Eine Kaninchenfamilie zieht ein: 5 Tipps der Expertin

Expertin des TSA gibt Tipps zur Kaninchenhaltung
(c) Photo: Alexas_Fotos auf Pixabay

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TSA, Tierschutz Austria, Kaninchenhaltung - news 21/01/21

Kaninchen sind beliebte Haustiere. Im Kleintierhaus des TSA in Wien Vösendorf warten viele dieser quirligen Gesellen in allen Farben, Formen und Rassen auf neue Besitzerinnen und Besitzer. Doch die Haltung erfordert Know-how und Feingefühl.

1. Zur natürlichen Lebensweise von Kaninchen:

In freier Natur wird zwischen Feldhase oder Feldkaninchen unterschieden.

  • Europäische Wildkaninchen sind gesellige Tiere, die in großen Kolonien leben. Sie graben komplexe Tunnel- und Höhlensysteme in die Erde.
  • Der Feldhase dagegen ist ein Einzelgänger, der sein Leben ausschließlich oberirdisch verbringt. Der Hase kommt nur selten zur Ruhe: Wenn er schläft, dann tagsüber in einer Mulde.
  • Die Hauskaninchen, die als Heimtiere gehalten werden, stammen von den Wildkaninchen ab, darum würden sie natürlich auch gerne so leben, wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn.

2. Alles für die Ankunft Indroor & Outdoor vorbereiten:

Hauskaninchen brauchen viel Platz und ein Freigehege wäre am besten für eine artgerechte Haltung. Ein Gehege zu Hause muss für zwei Tiere mindestens eine Fläche von 4m² haben. Sämtliche im Handel angebotenen Käfige empfinden wir als zu klein. Wenn man den Kaninchen ein Gehege auf mehreren Etagen anbieten möchte, muss man darauf achten, dass sie sich auf jeder Etage aufrichten und auf zwei Beinen stehen können.

Kaninchen wollen herumhoppeln, graben und sich verstecken, daher sollte man auf folgende Einrichtungsgegenstände im Gehege besonderen Wert legen:

Innengehege:

  • Holz und Äste zum Nagen 
  • Erdspielplatz zum Graben
  • Tunnel und Häuschen
  • Erhöhter Aussichtsplatz

Außengehege:

  • Winterfestes und vor Raubfeinden gesichertes Häuschen
  • Engmaschiges Gitter, das mindestens einen Meter tief in den Boden gegraben ist
  • Bei jungen Tieren oder kleinen Kaninchenrassen ein Netz zum Schutz von Greifvögeln, Mardern oder anderen kleinen Räubern über das ganze Außengehege.
  • Sonnenschutz (Kaninchen sind hitzeempfindlich)
  • Holz und Äste zum Nagen
  • Tunnel zum Verstecken und Ausruhen 

3. Zur Haltung: damit sich Kaninchen richtig Wohl fühlen:

Kaninchen sind sehr gesellig. Ein Kaninchen darf laut dem österreichischen Tierschutzgesetz nicht alleine gehalten werden. Sie brauchen mindestens einen Artgenossen, um glücklich zu sein. Kaninchen haben eine Lebenserwartung von ca. 10 Jahren. Stirbt ein Kaninchen, dann muss ein altersentsprechender Artgenosse für das zurückgebliebene Tier gesucht werden.

4. Zur Ernährung: Vielfalt ist angesagt

Die Kaninchen beschäftigen sich den ganzen Tag über mit Fressen und brauchen daher für eine gesunde Verdauung

  • Heu rund um die Uhr qualitativ einwandfrei, rohfaserreich und energiearm.
  • Körner oder Trockenfrüchte dürfen nur in geringen Mengen und nur hin und wieder gegeben werden, auf keinen Fall immer in einer Schüssel im Käfig anbieten.
  • Wiesenpflanzen und ein wenig Gemüse bringen Abwechslung in den Speiseplan, hier ein paar Beispiele: Gurke, Karotte, Paprika, Maiskolben (inkl. der Blätter um den Kolben), Apfel, Salat, Rucola, Fenchel, Sellerie, Radiccio, Chirccoree, Petersilie, Dille, Löwenzahn (nicht nur die Blätter, auch die Blüten), Spitzwegerich, Girsch
  • Frisch geschnittenes Gras inkl. Wiesenblumen oder Klee,
  • Frische Äste und Blätter
  • Kaninchen fressen manchmal ihren eigenen Kot. Der sogenannte Blinddarmkot enthält viel Vitamin B. Er besteht aus kleineren Kotkügelchen als der normale Kot, ist aber nicht leicht zu erkennen. Kaninchen halten sich mit dem fressen des Blinddarmkots gesund, daher sollte man das auf gar keinen Fall unterbinden.

5. Zur Krallenpflege: Vorsicht ist geboten

Man sollte die Krallen von Kaninchen regelmäßig überprüfen, ob sie nicht zu lang werden. Selber kürzen ist möglich, doch mit höchster Vorsicht, da die Krallen bis weit in die Spitze durchblutet sind und man nur soweit schneiden darf, dass keine Blutgefäße erreicht werden. Wenn Krallen zu weit geschnitten werden und bluten, kann es für das Kaninchen sehr schmerzhaft werden.

6. Keine Wohngemeinschaft mit Meerschweinchen: Sprachprobleme & Stress

Kaninchen und Meerschweinchen sind wenig geeignet eine Wohngemeinschaft zu bilden. Beide Tierarten haben eine unterschiedliche Körpersprache:

  • Kaninchen kuscheln gerne miteinander.
  • Meerschweinchen drängen sich zusammen, wenn sie Angst haben, ansonsten suchen sie selten körperliche Nähe.

Hält man ein Kaninchen und ein Meerschweinchen zusammen und ein Kaninchen fühlt sich wohl und will sich zu seinem Wohnungsgenossen kuscheln, dann erschrickt das Meerschweinchen jedes Mal, da es irgendwo eine Gefahr vermutet. Damit wird sich die Lebensdauer des Meerschweinchens erheblich reduzieren.

7. Mehrwissen über Kaninchen: