Phytotherapie: Detox für die Leber [02|21]

Phytotherapie, Vorsorge, Leber, Entgiftung
(c) Photo: joy617 auf Pixabay

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Phytotherapie, Vorsorge, Leber, Entgiftung - Update [26|02|21]

Warum detoxen gut für die Leber ist:

Die aus mehreren Lappen zusammengesetzte Leber ist das größte Stoffwechselorgan im Körper. Ihr Gewicht beträgt ungefähr 3 % des Körpergewichts. Die Leber ist nicht nur für die Produktion der Galle verantwortlich. Sie ist beteiligt am Abbau von Schadstoffen, an der Blutgerinnung und greift in den Hormonstoffwechsel ein.

Das Speicherorgan besitzt eine sehr hohe Regenerationskraft. Durch Krankheiten zerstörte Leberzellen können wieder gebildet werden.  Bei einer Störung der Leberfunktion treten erst bei einem Verlust von mindestens 70 % der Leber Krankheitserscheinungen auf.

Wie die Leber durch Phytotherapie bei ihrer Arbeit unterstützt werden kann:

1. Mariendistel – Sylibum marianum

Die Mariendistel, Fieberdistel oder Leberdistel, wächst bevorzugt an trockenen Standorten. Häufig wird sie am Rand von Ackerflächen angetroffen. Ursprünglich aus Afrika und Südeuropa stammend, wird die Pflanze, die mit der Artischocke verwandt ist, heute in allen europäischen Ländern angebaut.

An der Spitze der mit gezahnten Blättern versehenen Stielen befinden sich kugelförmige, purpurfarbene Blüten, die von stacheligen Blättern geschützt werden. Ab August bildet die Mariendistel braune Früchte, die an der Spitze einen silbernen Haarkranz aufweisen. In der Phytotherapie werden die reifen Früchte, die von den Haaren befreit werden, verwendet.

Inhaltsstoffe:
In der Fruchtwand ist Silymarin enthalten. Vor allem Silibin, ein Teil des Silymarin- Komplexes wird bei Lebererkrankungen eingesetzt. Zusätzlich finden sich in den Samen Flavonoide, Phytosterole, Tocopherol (Vitamin E) und 30 % Öle mit einem hohen Anteil an Linolsäure, Ölsäure und Palmitinsäure.

Da die Inhaltsstoffe nur in geringer Konzentration in der Pflanze vorliegen, sollten ausschließlich fertige Präparate verwendet werden.

Wirkung:
Bereits seit dem Altertum wird die Mariendistel als Heilpflanze verwendet. Dr. Johann Gottfried Rademacher setzte die Pflanze Anfang des 19. Jahrhunderts bei der Behandlung von Leber- und Milzerkrankungen ein. Die Leberdistel kann in Form von Pulver oder als Tee bei Blähungen, Übelkeit, Fettleber und Störungen der Leberfunktion verwendet werden.

Bei akuten Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen wird Silibin intravenös für mehrere Tage verabreicht, um die Leberzellen zu schützen.

Die gekochten Blütenköpfe können im Frühjahr als Stärkungsmittel verwendet werden.

Bereits nach einigen Wochen ist eine Regeneration der Leberzellen erkennbar. Als Nebenwirkung können leicht Durchfälle auftreten.  

Die Wirkung der Mariendistel ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

2. Artischocke – Cynara cardunculus

Die Artischocke stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Nach der Ausbildung einer Blattrosette bildet die Pflanze fünf Jahre lang Stiele mit violetten Blüten. Der Boden der Blüten besteht aus fleischigen Blättern. Artischocken werden als Nahrungsmittel und Heilpflanze eingesetzt.

Inhaltsstoffe:
Die enthaltenen Polyphenole können direkt vom Organismus verwertet werden. In den Blättern der jungen Pflanze ist ein hoher Anteil an Caffeolchinasäuren (z.B. Chlorogensäure) enthalten. Mit zunehmendem Reifegrad steigt der Anteil an Flavonoiden (Cynarosid, Scolymosid). Sesquiterpenlactone sind für den bitteren Geschmack der Blätter verantwortlich.

Wirkung:
Die Artischocke wird bei Verdauungsbeschwerden und zu geringer Produktion von Galle eingesetzt. Cholesterin und Triglyceride werden gesenkt, die Leber wird geschützt und entgiftet. Oxidativer Stress und vorzeitige Zellalterung werden verringert. Der Blutzuckerspiegel steigt nach der Futteraufnahme langsamer an.

Die Wirkung der Artischocke ist durch wissenschaftliche Studien belegt.

3. Schafgarbe – Achillea millefollium

Die Schafgarbe, Blutstillkraut, wächst vor allem auf halbtrockenen, stickstoffhaltigen Böden an Wegrändern. Die bis in Höhen von 1900 Meter wachsende Pflanze ist eine Pionierpflanze. Sie verdichtet den Boden mit ihren Wurzeln.

Inhaltsstoffe:
Der Gehalt an Wirkstoffen ist abhängig von der jeweiligen Unterart der Schafgarbe. Azulen ist für die schwarzblaue Farbe des ätherischen Öls verantwortlich. In dem ätherischen Öl sind auch Cineol, Sesquiterpene und Leucodin enthalten. Flavonoide, Cumarine, Flavonole, Phenolcarbonsäuren und verschieden Mineralien ergänzen das Wirkungsspektrum. Germacranolide wirken enzündungshemmend und verringern die Ödembildung im Gewebe.

