Wenn die Hündin läufig wird: Hormone, Zyklen, Kastration [07|21]

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Gebärmutter, Östrus, Läufigkeit, Zyklus, Hormone, Kastration - Update: [16|07|21]

  • Die Läufigkeit ist ein natürlicher, durch Hormone gesteuerter Vorgang
  • der bei Hündinnen bis zu zwei Mal pro Jahr auftritt
  • Sie tritt mit der Geschlechtsreife ein zwischen dem 6. und 12. Monat ein
  • Bei großen Rassen tritt sie erst mit 2 Jahren ein

1. Wann die erste Läufigkeit stattfindet:

Die Hündin wird zwischen 6 und 12 Monaten in der Pubertät geschlechtsreif. Bei kleinen Rassen tritt die Läufigkeit oft schon mit 6 Monaten, bei großen Rassen erst mit 2 Jahren ein. Zum Zeitpunkt der ersten Läufigkeit hat die Hündin ihr ausgewachsenes Gewicht erreicht. Wird eine Hündin schlecht gefüttert und ist in ihrem Wachstum verzögert, tritt auch die Läufigkeit später ein.

2. Was man als stille Läufigkeit (Split Östrus) bezeichnet:

Trotz Ablauf des Hormonzyklus sind keine äußeren Anzeichen, wie Ausfluss, sichtbar. Zeitweise treten auch Läufigkeitssymptome auf, die aber bereits nach einigen Tagen wieder verschwinden.

3. Zum Verlauf der Läufigkeit:

3.1 Proöstrus- Vorbrunst:

Dauer zwischen 3 und 17 Tagen. Die Vulva schwillt an, blutiger Scheidenausfluss wird sichtbar. Rüden sind bereits interessiert, doch die Hündin weicht noch aus.

3.2 Östrus- Brunst:

Dauer zwischen 3 und 21 Tagen. Die Hündin ist deckbereit, bleibt bei Annäherung eines Rüden stehen und dreht den Schwanz zur Seite. Die Schwellung bildet sich zurück, der Ausfluss wird schleimig, wässrig.

Zwischen dem zweiten und vierten Tag des Östrus finden mehrere Eisprünge statt.

3.3 Metöstrus- Nachbrunst:

Die Läufigkeitssymptome klingen ab, der Ausfluss verschwindet. An den Eierstöcken bilden sich Gelbkörper, die Progesteron produzieren und die Gebärmutter auf die Aufnahme des Embryos vorbereiten. Tritt keine Trächtigkeit ein, wird der Gelbkörper nach 12 Wochen abgebaut. Der Progesteronspiegel sinkt ab, durch die Ausschüttung von Prolaktin wird die Milchbildung angeregt. Die Hündin wird scheinträchtig. Sie baut ein Nest und betrachtet Spielzeug als Welpen.

3.4 Anöstrus- Ruhephase:

Dauer: mehrere Wochen oder Monate. Die Hündin zeigt keine äußeren Anzeichen von Läufigkeit.

Im Übergang zum Proöstrus bilden sich wieder Eibläschen an den Eierstöcken, in denen Eizellen reifen.

4. Verhalten während der Läufigkeit:

Die Hündin setzt oft Harnduftmarken ab, um Rüden auf sich aufmerksam zu machen. Manche Hunde entfernen sich weiter vom Besitzer, andere sind sehr anhänglich. Ruhelosigkeit wechselt mit Melancholie.

5. Wie kann man in die Läufigkeit eingreifen:

5.1 Der Natur ihren Lauf lassen:

Vorteil: keine medikamentösen oder operativen Eingriffe

Nachteil: bestimmte Erkrankungen, Mammatumore, Pyometra treten häufiger auf. Die Aggression gegen andere Hündinnen kann gesteigert sein.

5.2 Hormon-Injektionen:

Ein Depot- Progesteron, das alle 3- 6 Monate injiziert wird, unterdrückt die Läufigkeit. Die erste Injektion kann frühestens drei Monate nach der ersten Läufigkeit erfolgen.

Vorteil: keine Probleme durch Scheinträchtigkeit oder Verschmutzungen mit Blut, kein chirurgischer Eingriff

Nachteil: durch die Injektionen erhöht sich das Risiko, an Diabetes, Mammatumoren oder Pyometra, zu erkranken, stark. Die Termine für die Injektionen müssen genau eingehalten werden.

5.3 Kastration:

Die Eierstöcke und die Gebärmutter werden entfernt.

Vorteil: keine weiteren Probleme mit Läufigkeit oder Scheinträchtigkeit

Nachteil: Nach der Operation kann, vor allem bei großen Rassen, durch Senkung des Beckenbodens Harninkontinenz auftreten. Das Fell verändert sich, wird weicher und zarter, manchmal treten an den Seiten haarlose Stellen auf. Das Futter muss angepasst werden, da aufgrund der veränderten Hormonsituation Energie besser verwertet wird.

5.4 Frühkastration:

Der operative Eingriff erfolgt bereits vor Erreichen der Geschlechtsreife.

Vorteil: da die erste Läufigkeit nicht stattfindet, bildet sich kein Milchdrüsengewebe. Es können später keine bösartigen Mammatumoren entstehen. Harnträufeln tritt nur selten auf.

Nachteil: Die Entwicklung eines artgerechten Verhaltens kann gestört sein.

6. Was Sie tun können, wenn Ihre Hündin läufig wird:

  1. Vermeiden Sie Hundeauslaufplätze.
  2. Führen Sie die Hündin nur angeleint ins Freie.
  3. In der Wohnung schützt das Tragen von Läufigkeitshöschen vor Verschmutzungen.
  4. Achten Sie auf zu lang anhaltenden, schlecht riechenden Ausfluss, dieser könnte auf eine Entzündung der Gebärmutter hinweisen.
  5. Vermehrte Wasseraufnahme ist ein absolutes Alarmzeichen, es könnte eine Pyometra vorliegen. Suchen Sie bitte sofort einen Tierarzt auf.
  6. Während der Scheinträchtigkeit sollte Spielzeug weggeräumt werden. Achten sie darauf, dass die Hündin die Zitzen nicht beleckt. Lecken regt die Milchproduktion an.
  7. Suchen Sie bei starker Scheinträchtigkeit eine Tierärztin oder einen Tierarzt auf.