Krampfanfälle: primäre und sekundäre Epilepsie beim Hund [09|22]

(c) Photo: Juan Pablo Sorondo auf Pixabay
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Erkrankung, Epilepsie, Krampfanfall, Verhaltensänderung, Antiepileptika - News [18|09|22]

  • Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen von Hunden
  • Betroffene Hunde zeigen meist klassisch krampfartige Anfälle
  • häufig geht diesen Episoden eine Änderung des Verhaltens voraus
  • Mit Antiepileptika eingestellte Hunde können mitunter ein beschwerdefreies Leben führen
  • Die meisten Hunde erleiden ihren ersten Anfall in den ersten fünf Lebensjahren
  • Häufig betroffene Rassen: Beagle, Berner Sennenhund, Collie, Golden Retriever, Labrador Retriever, Rhodesian Ridgeback
  • Petdoctors MehrWissen: [Die 90 häufigsten Hundekrankheiten] [Die 10 häufigsten Schmerzsignale bei Hunden]

Bei einem Anfall sollten Sie alle Gegenstände, die Verletzungen verursachen können, aus dem Weg räumen. Da Hunde bei einem Anfall unbewusst auch schnappen können, sollten Sie währenddessen Abstand halten.

Einteilung von Anfällen in:

  • Grand mal: der Hund ist bewusstlos und krampft
  • Petit mal: der Hund ist ansprechbar, die Symptome sind nicht spezifisch

TIPP:  notieren Sie Datum, Dauer und Frequenz der Krämpfe in einem Kalender.  Je früher Epilepsie behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

1. Übererregbare Nervenzellen als Ursache:

  • Durch eine Überregbarkeit der Nervenzellen im Hirn beginnt der Hund zu krampfen
  • Die häufigste Form ist die generalisierte Epilepsie, bei der beide Hälften des Großhirns betroffen sind
  • Bei der fokalen Epilepsie sind nur einzelne Gehirnbereiche beteiligt
  • Diese Form ist schwerer erkennbar, da der Hund keine „typischen“ Krampfanfalls-Symptome zeigt
    1. Luftschnappen nach nicht vorhandenen Fliegen
    2. Zucken einzelner Muskelpartien, Beine oder der Lefzen
    3. Teilnahmsloses Kauen oder Bellen

Unter den generalisierten Anfällen sind tonische Anfälle mit Verkrampfungen am häufigsten. 

2. Primäre Epilepsie:

  • die primäre oder auch idiopathische Epilepsie hat genetischen Ursprung
  • bei betroffenen Tieren sind Nervenzellen im Gehirn zu leicht erregbar
  • das Gehirn selbst weist keine krankhaften Veränderungen auf
  • zwischen zwei Anfällen zeigen die Tiere keine weiteren Symptome
  • einige Rassen sind besonders häufig betroffen: Beagle, Berner Sennenhund, Collie, Golden Retriever, Labrador Retriever, Rhodesian Ridgeback

WICHTIG: Mit Epilepsiehunden sollte nicht gezüchtet werden, da eine Vererbung der Erkrankung möglich ist. 

3. Sekundäre Epilepsie

Bei der sekundären Epilepsie liegt den Anfällen eine andere Ursache zugrunde.

  • Bei der strukturellen Form verursacht eine Erkrankung des Hirns die Krampfanfälle:
    1. Tumor oder Blutung im Gehirn, Entzündung des Hirns oder der Hirnhaut, Schädelverletzung
    2. Veränderung des Gehirns ist im MRT sichtbar
    3. Zwischen zwei Anfällen zeigen Patienten neurologische Symptome
  • Bei der metabolischen Form liegt die Ursache außerhalb des Gehirns:
    1. Krankheiten organischen Ursprungs erhöhen das Risiko eines Anfalls
    2. Vergiftung, Unterzuckerung, Störungen der Nieren- oder Leberfunktion, Ungleichgewicht der Blutsalze

