5 Tipps der Expertin: spielen mit Meerschweinchen

Meerschweinchen Expertin Dr. Marion Reich über das natürliche Spielverhalten der intelligenten Nager.
(c) Photo: www.meerschweinchenberatung.at, Dr. Marion Reich

Teilen

Verhalten, Spielen, meerschweinchenberatung.at - news 19/01/21

  • Tipps von petdoctors.at Expertin: Dr. Marion Reich Initiatorin der meerschweinchenberatung.at
  • Beim Spielen mit Meerschweinchen gilt es, ihr natürliches Spielverhalten zu berücksichtigen.
  • Meerschweinchen haben eine geringe Frustrationstoleranz.
  • Daher beim Spielen mit einfachem Spielzeug beginnen.
  • Sicherheit geht immer vor!
  • Meerschweinchen nie zu etwas zu zwingen, das ihnen keinen Spaß macht!

Mit Meerschweinchen spielt es sich anders als mit einem Hund oder einer Katze. Da Meerschweinchen keine Raubtiere sind, haben sie auch keinen Jagdtrieb, den man für spielerische Aktivitäten nutzen könnte. Das heißt aber nicht, dass man mit Meerschweinchen nicht spielen kann. Man muss dabei nur ihr natürliches Spielverhalten im Auge haben.

1. Das natürliche Spielverhalten als Basis: laufen, nagen, fressen

Spielen ist eine Möglichkeit für ein Lebewesen, Verhaltensweisen zu trainieren, die überlebenswichtig sind. Das Spiel hat bei Jungtieren daher immer auch eine Komponente des Lernens. Meerschweinchen zeigen in Vergleich zu anderen Haustierarten vergleichsweise wenig Spielverhalten. Aber auch junge Meerschweinchen spielen – in erster Linie Bewegungsspiele: Sie flitzen durchs Gehege, schlagen Haken, machen Luftsprünge. Das ist einerseits ein Zeichen übersprudelnder Lebensfreude, andererseits hilft es den Meerschweinchen aber auch, sich im Notfall auf eine schnelle Flucht vorzubereiten. Ein Teil des natürlichen Spielverhaltens von Meerschweinchen sind daher Laufspiele aller Art.

Meerschweinchen sind als Nagetiere aber auch begeisterte „Annager“. Nagen macht sowohl allein als auch in der Gruppe Spaß, beschäftigt die lebenslang wachsenden Zähne und hat außerdem noch eine beruhigende Wirkung auf die kleinen Fellnasen.

Die große Leidenschaft aller Meerschweinchen gehört aber dem Fressen – vom kleinsten Jungtier bis zum Senior im Greisenalter gewinnt man das Herz eines Meerschweinchens am besten durch Futter. Daher sind die meisten Beschäftigungsspiele für Meerschweinchen auch in irgendeiner Weise mit der Nahrungssuche und -aufnahme verbunden, zum Beispiel in Form von Leckerli-Suchspielen.

2. Platz und Abwechslung für ein glückliches Leben: der tägliche Freilauf

Wichtige Grundvoraussetzungen für eine tiergerechte Meerschweinchenhaltung sind ein geräumiges, gut gestaltetes Gehege und ein gewisses Maß an Abwechslung. Eine praktische Möglichkeit, dem Bewegungsbedürfnis gerade jüngerer Tiere gerecht zu werden und für vergnügliche Abwechslung im Alltag zu sorgen, ist der tägliche Freilauf im meerschweinchengerecht ausgestatteten Zimmer. Während das Gehege den gemütlichen und sicheren Kernlebensraum darstellt, geht es beim Zimmerfreilauf ums Erkunden und Entdecken. Denn auch das größte Gehege kann langweilig werden, wenn man nie eine Pfote aus den eigenen vier Wänden heraussetzen darf. Spätestens seit den Lockdowns der vergangenen Monate kann sich jeder Mensch ein Bild davon machen, was es bedeutet, den ganzen Tag nur zu Hause verbringen zu müssen. Das ist selbst in der größten und komfortabelsten Wohnung auf Dauer schwer zu ertragen.

