Positive Verstärkung: warum Leckerlis beim Training Sinn machen. [08|21]

Hund, Katze, Pferd: Training, Futterlob, Belohnung,
(c) Photo: JackieLou DL auf Pixabay

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Training, Futterlob, Belohnung, Hund, Katze, Pferd - News [31|08|21]

  • Der Einsatz von Leckerlis bei der Erziehung unserer Tiere ist ein Streitthema
  • Grund dafür sind eine Vielzahl von Missverständnissen 
  • Leckerlis haben eine wichtige Funktion. Sie verstärken erwünschtes Verhalten.
  • Vorausgesetzt sie werden richtig eingesetzt und das Timing stimmt 
  • Nahrung motiviert nicht nur Hund, Katze und Pferd, das gilt auch für andere Tierarten.
  • Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, auch wir Menschen werden durch Belohnungen  motiviert.

Futterlob ist bei der Erziehung unserer Haustiere leider noch immer umstritten. Während viele Menschen darauf schwören, lehnen andere den Einsatz von Leckerlies rigoros ab.  Warum es bei Hund, Katze und Pferd Sinn macht, bei der Erziehung Leckerlis einzusetzen, lesen Sie hier.

1. Leckerlis beim Training von Hunden:

Jeder Hund hat eine eigene sehr individuelle Persönlichkeit. Auch ist das Verhalten von Rasse zu Rasse verschieden. Je nachdem für welche Aufgaben eine Rasse gezüchtet wurde, sind auch genetische Veranlagungen zu berücksichtigen, die das Verhalten beeinflussen.

Es macht einen Unterschied mit einem Terrier oder beispielweise einem Jagdhund zu arbeiten. Manchen Hunden genügt pures Lob, sie wollen gefallen. Aus der Praxis weiss man jedoch, dass verbale und nonverbale Signale mit Futterlob schneller und nachhaltiger verankert werden können.

Bei vielen anderen Rassen sind Hundehalter*innen meist wesentlich mehr gefordert.  Die Hunde haben ihren eigenen Kopf und den setzen sie auch ein. Leckerlis können in der Erziehung, vorausgesetzt richtig eingesetzt, ein sehr hilfreiches Werkzeug sein. Was soll daran falsch sein, richtiges, erwünschtes Verhalten mit einem Leckerchen zu belohnen? 

1.1 Welche Funktionen Leckerlis haben:

  • Sie bestätigen richtiges Verhalten 
  • Sie motivieren erwünschtes Verhalten erneut zu zeigen
  • Sie steigern die Aufmerksamkeit des Hundes 
  • Sie erleichtern eine positive Kontaktaufnahme
  • Kauen wirkt in Stresssituationen bei allen Tieren entspannend.
  • Sie werden auch sehr erfolgreich in der Verhaltenstherapie eingesetzt

In der Natur muss jedes Lebewesen seine Fähigkeiten einsetzen, um zu Nahrung zu kommen. Leckerlis sind Nahrung. Für unsere Tiere ist der Erhalt von einem Leckerli, die logische Folge etwas richtig gemacht zu haben, um an Nahrung zu kommen. 

Die Liste "Pro Leckerlis" ließe sich noch weiter fortsetzen. Wissen sollte man dabei auch, dass eine Belohnung im falschen Moment auch unerwünschtes Verhalten verstärken kann. Aber keine Angst, auch dafür braucht es einige Wiederholungen.

Ein Leckerli ist die Antwort auf positives Verhalten und so sollte es im Idealfall auch eingesetzt werden. Auch wenn es einmal der "falsche" Moment ist, ist das keine Katastrophe. Schließlich gilt für Zwei- und Vierbeiner: "Übung macht die Meister*in"

1.2 Welches Leckerli für welchen Hund:

Was ein Leckerli ist und was nicht, darüber entscheiden immer noch unsere Hunde. Es macht Sinn die Vorlieben Ihres Hundes zu kennen. Was bringt sein Herz dazu höher zu schlagen?

  • Von Karotten bis Käse ein Leckerli kann vieles sein.
  • Im Heimtierbedarf gibt es zahlreiche Varianten, von hart bis weich, mit Fleisch oder auch vegetarisch.
  • TIPP: Trainier*innen empfehlen bei Hunden mit einem erhöhten Erregungslevel (sehr gestressten Hunden), den Einsatz einer Futtertube. Für Allergiker kann auch eine Tube selbst befüllt werden. Im Handel gibt es z.B. für Flugreisen leere Silikontuben.
  • Auch Leckerlis selber backen ist eine beliebte Variante. [Mehrwissen auf petdoctors: Ganz einfach: gesunde Lekerlis selber backen]

Wichtig ist:

  1. es soll ein gesunder Snack sein, 
  2. auf das Alter (Welpe oder Senior) und 
  3. die gesundheitlichen Vorgaben (z.B. Futterallergiker) abgestimmt sein
  4. der Situation angepasst und 
  5. praktisch zu handhaben sein

TIPP: Auch die Kalorien sollten Sie nicht außer Acht lassen. Behalten Sie die Menge der täglichen Snacks und Leckerlis im Zuge von Trainings im Auge. Sie sollten diese in die tägliche Futterration mit einberechnen.

