Hundefuttertest: 61% der Proben von rohem Fleisch enthielten gefährliche Bakterien [05|20]

#MehrWissenaufPetdoctors: antibiotika-resistente Keime im rohen Hunde-Futter
(c) Photo: a different Perspektive auf Pixabay

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Ernährung, BARFen, Futtertest, rohes Hundefutter, Antibiotika-resistente Keime, Hygienetipps - Update [16|05|20]

  • Hundefutter aus Rohfleisch Quelle multiresistenter Keime [#MehrWissenaufPetdoctors zum Theme BARFen von Hunden]
  • Im Rohfleisch-Futter sind Bakterien enthalten, die gegen Breitband-Antibiotika resistent sind.
  • Sie können auch dem Menschen gefährlich werden.
  • Mehr als die Hälfte von 51 Proben einer Untersuchung in der Schweiz waren belastet.

Forscher*innen vermuten schon länger, dass das Rohfleisch-Futter Krankheitserreger beinhalten und verbreiten könnte. Im Oktober 2019 zeigte eine Schweizer Studie, dass es zudem eine Quelle multiresistenter Bakterien ist, berichtete ein Team um Roger Stephan von der Uni Zürich im Fachjournal "Royal Society Open Science".

1. Beunruhigende Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie: 

51 Rohfleisch-Futterproben von verschiedenen Anbietern in der Schweiz wurden untersucht:

  • Fast zwei Drittel aller Proben (61 Prozent) enthielten Bakterien, die gegen Breitband-Antibiotika resistent sind.
  • 73 Prozent überschritten den Richtwert für Enterobakterien.
  • Zwei Proben enthielten Salmonellen.
  • Gefunden wurden zwei antibiotikaresistente Escherichia coli-Stämme. Diese trugen ein Resistenz-Gen, das sich auf andere Bakterien übertragen kann, und eine Resistenz gegen das Reserveantibiotikum Colistin vermittelt.

"Dass wir bei über 60 Prozent der Proben ESBL-bildende Bakterien gefunden haben, ist wirklich erschreckend", sagt Studienautorin Magdalena Nüesch-Inderbinen. "Darunter waren auch einige Escherichia coli-Typen, die bei Menschen und Tieren Infektionen auslösen können." 

1. Wie resistente Keime übertragen werden:

Die Wissenschafter*innen sehen in der Fütterungsmethode mit Rohflesich einen bedeutenden Risikofaktor für die Übertragung antibiotikaresistenter Keime:

  1. Tierbesitzer*innen kommen einerseits bei der Zubereitung des Futters mit den Bakterien in Berührung.
  2. Andererseits ist die Übertragung auch durch engen Kontakt zwischen Haustier und Menschen im gleichen Haushalt möglich.

2. Warum multiresistente Keime so gefährlich sind:

Bakterielle Infektionen können meistens mit Antibiotika gut behandelt werden.  Einige Keime reagieren allerdings nicht auf Antibiotika. Ihre Vermehrung kann durch übliche Medikamente nicht gebremst werden.

Bei einigen Bakterien, den multiresistenten Keimen, zeigen auch Reserveantibiotika keine Wirkung mehr. Auch Haustiere können von diesen widerstandsfähigen Bakterien betroffen sein. Eine Übertragung auf den Menschen ist möglich.

3. Wie multiresistente Keime entstehen:

  1. Jahrelang wurden Antibiotika in das Futter von Masttieren zur Vorbeugung von Krankheiten gemischt.
  2. Gleichzeitig wurden Antibiotika auch bei leichten Erkrankungen oder Virusinfektionen (grundlos) an Menschen verabreicht.
  3. Oft wurden diese Antibiotika zu kurz oder in einer nicht ausreichenden Dosierung eingenommen.
  4. Empfindliche Bakterienstämme wurden durch die Antibiotika abgetötet, die unempfindlichen (resistenten) Stämme konnten sich weiter vermehren.
  5. Mit der Zeit mussten immer neue Antibiotika eingesetzt werden, um diese resistenten Keime abzutöten.
  6. Heute existiert bereits eine Vielzahl von Bakterienstämmen, die mit den vorhandenen Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können.

#MehrWissen: Die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika wird mit einem Hemmstofftest im Labor bestimmt.

4. Welche Menschen und Tiere besonders gefährdet sind:

  • Für gesunde Menschen und Tiere, die über ein gut funktionierendes Immunsystem verfügen, sind die multiresistenten Bakterienstämme kaum gefährlich.
  • Die Bakterien können jedoch auf andere Personen und Tiere übertragen werden.
  • Ist deren Immunsystem geschwächt, verursachen diese Bakterien Infektionen der Haut und der Lunge.
  • Wenn sich die Keime über das Blutgefäßsystem im gesamten Körper verbreiten, entsteht eine tödlich verlaufende Sepsis.

5. Welches Futter multiresistente Keime enthalten kann:

Gegen Antibiotika resistente Keime finden sich vor allem in rohem Fleisch:

  1. Die Belastung mit resistenten Keimen kann durch eine vorherige Erkrankung des Schlachttieres oder
  2. durch gravierende Mängel bei der Hygiene während der Schlachtung oder
  3. der Zerlegung des Fleisches verursacht werden.

6. Wie die Übertragung auf den Menschen erfolgt:

Eine Übertragung der Bakterien kann direkt durch das verunreinigte Fleisch erfolgen. Siedeln sich die Keime im Körper ihres Hundes oder Ihrer Katze an, kann eine Infektion auch durch den Kontakt mit dem Haustier erfolgen. Gegen Breitband-Antibiotika unempfindliche Bakterien sind bei Hunden und Katzen bereits weit verbreitet.

7. Was Sie tun können, um sich nicht zu infizieren:

  1. Achten Sie bei der Zubereitung des Futters auf eine gute Hygiene. Waschen Sie Futterschüsseln immer gründlich aus.
  2. Verwenden Sie verschiedene Messer für das Schneiden von Fleisch, Innereien und Gemüse.
  3. Benutzen Sie nie dieselben Schneideunterlagen.
  4. Verwenden Sie Holzbretter aus Olivenholz oder Bambusholz, die antibakterielle Eigenschaften besitzen.
  5. Die Schneidbretter sollten immer glatt sein, damit sich keine Bakterien in den Rillen festsetzen können.
  6. Bewahren Sie rohes Fleisch im Kühlschrank immer in verschlossenen Behältern auf.
  7. Waschen Sie sich nach jeder Zubereitung gründlich die Hände.

Waschen Sie auch Gemüse vor dem Zerkleinern immer mit reichlich Wasser ab.

Die meisten Bakterien befinden sich an der Oberfläche des Fleisches. Sie gelangen beim Zerkleinern in die Tiefe. Ein Überbrühen der Fleischstücke mit kochendem Wasser verringert die Keimzahl deutlich.

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