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Patellaluxation

Wann operiert werden muss

Von Dr. Karin Lorinson

 

Die Patellaluxation ist eine Verlagerung der Kniescheibe aus der Knochenfurche des Oberschenkels an die Innen- bzw. Außenseite des Oberschenkelknochens. Dieses orthopädische Problem ist zumeist angeboren, kann aber auch traumatisch erworben werden. Bei Klein- und Zwerghunden findet man zumeist eine Patellaluxation nach medial (= an die Innenseite), bei großen Hunden eine nach lateral (= an die Außenseite). Eine chirurgische Herausforderung stellt eine kombinierte mediale und laterale Patellaluxation dar.


Das klassische Gangbild des kleinen Hundes mit Patellaluxation ist ein immer wiederkehrendes, oft nur kurzfristiges Hinken am betroffenen Bein. Manchmal sieht das so aus, als würde der Hund Wechselschritte machen. Große Hunde zeigen manchmal „nur“ eine klassische Lahmheit mit Minderbelastung des betroffenen Beines, was dann nicht wirklich typisch sein muss.
 
Während bei einigen Rassen der Zuchtverband eine verpflichtende Patellauntersuchung in jungen Jahren vorschreibt, gibt es zahlreiche Hunde, bei denen eine solche Diagnose – trotz der zumeist angeborenen Ursache – erst spät gestellt wird. Manchmal ist die Diagnose Patellaluxation auch ein Zufallsbefund. Nicht alle Hunde zeigen die klassischen Wechselschritte mit vorübergehender Nicht-Belastung des betroffenen Beines. Wann also sollte man solche Hunde operieren? Muss man sie überhaupt operieren?


Vier Grade

 

Die Patellaluxation wird in vier Grade eingeteilt. Bei einem vierten Grad, bei dem die Kniescheibe nicht in die korrekte Position gebracht werden kann, ist eine Operation sehr oft unausweichlich. Die Operationsnotwendigkeit der übrigen Grade richtet sich nach der klinischen Symptomatik, die das jeweilige Tier zeigt.


Bei einer Patellaluxation kommt es im Vergleich zu einem Kreuzbandriss langsamer und später zu Abnützungserscheinungen, Entzündungen und konsekutiven Schwellungen im Kniegelenk. Somit ist eine Patellaluxation häufig bzw. lange eine mechanische, nicht wirklich schmerzhafte Störung des Kniegelenks. Solange diese mechanische Irritation zu einer zwar wiederkehrenden, doch nur kurzfristigen Nicht-Belastung des Beines führt, muss nicht sofort operiert werden. Das ist bei kleinen Hunden mit Grad 1 und 2 einer Patellaluxation am ehesten der Fall. Große Hunde mit Grad 1 und 2 kommen jedoch oft sehr viel schlechter zurecht als die kleinen Hunde. In diesem Fall ist eine Operation rascher anzuraten.


Nehmen die Phasen der Nicht-Belastung zu, führt diese Lahmheit zu einem Muskelabbau, was bei Grad 3 bzw. 4 der Patellaluxation vermehrt auffällt. Dieser Muskelschwund ist für die Funktionalität des Fußes nicht zuträglich, weshalb in solchen Fällen eine chirurgische Behebung der Patellaluxation anzuraten ist.


Häufig sieht man bei lang bestehenden Kniescheibenverlagerungen (über viele Jahre hinweg), dass es zu einem zusätzlichen Kreuzbandriss kommen kann. Dann ist eine Operation zumeist unausweichlich, um die Funktion des Beines wiederherzustellen.

 

Dr. Karin und Dr. Dragan Lorinson betreiben in Vösendorf das chirurgische Kleintierzentrum www.vet-lorinson.com