vor uns. Noch bevor die Wolken aufziehen und der erste Wind die Bäume erreicht. 
  • Gewitterangst ist bei Hunden weit verbreitet.
  • Die Angstzustände werden von Gewitter zu Gewitter immer schlimmer.
  • Es reicht bereits der stärker werdende Wind aus, um sich zitternd, und mit eingezogener Rute, zu verkriechen

Gerade im Sommer kommt es immer öfter zuheftigen, Gewittern. Die Angst vor Gewitter ist bei vielen Hunden weit verbreitet: Während manche Hunde beim ersten Donnergroll Anzeichen von Stress und Angst zeigen, reicht bei anderen schon ein stärker werdender Wind aus, um sich zitternd, und mit eingezogener Rute, zu verkriechen.

Durch Lernerfahrungen kann es dazu kommen, dass Reize, wie starker Regen oder Wind, die oft mit Wärmegewittern einhergehen, ausreichen, um einen Hund in Panik zu versetzen. Die Vorboten lösen bereits das gleiche Verhalten aus wie Donner und Blitz.

1. Warum so viele Hunde unter Gewitterangst leiden:

Warum jetzt viele Hunde Angst vor Gewitter zeigen, konnte bis dato noch nicht wirklich erforscht werden. Aber, wie so oft, spielen wahrscheinlich mehrere Komponenten dabei eine Rolle, wie:

  1. Genetisch bedingt: Aus biologischer Sichtweise macht es durchaus Sinn auf laute Geräusche, die mögliche Gefahren mit sich bringen, mit Angstverhalten zu reagieren und sich in Sicherheit zu bringen.
  2. Soziales Lernen: Reagiert die Mutterhündin ängstlich auf Gewitter, wird die Angst oft vom Welpen mitgelernt und übernommen.
  3. Stimmungsübertragung: Auch manche Menschen fühlen sich unwohl bei Gewitter und verhalten sich dementsprechend. Diese Unsicherheit kann sich auf den Hund übertragen. Denn Hunde sind wahre Meister beim Lesen unserer Körpersprache und spiegeln unser Verhalten.
  4. Körperliches Unwohlsein: Ist der Hund krank und fühlt sich unwohl während eines Gewitters, kann auch das einen bleibenden negativen Eindruck hinterlassen. Wenn ihr Hund schon Stressverhalten bei Gewittern zeigt, kann körperliches Unwohlsein die Angst noch zusätzlich verstärken.
  5. Schlechte Erfahrungen: Jede schlechte Erfahrung kann mit anderen vorhanden Reizen, wie zum Beispiel Gewitter, in Zusammenhang gebracht werden.  

2. Wie Sie Ihrem Hund helfen können:

2.1 Entspannt bleiben:

Hunde, die unter Gewitterangst leiden, sollten auf keinen Fall alleine gelassen werden. Zieht ein Gewitter auf, bzw. zeigt Ihr Hund ein kommendes Gewitter an, verschließen Sie sofort offene Fenster und verdunkeln diese - aber bitte nicht indem sie hektisch hinstürzen.

2.2 Support geben:

Bemitleiden Sie ihren Hund nicht überschwänglich, sondern verhalten Sie sich normal - sonst könnte sich Ihr Hund erst recht in seiner Angst bestärkt fühlen. Mit „Nicht bemitleiden“ ist aber nicht gemeint, Ihren Hund keinen Social-Support zu geben, wenn er das braucht und möchte. Wenn Ihr Hund Ihre Nähe oder Körperkontakt benötigt, um sich sicher zu fühlen, dann darf und soller er das auch, IMMER!

2.3 Geräuschkulisse schaffen:

Fernseher und Radio sind ideal, um Gewittergeräusche etwas zu dämpfen. Auch andere Alltagsgeräusche wie Staubsaugen und Waschmaschine können vom Donnergroll ablenken. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Hund im Alltag keinerlei Probleme mit diesen Geräuschen hat.

