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Die Liebe der Katze und der Dosenöffner

Wie man sich die Bindung der Stubentiger erarbeitet

Wer kennt nicht den Satz: „Hunde haben Halter, Katzen haben Personal“. Aber stimmt diese Aussage wirklich. Wollen unsere Katzen nur versorgt werden, ohne sich gefühlsmäßig zu binden? Oder handelt es sich hier nur um das alte Vorurteil: „Nur der Hund ist der wahre Freund des Menschen“?

 

Die Formen der Bindung

Die Bindungstheorie wurde von Mary Ainsworth und John Bowlby im 20. Jahrhundert entwickelt. Abhängig von der Stärke der Bindung werden vier verschiedene Typen unterschieden.

  1. Sichere Bindung

Bei einer sicheren Bindung besteht eine starke gefühlsmäßige Verbindung zwischen Katze und Halter. Distanz und Nähe sind ausgewogen. Bei Trennungen in fremder Umgebung wird deutliches Unbehagen geäußert. Bei der Rückkehr des Halters sucht die Katze sofort seine Nähe.

  1. Unsicher ambivalente Bindung

Während der Trennung tritt starker Stress auf. Nach der Rückkehr des Halters wird dieser sofort in Beschlag genommen. Das ängstliche Verhalten bleibt bestehen. Selbstständiges Spielverhalten ist nicht vorhanden.

  1. Unsicher vermeidende Bindung

Nach seiner Rückkehr wird der Halter links liegen gelassen und nicht beachtet. Durch den anhaltenden Stress ist der Kortisolspiegel in Blut und Speichel deutlich erhöht.

  1. Desorganisierte Bindung

Die Gefühle der Katze widersprechen sich. Es besteht gleichzeitig ein starker Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung.

Studie Kristyn Vitale Oregon State University Corvallis

An der Studie über die Bindung von Katzen nahmen 79 Tiere mit einem Alter von drei bis acht Monaten und ihre Bezugspersonen teil. Der Test wird auch als „Strange Situation Test“ bezeichnet. Die Katzen wurden nach zwei Minuten in einem unbekannten Raum allein zurückgelassen. Nach weiteren zwei Minuten kehrte der Halter zurück. Bei 64,3 % der Jungkatzen konnte aufgrund ihres Verhaltens eine sichere Bindung nachgewiesen werden. 35,7 % waren nur unsicher an ihren Halter gebunden. Auch nach einem sechs Wochen langen Verhaltenstraining mit den Katzen und ihren Haltern änderte sich das Bindungsverhalten nur unwesentlich. 68,6 % der Tiere verfügten über ein sichere, 31,4 % über eine unsichere Bindung.

Die gesamte Studie können Sie unter: https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(19)31086-3nachlesen.

Die Vorteile für die Katze

Für die meisten Katzen bedeutet der Besitzer Sicherheit und Trost. Er hat einen wichtigen Anteil an ihrem Leben. Durch ihre soziale Flexibilität haben sich die Katzen den Weg in die Häuser und Herzen der Menschen geebnet. Das Bild von der scheuen, distanzierten Katze entspricht wohl eher einem Vorurteil, das sich durch das verallgemeinerte Verhalten ungebundener Katzen manifestiert hat. Das Verhältnis Katze : Mensch entspricht dem Hund : Mensch. Beide Tierarten binden sich ebenso wie Kleinkinder an ihre Bezugspersonen. Unterschiede entstehen nur durch die Einstellung und unterschiedliches Training.

Wie man die Bindung  fördert

Jede Katze hat ihren eigenen Charakter. Daher sollten Temperament und Bedürfnisse der Katze immer an den Lebensstil des Besitzers angepasst sein. Norwegische Waldkatzen benötigen zum Beispiel ausreichen Platz zum Klettern und Jagen. Wird dieses Bedürfnis nicht erfüllt, steht die Katze unter Dauerstress. Siamkatzen sind besonders sozial und sollten unbedingt paarweise gehalten werden. Perserkatzen sind eher ruhig und lieben ihre tägliche Fellpflege. Katzen aus einem Tierheim haben oft schwere Zeiten hinter sich und benötigen viel Geduld und Liebe. Ist ihr Vertrauen einmal gewonnen, geben sie alles vielfach zurück.

Die wichtigste Basis für eine gute Beziehung ist Vertrauen. Aufmerksamkeit, Kuscheln und gemeinsame Spiele vertiefen die Bindung. Auch Auszeiten sind wichtig. Die Katze benötigt Rückzugsorte, an denen sie nicht gestört wird. Sichere Futterplätze, eine Katzentoilette mit etwas Privatsphäre bieten die Grundlage für ein gutes Miteinander. So fühlt sich die Katze umgeben von Wertschätzung und Respekt.