Tellington TTouch: auf Tuchfühlung mit den wilden Yowawas
(c) Petdoctors.at: Chilla & Cleo

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Tellington TTouch: der Wolf im Schafspelz oder wenn Yowawas Kreide fressen - Folge 3

Verhalten, Tellington TTouch, Gudrun Thaller, Folge 3 - News 22/03/21

 

Bevor es jetzt zu einem stillen Aufschrei, liebe Leser*innen, kommt. Nein, unsere beiden Damen Chilla und Cleo fressen keine Kreide. Ich meine das natürlich nur sprichwörtlich*) Obwohl; wenn sie hungrig sind? Nein, das würden sie niemals tun … Sie fressen nur geklaute Schmerzmittel aus der Blisterpackung und verursachen damit einen Rettungseinsatz ihrer „Eltern“. Sie mögen aber auch Bio-Bananen-Kuchen, den wir für unsere Hundetrainerin liebevoll verpackt in der Küche deponiert haben. Auch der Teller Vanillekipferln von unseren Nachbarn war offensichtlich nach ihrem Geschmack. Wie sie an die Sachen herankommen? Wir haben schon darüber diskutiert, Kamerasysteme zu installieren. Denn eigentlich hätte es für unsere Chilla vulgo „vierbeinige Elster“ nicht möglich sein sollen, all das zwischen ihre Zähne zu bekommen.  Aber zu den kleptomanischen Anwandlungen unserer Chilla kommen wir ein anderes Mal.  
 
Zurück zum Ort des Geschehens, dem Tellington TTouch Coaching mit Gudrun Thaller. In Folge 1 und Folge 2 von „Chilla & Cleo wollen es wissen“ hat Gudrun das Vertrauen der beiden Amazonen**) im Taschenformat gewonnen. Eine echte Herausforderung, der wir mit gewissen Vorbehalten begegnet sind. Aber Gott sei Dank, nix ist passiert. Gudrun ist nach wie vor unverletzt und hat die Herzen der beiden Damen erobert.
 
Nach dem Erstkontakt muss Gudrun nun ihren Standort wechseln. Und zwar von der Couch auf den Boden. In der Regel löst Aufstehen bei unseren Damen Aufregung und Gekläffe aus. Jedoch nicht bei Gudrun. Sie arbeitet mit magischen Stangerln. Psychopharmaka für Hunde? Nein, natürlich nicht! Es sind sehr schmackhafte Kau-Stangerln, die alle 5 Sinne der Hundedamen beschäftigen. Kauen beruhigt die Hunde. Sie sind völlig auf ihre Beute konzentriert. Genau diesen Umstand nützt Gudrun zum unaufgeregten, langsamen Ortswechsel. Dabei beobachtet sie die beiden Damen. Cleo hat sich sofort auf das nächst liegende „Platzerl“ zurückgezogen und kaut. Chilla ist völlig unentschlossen und läuft mit ihrem Stangerl von einem „Platzerl“ zum andern. Bis sie sich endlich entschließt, hat ihre Schwester schon das halbe Stangerl verputzt. Gudrun sitzt inzwischen schon am Boden, beobachtet ihr Verhalten und wartet auf die erste Hundedame.

Während unsere Vierbeiner*innen mit Kauen beschäftigt sind, holen wir uns Tipps vom Coach:

Können wir den magischen Kau-Stangerl-Effekt auch nützen, wenn Gäste kommen? Da muss ich Euch leider enttäuschen. Denn die Aufregung ist viel größer, wenn mehrere Gäst*innen kommen. Es läutet mehrmals an der Türe, es herrscht viel mehr Bewegung. Der Adrenalinspiegel der Hunde ist damit viel höher. Da reicht ein Kau-Stangerl wohl nicht mehr zur Beruhigung. Ihre Worte schalten bei mir sofort das Kopfkino ein: Ein normales Kau-Stangerl nicht, aber vielleicht eine XXXL unwiderstehliche Super-Stangerl-Variante für lange Abendessen? Nur müffeln sollte das XXXL Stangerl nicht. Wie könnte ein solches XXXL-Stangerl wohl aussehen? Ich bin absolut nicht mehr bei der Sache, das bemerkt offensichtlich Gudrun und reißt mich aus meinen Gedanken.