1.3 Leckerlis ersetzen kein Lob oder Streicheleinheiten:

Für ein entspanntes und liebevolles Zusammenleben ist Lob unersetzlich. Mit ihm bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie sich über das gezeigte Verhalten freuen und es schätzen. Positives Feedback können Sie sowohl mit Worten als auch Streicheleinheiten vermitteln. Beachten Sie dabei auch immer die Körpersprache Ihres Hundes. [Mehrwissen auf petdoctors: Hundesprache verstehen lernen] Einem Hund auf den Kopf zu greifen, versteht er nicht als Lob.

Sich über Ihren Hund zu beugen und seinen Brustkorb zu „tätscheln“ ist nicht das, was ihr Hund unter einer liebevollen Streicheinheit oder Lob versteht. Ihr Hund kommuniziert Ihnen mit seiner Körperhaltung ganz genau, ob sich etwas gut oder weniger gut anfühlt. Die Hundesprache kennt zahlreiche „Calming Signals – Beschwichtigungssignale“, die zeigen was der Hund mag und was nicht. 

2. Leckerlis bei der Erziehung von Katzen:

Katzen sind eigenwillige Wesen, manche mehr und manche weniger. Viele Halter*innen von Stubentigern gehen daher davon aus, dass die Erziehung nicht möglich ist.

Zahlreiche Expert*innen sehen dies jedoch anders. Ihrer Meinung nach lässt sich ungewolltes Verhalten abtrainieren und neues erlernen. Geduld und Kreativität sind jedoch Grundvoraussetzung für den Erfolg. Oft kann es, bei unerwünschtem Verhalten, notwendig sein, einen Katzencoach zu kontaktieren. Denn nichts ist, wie es scheint.

Das Gefühlsleben und Verhalten unserer Katzen ist sehr komplex und scheint oft rätselhaft. [Mehrwissen: Alles über die Sprache der Katzen hier auf petdoctors]  Die Katzensprache zu erlernen, zahlt sich dabei aus.

Oft erschließt sich Katzenfreund*innen damit eine neue Welt und das Zusammeleben zwischen Samtpfote und ihrem Dosenöffner wird um einiges harmonischer. Denn es sind oft nur Kleinigkeiten, die große Wirkung haben, im positiven wie im negativen Sinn.

2.1 Welches Leckerli ist das richtige?

Katzen sind auch, was das Futter anbelangt, oft sehr mäkelig. Daher gilt es zuerst herauszufinden, was der Stubentiger besonders mag, bevor man mit dem Training beginnt. Es gibt leider auch Exemplare, die an den angebotenen Belohnungen absolut kein Interesse zeigen.

2.2 Haben Sie Geduld:

Manche Katzen sind sehr zugänglich für ein Training. Auch Clickertraining finden viele Katzen spannend. Grundsätzlich gilt, bleiben Sie geduldig und zuversichtlich. Befragen Sie lieber einen Katzencoach, bevor Sie die Nerven verlieren. Schreien oder bestrafen führt nie zum Ziel. Ihre Katze fühlt sich dadurch bedroht und zieht sich zurück. Schlimmstenfalls verlieren die Stubentiger das Vertrauen in ihre Besitzer*innen. Da sind Streicheleinheiten und Leckerlis, die die Samtpfote positiv bestärkten viel wirkungsvoller und für beide Seiten wesentlich beglückender.

3. Leckerlis auch bei der Arbeit mit Pferden:

Grundsätzlich ist Futter für Mensch wie Tier essentiell. In der Natur von allen Lebewesen liegt das Wissen, dass die Nahrungsaufnahme über Leben und Tod entscheidet. Könnten Pferde zwischen Streicheln oder Leckerlis als Belohnung wählen, würden sie deshalb vermutlich das Futter aussuchen. Daher sind Leckerlis auch ein gutes Werkzeig bei der Arbeit mit Pferden.

3.1 Wie so oft geht es um das Gewusst wie:

  • Auf der einen Seite sind Pferde von Leckerlies begeistert und sie lassen sich von ihnen durchaus motivieren.
  • Auf der anderen Seite können wir damit unsere Huftiere auch unter Stress setzen,
  • sowie falsche Signale senden. Dies kann der Fall sein, wenn wir in falschen Momenten oder auch zu viel füttern.

Belohnungshappen können somit sowohl mit einem positiven als auch negativen Effekt einhergehen. Je nachdem, welches Verhalten belohnt wird. Was hier zählt, ist das richtige Timing und der gezielte Einsatz von Leckerlis. Denn Futterlob funktioniert, allerdings nur, wenn man es richtig macht.

3.2 Was Sie jedenfalls beachten sollten:

  1. Pferde haben eine Reaktionszeit von wenigen Sekunden. D.h., belohnen Sie Ihr Tier zwei Minuten nach einer Leistung, bringt es das Leckerli damit nicht mehr in Verbindung. (Das gilt übrigens auch für unsere Hunde)
  2. Daraus resultiert: wenn Ihr Pferd feststellt, dass es einfach so Belohnungshappen bekommt, dann ziehen Sie sich ungewollt einen Bettler und Taschensucher heran.
  3. Bestenfalls lobt man sofort mit der Stimme und gibt schnellstmöglich das Leckerli.

3.3 Leckerlis für Pferde:

Ebenso, wie wir stets auf eine gesunde Ernährung unserer Tiere mit qualitätsvollem Futter achten, sollte das Augenmerk auch auf hochwertigen Leckerlies liegen. Online finden Sie ein umfangreiches Angebot zahlreicher auf Pferde spezialisierter Anbieter. Ein Beispiel zur Vielfalt von Pferdeleckerlis: Pferdeleckerlis von LEXA.