3. Spielen für Anfänger: geringe Frustrationstoleranz

Aber ob während des Zimmerfreilaufs oder im Gehege – Spielideen machen auf jeden Fall Spaß. Zumindest wenn man einige grundlegende Dinge beachtet:

  • Meerschweinchen sind meistens schnell frustriert, wenn man ihnen zum Beispiel ein Leckerli-Suchspiel anbietet, das die Leckerlis nicht sofort preisgibt. Denn leider haben die gemütlichen Nager eine sehr geringe Frustrationstoleranz. Beginnt man die Spieleinheiten also mit einem herausfordernden Intelligenzspielzeug, hat man die vierbeinigen Mitspieler schneller verloren, als man schauen kann.
  • Ganz wichtig ist es daher, dass man das Spielvergnügen möglichst niederschwellig beginnt, zum Beispiel mit einem Schnüffelteppich oder einer selbst gebastelten Leckerli-Rolle aus der Papprolle einer Küchenrolle. In diese Papprolle kann man Löcher schneiden, die so groß sind, dass die Leckerlis bei der kleinsten Bewegung der Rolle herausfallen. So hat Schweinchen schnell ein Erfolgserlebnis und ist mit Freude und gutem Appetit bei der Sache. Ist diese erste Hürde genommen, kann man den Schwierigkeitsgrad des Spielzeugs langsam steigern. Eine kleine Hilfestellung durch den Menschen ist dabei durchaus nicht fehl am Platz, denn schließlich geht es beim gemeinsamen Spielen nicht nur um die Beschäftigung, sondern auch um eine Stärkung der Beziehung zwischen den Meerschweinchen und ihrer menschlichen Bezugsperson.
  • Natürlich darf man diese Spielideen nicht zu oft zum Einsatz bringen. Erstens kann sich dann wieder langweilige Gewohnheit einstellen, wenn man jeden Tag das gleiche Spiel spielt. Aber zweitens schlagen sich die Leckerlis auch auf die Linie. Daher immer mit Augenmaß und einer gewissen Zurückhaltung spielen, denn Meerschweinchen sind Bettler mit großer Ausdauer. Man kann beim Spielen auch kleine Gemüsestückchen verwenden. In jedem Fall sollte nur Futter zum Einsatz kommen, das von allen Spielern gut vertragen wird.

4. Immer auf Nummer Sicher gehen!

Ganz wichtig ist es auch, das angebotene Spielzeug auf Sicherheit zu überprüfen bzw. die Meerschweinchen nicht alleine mit Dingen spielen zu lassen, die zum Beispiel aus Kunststoff gefertigt sind. Meerschweinchen können recht einfallsreich sein, wenn es darum geht, Dinge anzunagen, die sie nicht annagen sollten, oder sich in Schwierigkeiten zu bringen, wenn die Möglichkeit dazu besteht. Daher sollte man Meerschweinchen mit neuen Einrichtungsgegenständen oder neuem Spielzeug zunächst immer im Auge behalten, denn die gut gemeinte Abwechslung soll nicht zu unnötiger Aufregung oder vielleicht sogar einem Tierarztbesuch führen.

5. Und die Spielverweigerer?

Haben Sie ein Meerschweinchen in Ihrer Gruppe, das sich für Spiel und Spaß so gar nicht begeistern lässt?
Auch das kommt vor. Meerschweinchen sind ausgeprägte Individualisten und viele neigen sehr zur Philosophie der Couch-Potatos. Es gibt also durchaus Schweinchen, die sich nicht davon überzeugen lassen, dass ein Sinn dahintersteckt, eine Rolle oder Kugel durch die Gegend zu rollen, um an ein Leckerli zu kommen, wenn das Heu gleich daneben doch auch gut schmeckt.

Es ist zwar so, dass viele Meerschweinchen nur deshalb nicht spielen wollen, weil das Spiel sie gleich zu Beginn frustriert hat und daher keinen Spaß macht. Aber wenn Sie mit etwas ganz Grundlegendem begonnen haben und Schwein trotzdem nicht mitspielen will, akzeptieren Sie es einfach. Denn Meerschweinchen lassen sich nicht zum Spielen zwingen und dürfen beim Spielen im Sinne des Tierschutzes auch nie zu etwas gezwungen werden, das sie nicht freiwillig machen wollen. Denn das wäre kein Spiel, sondern Tierquälerei!

6. Weitere Informationen zum Spielen mit Meerschweinchen

finden Sie in der Webinaraufzeichnung Mehr Abwechslung im Meerschweinchenleben“ auf www.meerschweinchenberatung.at.

 

Zur Autorin Dr. Marion Reich:

Dr. Reich ist Initiatorin der Seite meerschweinchenberatung.at. Diese Plattform hat zum Ziel, Informationen zu Meerschweinchen, ihrer Haltung, ihrem Verhalten, Aspekte der Zucht und des Einsatzes von Meerschweinchen in tiergestützter Pädagogik und Therapie und anderen Themen rund ums Meerschweinchen zur Verfügung zu stellen.