Der Tumor ist vor allem bei Hunden in südlichen Ländern weit verbreitet.
(c) Foto: christels auf Pixabay

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Das Sticker Syndrom: infektiöser Tumor bei Hunden

Tumor/Geschlechtsorgane/Immunsystem/Chemotherapie/Bestrahlung - News am 14. Oktober 2020

  • Das Sticker Syndrom wird von Hund zu Hund übertragen.
  • Eine Ausbreitung des Tumorgewebes hängt von der Stärke des Immunsystems ab
  • Die Übertragung erfolgt durch den Deckakt und Belecken von Tumorstellen
  • Bei 5 – 17 % der Hunde bilden sich Metastasen
  • Bei 20 % der Hunde bildet sich der Tumor spontan zurück

Das Sticker Syndrom ist ein bei Rüden und Hündinnen auftretender infektiöser Tumor der äußeren Geschlechtsorgane. Entdeckt wurde es bereits 1876 von dem russischen Tierarzt Nowinski. Der Tumor ist vor allem bei Hunden in südlichen Ländern weit verbreitet. Durch den Import von Hunden und eine verstärkte Reisetätigkeit wurde der Tumor auch in Nord-Europa verbreitet.

1. Übertragung des Sticker Sarkoms: 

Das Sticker Sarkom wird während des Deckakts übertragen. Eine Übertragung auf andere Hunde findet auch durch Belecken der befallenen Stellen statt. Die Tumorzellen setzen sich in kleinen Verletzungen der Schleimhaut fest und lösen eine Immunantwort aus.

Bei Hunden, die über ein gutes Immunsystem verfügen, kann sich der Tumor spontan zurückbilden. Bei Hunden mit einem schwachen Immunsystem oder Junghunden kommt es zu einer Metastasierung, der Tumor breitet sich aus.

2. Symptome:

Bei Rüden sind das Präputium und der Penis betroffen, bei Hündinnen die Vulva und Vagina.

  1. Der Tumor kann sich allerdings auch in der Nasenschleimhaut festsetzen.
  2. Die Geschwüre wachsen blumenkohlartig.
  3. Ihre Größe beträgt bis zu fünf Zentimeter.
  4. Primäre Tumoren können sich auch auf der Schleimhaut des Anus und des Mundes befinden. 
  5. Aus den Geschlechtsorganen wird ein blutiger und eitriger Ausfluss ausgeschieden.
  6. Bei einer Metastasierung werden vor allem der Hodensack und die Leistenlymphknoten von den Tumorzellen befallen.
  7. Selten werden Metastasen in der Lunge, den Augen oder dem zentralen Nervensystem gefunden. 

3. Diagnose

Die Diagnose wird durch eine Biopsie gestellt. Die Rundzellen der Tumorzellen und des gesunden Gewebes unterscheiden sich in der Anzahl der Chromosomen.

  • Tumorzellen besitzen nur 57 – 62 Chromosomen.
  • Gesundes Gewebe verfügt über 78 Chromosomen.

4. Therapie

Nach einer chirurgischen Entfernung treten oft Rezidive auf. Eine wöchentliche Chemotherapie mit Vincristin über vier bis sechs Wochen führt meistens zu einer Rückbildung des Tumorgewebes. Die Erfolgsrate liegt bei 95 %. Auch Bestrahlungen des Tumors sind erfolgreich. Durch Interferon wird das Immunsystem gestärkt.

  • Chemotherapie mit Vincristin 
  • Bestrahlung
  • Kastration
  • Paramunitätsinducer, wie Interferon

5. Vorbeugung:

Lassen Sie die Hunde vor einer Paarung von einem Tierarzt untersuchen. Wenn bei Ihrem Hund einmal ein Sticker Sarkom aufgetreten ist, sollten Sie in regelmäßigen Abständen den Genitalbereich auf Schwellungen und Ausfluss überprüfen. Ist nach einem Jahr kein Rezidiv aufgetreten, gilt Ihr Hund als geheilt.

6. Die Geschichte des Sticker Sarkoms

Auch wenn der Tumor bei verschiedenen Hunden auf der ganzen Welt vorkommt, sind die Zellen des Tumorgewebes genetisch identisch. Sie stammen von einem Wolf oder einem Hund aus Ostasien ab, der vor ungefähr 4000 bis 8500 Jahren gelebt hat. Vor 500 Jahren konnte sich das Krebsgewebe mit den Seefahrern auf allen Kontinenten der Erde ausbreiten. Die Krebszellen werden von Hund zu Hund übertragen und überlisten nach der Ansteckung das Immunsystem, damit sie nicht abgestoßen werden. Im Lauf der Jahre haben in den Tumorzellen zahlreiche Mutationen stattgefunden, die vor allem durch UV-Strahlen der Sonne verursacht werden. So sind, zum Beispiel, die Mutationen bei Hunden, die am Äquator leben, häufiger anzutreffen als bei Hunden in nördlichen Regionen. Obwohl das Krebsgewebe über viele Jahrhunderte erfolgreich in seiner Verbreitung war, haben sich auch viele schädliche Mutationen angereichert. Langsam verschlechtert sich die Überlebenschance des Krebsgewebes. Forscher der University of Cambridge nehmen an, dass das Sticker Sarkom irgendwann vollständig verschwinden wird. (University of Cambridge, Fachartikel: Science, doi: 10.1126/science.aau9923)