Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere.

Meerschweinchen sind Fluchttier und hassen es hoch gehoben zu werden.
(c) www.meerschweinchenberatung.at, Marion Reich
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Fluchttiere/Schreckstarre/Individualdistanz/Streicheln - news am 25. Mai 2020

  • Meerschweinchen sind in 1. Linie Haustiere zum Beobachten,
  • nicht zum Streicheln, Kuscheln oder Spielen.
  • Sie suchen kaum direkten Körperkontakt zu anderen Meerschweinchen.
  • Sie beanspruchen auch im Rudel persönlichen Freiraum.
  • Sie sind Fluchtiere und
  • möchten daher immer mit ihren Füßen am Boden bleiben.

 

Auch wenn Meerschweinchen noch so putzig aussehen und auch heute noch den Ruf des idealen „Kindertiers“ haben, sind sie keineswegs Tiere, mit denen man gut kuscheln oder spielen kann. Denn Meerschweinchen sind sensible Fluchttiere, deren Vertrauen man langsam gewinnen muss.

1. Leider noch immer verhängnisvoller Ruf als „Kindertier“

Woher haben Meerschweinchen eigentlich ihren Ruf als ideales „Kindertier“? Abgesehen von ihrem Aussehen, das tatsächlich ein bisschen an ein lebendiges Stofftier erinnert, und der Tatsache, das selbst ein wütendes Meerschweinchen einem Kind keinen großen Schaden zufügen kann, haben sie so gar keine Eigenschaft, die man bei einem „Kindertier“ erwarten würde.

  1. Sie lassen sich mäßig gerne streicheln. 
  2. Sie haben keine Vorliebe dafür, hochgehoben und auf dem Schoß gehalten zu werden. 
  3. Sie hassen es wie die Pest, wenn man sie herumträgt. 
  4. Mit einem Meerschweinchen kann man auch nicht wirklich spielen,  wie es ein Kind erwarten würde.

Insofern ist es kein Wunder, dass viele Kinder bald das Interesse an den kleinen Nagern verlieren, die nun einmal nicht die pflegeleichte Miniatur-Variante eines Hundes oder einer Katze sind. Dafür entdecken immer mehr Erwachsene ihre Liebe zu Meerschweinchen.

2. Meerschweichen kuscheln sich nur bei Kälte oder Gefahr aneinander 

Auch wenn Meerschweinchen noch so süß aussehen, eines sind sie ganz sicher nicht – nämlich Kuscheltiere. Erwachsene Meerschweinchen zeigen kaum direkten Körperkontakt, solange sie sich nicht kollektiv fürchten oder ihnen kalt ist.

Jedes Meerschweinchen besteht auf einem gewissen Raum um sich herum, den andere Meerschweinchen (und der Mensch) zu respektieren haben. Unterschreitungen dieser Individualdistanz können schon einmal zu einem Kontakt mit den Zähnen des Meerschweinchens führen.
 

3. Schreckstarre ist Verhalten bei Angst: Sitzen bleiben, heißt nicht: ich genieße das!

Da Meerschweinchen einem Fressfeind nicht viel entgegensetzen können, suchen sie meistens ihr Heil in der Flucht oder versuchen durch Erstarren quasi mit dem Untergrund zu verschmelzen. Für eine erfolgreiche Flucht brauchen sie immer guten Kontakt ihrer kurzen Beinchen mit dem Boden.

Daher schätzen Meerschweinchen es gar nicht, wenn sie hochgehoben werden, denn sie fühlen sich der Situation hilflos ausgeliefert. Das führt dazu, dass die Tiere in Schreckstarre verfallen und scheinbar alles (oder sehr viel) mit sich machen lassen.

4. Entspannter Kontakt ist möglich,  aber nur zu den Bedingungen des Meerschweinchens

Meerschweinchen können zwar durchaus lernen, sich im direkten Kontakt mit dem Menschen zu entspannen und machen im Idealfall auch schon einmal ein entspanntes Nickerchen am Schoß, aber viele Tiere verfallen in einer solchen Situation einfach in eine Schreckstarre und sind weit davon entfernt, den direkten Kontakt zu „genießen“.
 
Leider hat der Mensch eine besondere Vorliebe dafür, allerlei anzufassen, hochzuheben und mit sich herumzutragen. Weicher Pelz hat außerdem eine magische Anziehungskraft auf die meisten menschlichen Hände und löst so etwas wie einen „Streichelreflex“ aus.

Wobei es durchaus Meerschweinchen gibt, die ein gewisses Maß an Streicheln auch im Gehege gut tolerieren. Und es kommt natürlich auf das richtige Streicheln an.

5. Do's und Don'ts beim Streicheln

Kaum ein Meerschweinchen-Weibchen schätzt es, wenn es am hinteren Rücken gestreichelt wird. Ein Kraulen im Bereich der Ohren und Wangen, manchmal auch der Kehle kommt dagegen oft besser an, weil sich auch Meerschweinchen gegenseitig in diesem Bereich liebkosen. Ein ständiges Streicheln gegen den Strich können besonders Rosetten-Meerschweinchen gar nicht leiden.

6. Grundsätzlich gilt: besser beobachten als angreifen.

Auch wenn es wichtig ist, Meerschweinchen an den direkten Kontakt mit dem Menschen zu gewöhnen, damit das ungewohnte Handling im Krankheitsfall nicht noch zu zusätzlichem Stress führt, sind Meerschweinchen doch mehr Tiere zum Beobachten als zum ständigen Anfassen. Mit einer ausreichenden Portion Geduld und mit Futter als Draufgabe sind schon die besten Freundschaften zwischen Mensch und Meerschweinchen entstanden.

 

Zur Autorin Dr. Marion Reich

Dr. Reich ist Initiatorin der Seite meerschweinchenberatung.at. Diese Plattform hat zum Ziel, Informationen zu Meerschweinchen, ihrer Haltung, ihrem Verhalten, Aspekte der Zucht und des Einsatzes von Meerschweinchen in tiergestützter Pädagogik und Therapie und anderen Themen rund ums Meerschweinchen zur Verfügung zu stellen.

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