2.4 Rückzugsmöglichkeit anbieten:

Dem Hund die Möglichkeit geben, sich zurück zu ziehen: Viele Hunde möchten sich bei Gewitter am Liebsten verkriechen und suchen einen Zufluchtsort auf, der ihnen diese Möglichkeit bietet. Ist das bei Ihrem Hund der Fall, lassen sie ihn aber bleiben Sie in seiner Nähe.

3. TIPP: Wie Sie vorbeugen können:

3.1 Gemeinsame Aktivitäten während eines Gewitters:

Auch Hunde, die nie Angst gezeigt haben, können plötzlich ihr Verhalten ändern. Darum ist es wichtig von Anfang an mit dem Hund zu trainieren. Ziel ist, dass Ihr Hund bei Gewittern positive Erfahrungen macht. 

Beschäftigen Sie Ihren Hund während eines Gewitters mit Aktivitäten, die er besonders gerne hat. So verbindet Ihr Hund mit Gewitter eine positive Erfahrung. (Lerneffekt: Wenn ein Gewitter kommt, ist das ein gute Sache.)

  • Gemeinsam etwas Spielen, Suchspiele machen, Schnüffelteppich, Schachtel mit versteckten Leckerlis etc.
  • kleinen Tricks machen, die Ihr Hund besonders gerne zeigt und natürlich auch belohnen
  • oder auch gemeinsam Kuscheln
  • etwas besonders Attraktives zum Kauen anbieten: Kauknochen, Kong Gerade Kauen wirkt beruhigend und entspannt Ihren Hund und Entspannung ist der Gegenspieler von Angst. 

3.2 Thundershirt:

Ein Thunder-Shirt ist ein Hundemantel der sehr eng an dem Hundekörper anliegt. Durch diesen Druck wird ein Gefühl der Sicherheit erzeugt. Wichtig ist dabei, dass der Hund das Thundershirt schon vorab kennen gelernt hat und auch als angenehm empfindet. Auch hier sollte das Shirt zur Gewöhnung immer in für den Hund besonders angenehmen, entspannten Situationen getragen werden. 

4. Anti-Gewitterangst Training:

Sollte Ihr Hund an Gewitterangst leiden, besteht auf alle Fälle Handlungsbedarf – vor allem dann, wenn Angst seine Lebensqualität einschränkt.

Hunde, die große Angst zeigen, und die sich durch die oben genannten Tipps wenig, bis keine Erleichterung verschaffen können, brauchen einen gut durchdachten Trainingsplan – dabei kann ihnen eine qualifizierte Hundetrainer*in helfen.

Mit Hilfe von Gegenkonditionierung:  der Hund lernt Schritt für Schritt beängstigende Geräusche mit etwas Positivem zu verknüpfen, Aufbau einer Sicherheitszone, Entspannung, und vor allem Erlernen einer Problemlösungsstrategie, die es Ihrem Hund auch selbständig ermöglicht, mit dem Angstauslöser umzugehen, kann die Angst gemildert werden.

Letztendlich sind aber alle Hunde individuell, und so sollte auch der Trainingsplan gezielt auf den jeweiligen Hund und seine Angst abgestimmt werden. Vergessen Sie nicht, dass der Trainingsprozess der Umgewöhnung oft sehr langsam vor sich geht und viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Verständnis von Seiten des Besitzers benötigt.

5. Unterstützende Maßnahmen:

Unterstützend können auch homöopathische Mittel, Bachblüten, Medikamente oder Nahrungsergänzungen mit entspannender Wirkung, eingesetzt werden – bitte erkundigen Sie sich ausführlich bevor sie diese verwenden bei Ihrer TierärztIn. Das gilt ausnahmslos beim Einsatz von  Medikamenten!

Medikamente sollten nur in Absprachen mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt zum Einsatz kommen und eine begleitende Maßnahme zum Training darstellen.