Wirkung:
Schafgarbe wirkt antibakteriell. Die Produktion von Galle wird gefördert, Bauchkrämpfe werden gemildert. Die Verdauung von Proteinen wird gefördert, der Blutzuckerspiegel steigt nach der Futteraufnahme nur langsam an.

4. Wermut – Artemisia absinthium

Wermut wächst auf trockenen Böden in der Nähe von Wasser. Die Blätter sind tief angesetzt, die gelben Blüten hängen nach unten.

Inhaltsstoffe:
Wermut enthält eine hohe Anzahl an Bitterstoffen, Absinthin.  Ätherische Öle (Thujon), Flavonoide und Polyacetylene sind ebenfalls in geringer Menge enthalten.

Wirkung:
Wermut wurde bereits in der Antike zur Förderung der Verdauung, Entlastung der Leber und bei Entzündungen angewendet. Die Bitterstoffe regen die Produktion von Galle an, die Verdauung wird reguliert.
Das reine ätherische Öl enthält 40 % Thujon und wird nicht für medizinische Zwecke eingesetzt, da Nebenwirkungen, wie Erbrechen und zentralnervale Störungen auftreten können.

In der Phytotherapie finden vor allem die Blätter und die Blüten Verwendung. Bei trächtigen Tieren darf Wermut nicht angewendet werden.

5. Schöllkraut – Chelidonium majus

Schöllkraut wächst auf stickstoffreichen Böden an Wegrändern. Die krautige Pflanze eingekerbte Blätter und gelbe Blüten, die sich bei Regen schließen. In den Stielen ist ein weißlicher Milchsaft enthalten.

Inhaltsstoffe:
Schöllkraut enthält eine hohe Anzahl an Alkaloiden. Berberin, Chelidonin, Coptisin und Sanguinarin sind vor allem in den Blättern und Blüten enthalten. Ab Herbst steigt der Alkaloidgehalt in den Wurzeln, die ab diesem Zeitpunkt hoch giftig sind, stark an.

Wirkung:
Schöllkraut kann bei der Behandlung von viralen und bakteriellen Erkrankungen eingesetzt werden. Der Milchsaft wird zur Behandlung von Warzen eingesetzt. Die Pflanze ist zytotoxisch.

Daher dürfen nur Handelspräparate eingesetzt werden. Da der Wirkstoffgehalt abhängig von Standort und Jahreszeit schwankt, wird vor dem selbstständigen Sammeln und Verzehr von Schöllkraut ausdrücklich gewarnt. Reizungen des Magen- Darmtrakts und Kreislaufversagen können bei Überdosierung eintreten.

6. Löwenzahn – Taraxacum sect. Ruderalia

Der Löwenzahn bildet eine Blattrosette, aus der gestielte, gelbe Blüten wachsen. In den Stielen ist ein weißer Milchsaft enthalten.

Inhaltsstoffe:
Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vor allem im Milchsaft und in den Blättern enthalten. Sesquiterpene und Flavonoide wirken antibakteriell. Bitterstoffe regen die Verdauung an und fördern die Produktion von Galle. Blähungen werden verringert. Die Ausscheidungsfunktion von Niere und Leber wird gefördert.

7.  Erdrauch – Fumaria officinalis

Die mehrjährige Pflanze mit den traubenartigen Blüten wächst liegend oder kletternd. Sie ist über Mitteleuropa bis Zentralasien verbreitet. Der Saft ist leicht ätzend.

Inhaltsstoffe:
Erdrauch enthält eine hohe Anzahl an Alkaloiden, z. B. Fumarin. Da Fumarin in höheren Dosen toxisch wirkt, wird die Pflanze heute nur mehr selten verwendet.

Wirkung:
Erdrauch fördert die Produktion von Galle. Die Abgabe des Verdauungssaftes an den Dünndarm wird erleichtert. Die Pflanze wirkt blutreinigen, harntreibend und löst Krämpfe. Die Darmbewegungen werden reguliert, Verstopfungen werden gemildert. Früher wurde Erdrauch zur Abtötung von Darmparasiten eingesetzt.

8. Rettich – Raphanus

Die Pflanze bildet dünne oder fleischige Pfahlwurzeln. Sie ist über den gesamten Mittelmeerraum, Afrika und Vorderasien verbreitet.

Inhaltsstoffe:
Rettich ist reich an Vitamin C, Eiweiß, Carotin, B- Vitaminen und Mineralstoffe, wie Kalzium, Magnesium Kalium und Phosphor. Zusätzlich sind Raphanol, ein schwefelhaltiges Öl, Senfölglykoside und Bitterstoffe enthalten.

Wirkung:
Rettich wirkt antibiotisch. Der Schleim in den Atemwegen wird verflüssigt, die Ausscheidung erleichtert. Bitterstoffe regen die Produktion von Galle und die Verdauung an. Anthocyane reduzieren oxidativen Stress und fördern die Abwehr bei Krebserkrankungen.

Lassen sie sich von Ihrer Tierärztin, Ihrem Tierarzt beraten, welche Pflanze für ihr Tier am besten geeignet ist.

 

Petdoctors Experte Dr. Stefan Reischl

ist mit Herz und Seele Tierarzt. Geboren in der Steiermark, auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen, wusste er schon sehr früh, dass er Tierarzt werden wollte. 2001 eröffnete er seine Ordination in Wien Währing und begann sich schon sehr früh sich mit Methoden der Komplementärmedizin insbesonders Phytotherapie auseinander zu setzen.

Sein umfangreiches Wissen aus Theorie und Praxis teilt Tierarzt Dr. Reischl mit den Userinnen und Usern auf petdoctors.at. www.tierarzt-reischl.at