Wenn schon kein XXXL-Kau-Stangerl, dann muss wohl eine andere Lösung her

Die Lösung lautet „Platztraining“ und ist sowohl In- als auch Outdoor einsetzbar, wenn es gut eingeübt ist. Es gilt, den Hundeplatz, die Hundedecke zur heiß geliebten Sicherheitszone zu machen. Ein Ort, ein Platz, eine Decke auf der er liegen bleibt, auch wenn es um ihn herum rund geht. Gudrun erkundigt sich, welcher Hund auf welchem Platz liegt. Jetzt müssen wir sie leider enttäuschen, unsere drei Hunde - Chilla und Cleo haben noch einen großen Bruder, den Staff-Mix Amigo – und sind ständige „Platzwechsler“. Je nachdem, wo es gerade richtig erscheint, lassen sie sich nieder. Keine gute Ausgangsbasis für ein Training.

Grundsätzlich geht es in unserem Fall darum, dass jede unserer Hundedamen einen Platz erhält

  1. von dem sie alles gut beobachten kann, 
  2. wo sie sich sicher fühlt beispielsweise an einer Wand. 
  3. auf den sie mit einem Signal (z.B: Signalwort „geh auf den Platz“ oder ein bestimmtes Handzeichen – bzw. beides in Kombination) geschickt werden, 
  4. auf dem sie liegen bleibt, egal, was um sie herum passiert.

„Platz- oder Deckentraining“ mit dem Ziel, dass die Fellnase auch gerne dort bleibt:

das muss natürlich trainiert werden und das geht so:

Stufe 1:

Unser Ziel: Unsere Hundedame Cleo soll das Signal „Cleo, geh auf den Platz“ oder besser kürzer "Cleo, geh am Platz" verstehen und richtig umsetzen. Wichtig ist, dass sie das gerne und mit Freude tut.

Unsere Tipps:

  • Am Anfang ist es gut, in der Nähe des Hundeplatzes zu sitzen und sich nicht wegzubewegen. Ein gutes Trainingsumfeld dafür ist das Homeoffice, wenn man am Schreibtisch sitzt oder am Feierabend, wenn man entspannt beim Fernsehen oder Lesen sitzt. 
  • Der Hund sollte seinen Platz lieben und mit Freude dorthin gehen und auch gern dort bleiben. Auch das kann man ganz einfach üben. Egal ob es eine Decke, ein Plüschpolster, ein Körberl oder eine Hundebox ist. Also machen wir den Aufenthalt möglichst schmackhaft. Immer wenn der Hund freiwillig (ohne das Signal „geh auf den Platz“) auf seinen Platz geht, hat er ein positives Erlebnis. Er findet dort ein Leckerli, ein Kau-Stangerl, eine Karotte, etwas das er mag und Sie vorher unauffällig dort versteckt haben. 
  • Er wird seinen Platz lieben lernen und möglichst oft dort sein wollen.

Stufe 2:

Unser Ziel: die Kau-Stangerln oder Kau-Knochen werden nur am Platz gegessen. Damit erhält der Platz eine noch wichtigere Bedeutung für den Hund. Trägt der Hund sein Kau-Stangerl woanders hin, schicken Sie ihn mit dem Signal „Geh auf den Platz“ (kürzer: geh am Platz) zurück auf seinen Platz.  (Wenn das nicht funktioniert, empfehlen wir Ihnen diese Übung mit einer Hundetrainer*in aufzubauen. DENN kein Hund schätzt es, wenn Sie ihm sein Stangerl, seine Beute, wieder wegnehmen, um es auf den Platz zurück zu legen.) WICHTIG: Bedrohen Sie Ihren Hund niemals mit Ihrer Körperhaltung oder mit der Stimme, werden sie niemals laut. Zwang hat immer die gegenteilige Wirkung und ist schlecht für Ihre Beziehung zu Ihrer Fellnase. Sie sind seine Beschützer*in, an der sein ganzes Herz hängt. Deshalb tut sie/er, was sie sagen, weil sie weiß, dass das gut für sie ist! Bitte vergessen sie das nie, ihr Hund wird es ihnen mit noch mehr Liebe danken.