4. Phasen des Krampfanfalles:

  • Beginn mit leichten Verhaltensveränderungen wie vermehrter Unruhe oder Zurückziehen, erhöhtem Speichelfluss oder Harnlassen
  • Wirken Besitzer:innen hier bereits beruhigend auf das Tier ein, kann dies den herannahenden Anfall abschwächen
  • Hund versteift in seiner gesamten Skelettmuskulatur
  • Betroffene Tiere fallen um, reagieren nicht mehr auf ihre Umgebung, werden bewusstlos, zeigen typische Zuckungen und Ruderbewegungen
  • Mögliches Urinieren oder Absetzen von Kot, vermehrter Speichelfluss und Winseln
  • Nach einem solchen Anfall sind die Tiere häufig sehr angeschlagen 
  • Sie wirken benommen und zeigen auch einige Zeit später noch neurologische Auffälligkeiten wie Sehstörungen, Desorientiertheit oder übermäßigen Hunger oder Durst
  • Viele Anfälle innerhalb kurzer Zeit können zu permanenten Hirnschäden oder zum Status epilepticus führen
  • Status epilepticus: Anfälle, die länger als 10 Minuten dauern oder eine Serie an Anfällen, zwischen denen der Hund sein Bewusstsein nicht vollständig wiedererlangt

WICHTIG: Meist treten Krampfanfälle auf, wenn der Hund entspannt ist, sprich in den Abend-& Nachtstunden oder am frühen Morgen.

5. Mögliche Ursachen von primärer & sekundärer Epilepsie:

  • Bei primärer Epilepsie werden alle anderen möglichen Gründe ausgeschlossen; die Ursache liegt in der Übererregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn
  • Sekundär kommen organische Probleme wie Störungen der Leber- & Nierenfunktion, Infektionen oder Vergiftungen infrage 
  • Auch Gehirntumoren, Missbildungen oder Traumata im Schädelbereich können zu Epilepsie führen
  • Bei Junghunden kann ein Shunt der Lebergefäße verhindern, dass Giftstoffe genügend gefiltert werden und Krampfanfälle auslösen

6. Diagnose:

  • Mithilfe eines Blutbildes, Überprüfung des Säure-Base- bzw. Elektrolyt-Haushaltes und der Leberfunktion werden stoffwechselbedingte Ursachen abgeklärt
  • Mögliche Vergiftung wird überprüft
  • Ultraschall, EKG oder Untersuchung einer Harnprobe sind verwendete Methoden
  • Magnetresonanztomografie kann eine Erkrankung des Gehirns auszuschließen
  • Untersuchung der Gehirnflüssigkeit und Messung der elektrischen Gehirnströme können Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben

Wird keine krankhafte Ursache für die Krampfanfälle gefunden, handelt es sich höchstwahrscheinlich um primäre Epilepsie.

7. Therapieansätze:

  • Sind sekundäre Erkrankungen der Grund der Krämpfe, werden diese dementsprechend behandelt
  • Homöopathische Arzneimittel können zur Ausschleusung der Giftstoffe aus dem Stoffwechsel beitragen 
  • Bei primärer Epilepsie fällt die Wahl der Behandlung auf Antiepileptika
  • In den meisten Fällen ist diese Therapie lebenslänglich fortzuführen
  • Phenobarbital wird am häufigsten eingesetzt
    1. Nach 2-3 – wöchiger Gabe erreicht das Medikament eine wirksame Konzentration im Blut
    2. Anfangs sind einige Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Trägheit und Appetitlosigkeit möglich
    3. Eine regelmäßige Kontrolle des Phenobarbital-Wertes wird empfohlen
  • Alternativ kann auch Kaliumbromid eingesetzt werden, das sich ähnlich verhält
  • Während eines Krampfes können Medikamente wie Diazepam (rektal eingegeben) den Anfall mindern

8. Unterstützung durch komplementär Medizin:

8.1 Homöopathie:

  • Cuprum metallicum C9
  • Lachesis C9
  • Colocynthis C6
  • Hyoscyamus C6
  • Aconitum C30

Vor der homöopathischen Behandlung der Epilepsie sollte immer eine Ausleitungstherapie durchgeführt werden:

  • Sulfur D30
  • Nux vomica D30
  • Arsenicum album D12
  • Okoubaka D12 zur Entgiftung der Leber

8.2 Phytotherapie:

  • CBD (besser als Tropfen als als Phytotherapie mit Hanfblättern)
  • Eisenkraut
  • Geißblatt