Unsere Tipps:

  • Wichtig ist, dass Ihr Hund die Kau-Stangerln (… kann auch ein gefüllter Kong oder eine Schleckmatte sein) immer, ohne Ausnahme, auf seinem Platz frisst (fressen darf). Das ist die Vorbereitung, die Voraussetzung dafür, dass er das auch tun wird, wenn Gäste kommen. 
  • Achten Sie darauf, dass der Platz des Hundes auch an einem Ort steht, der gerne angenommen wird. Meidet ihr Hund den Platz im Alltag, suchen Sie einen für ihn besseren Platz

Stufe 3:

Unser Ziel: Das Signal „Geh auf den Platz“ aktiv üben und richtiges Verhalten positiv bestärken.

Unsere Tipps:

  • Achten Sie dabei auf Ihre Körpersprache. Was Sie keinesfalls tun sollten: „Geh auf den Platz“ sagen und gleichzeitig davor stehen, den Körper Richtung Hund wenden und ihm in die Augen sehen. Das sind alles Signale, die Ihr Hund als absolute Bedrohung empfindet. Sie sagen in seiner Sprache: „Geh weg, trau Dich ja nicht her …“ und genau das wird er auch tun.
  • Was sie tun sollten, vom Platz etwas entfernt stehen und Ihr Signal „Geh auf den Platz“ mit einer einladende Handgeste, einer einladenden Körperbewegung Richtung Platz begleiten. 
  • Wenn Sie Ihren Hund auf seinen Platz schicken, erhält er am Ziel eine Belohnung. Sie können sich dabei von einer zweiten Person unterstützen lassen, die Ihren Hund dann belohnt. Eine gute Variante ist auch Klickern, aber dazu kommen wir ein anderes Mal.
  • Üben Sie: „Platz & Bleib“: Signal: „Geh auf den Platz“ – und wenn er dort ist, mit Signal „Bleib“ ihrem Hund sagen, dass er auch dort (Handzeichen für bleib: aufgestellte Hand vor dem Körper) bleiben soll. Mit Leckerli belohnen, wenn er auf seinem Platz bleibt.

So wird „der Platz“ positiv konditioniert und sollte dann auch in alttäglichen Situationen wie z.b. beim Familienessen eingefordert werden. Der Hund soll sich schließlich daran gewöhnen, dass er beim Essen auf seinem Platz liegt (dafür bekommt er auch ein Kaustangerl, damit er auch etwas zu Essen hat.) Das funktioniert dann auch, wenn Gäste kommen.

Achtung, auch das ist wichtig: Der Platz muss auch von Ihnen als positives Bild abgespeichert werden:  er ist eine Sicherheitszone und Wellness Oase.  Arbeiten Sie nie mit schlechtem Gewissen, z.B, dass Sie Ihren Hund aus- oder eingrenzen. Im Gegenteil Sie schenken ihm Sicherheit und bewahren ihn vor Stress!
 
Das ist jetzt unsere Hausaufgabe. Ob wir diese bis zum nächsten Mal mit zwei dickköpfigen dreizehnjährigen Damen lösen werden? Einzeln können Sie es bereits aber gemeinsam, das wird eine echte Aufgabe.

Wie es weiter geht und warum T-Shirts & Thundershirts wahre Relax & Wellness Packages für Fellnasen sind, erfahren Sie in Folge 4

 


 *) Kreide fressen: Es handelt sich um ein altes Sprichwort, das aus dem Märchen der Gebrüder Grimm „Der Wolf und die sieben Geißlein“ stammt“. Sie erinnern sich bestimmt: Der böse Wolf frisst Kreide, damit seine Stimme sanfter und höher, wie die der Ziegenmutter klingt. Die Finte gelingt.
 
**) Als Amazonen (altgriechisch Ἀμαζόνες Amazónes) werden in griechischen Mythen und Sagen einige Völker bezeichnet, bei denen Frauen „männergleich“ in den Kampf zogen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Amazonen
 
***) Das Coaching erfolgt Corona konform. Alle Zweibeiner sind getestet, halten einen Mindestabstand von 2 Metern und tragen FFP2 Masken. Der Raum ist 60 m2 groß und wird in regelmäßigen Abständen gelüftet.