Wasserkopf: Hydrocephalus bei der Katze [11|21]

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(c) Photo: lindarczyk auf Pixabay

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Krankheit, Wasserkopf, Gendefekt, Munchkin-, Känguru-, Perserkatze - News [26|11|21]

  • Wasserkopf der Katze ist in den meisten Fällen angeboren.
  • Nur selten tritt ein Hydrocephalus erst bei älteren Katzen auf. 
  • Der Wasserkopf ist eine schwere Missbildung des Gehirns
  • In den Hohlräumen des Gehirns sammelt sich Flüssigkeit an
  • Vermehrt betroffen sind Munchkin-, Känguru- und Perserkatze

1. Bei einigen Katzenrassen tritt die Missbildung häufiger auf:

  • Munchkin Katze
  • Känguru Katze
  • Perser
  • Katzenrassen mit kurzer Nase und runden Köpfen
  • Der Hydrocephalus tritt auch bei brachycephalen Hunden auf

Bei der Munchkin- und der Känguru-Katze handelt es sich um Qualzuchten. Ein Wasserkopf gilt als erwünschtes Rassemerkmal.

2. Was im Gehirn passiert:

2.1 Im gesunden Gehirn:

  • Im Gehirn befinden sich Hohlräume, die Ventrikel, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.
  • Mit diesem Liquor fließen Botenstoffe und verschiedene Abfallprodukte unterhalb des Kleinhirns aus dem Gehirn und gelangen zwischen die Hirnhaut und das Gehirn.
  • Hier wirkt die Flüssigkeit wie ein Stoßdämpfer.
  • Das Gehirn schwimmt in dem Liquor und ist so vor Erschütterungen geschützt.
  • Über das Blut wird die Flüssigkeit abtransportiert und ausgeschieden.
  • Gleichzeitig wird in den Hohlräumen neuer Liquor nachproduziert. 

2.2 Im Wasserkopf (Hydrocephalus):

  • Das Gleichgewicht zwischen Produktion und Ableitung der Flüssigkeit ist gestört
  • Die Flüssigkeit sammelt sich in den Ventrikeln an.
  • Die Hohlräume vergrößern sich und drücken auf die weiche Gehirnmasse.
  • Bei anhaltend hohem Druck wird auch der Schädelknochen nach außen gedrückt.
  • Erfolgt keine Behandlung stirbt das Gehirn durch den Druck ab.

3. Formen des Hydrocephalus: 

  1. Hydrocephalus internus: die Flüssigkeit sammelt sich in den Ventrikeln
  2. Hydrocephalus ex vacuo: die inneren und äußeren Liquorräume sind vergrößert
  3. Porencephalie: im Gehirn bilden sich Hohlräume, die sich mit Flüssigkeit füllen

4. Mögliche Ursachen der Erkrankung:

  • Vererbt: die Missbildung beginnt schon im Mutterleib
  • Erworben - Nicht genetisch bedingt, sondern durch eine andere Erkrankung ausgelöst:
  • Tumor
  • Entzündungen des Gehirns
  • Parasiten

Die genauen Ursachen konnten noch nicht geklärt werden.

5. Symptome eines Wasserkopfs:

  • Bei Katzenwelpen sind die Verbindungsnähte der Schädelknochen noch nicht geschlossen. Der Schädel verformt sich durch den Druck.
  • Müdigkeit
  • Schielen
  • Verlust des Sehvermögens
  • Kopfschmerzen
  • Bewegungsstörungen
  • Verzögertes Wachstum

Bei einem erworbenen Hydrocephalus kann sich der Schädel nicht mehr verformen, da die Schädelknochen fest verbunden sind. Daher treten auch andere Symptome auf:

  • Epileptische Krampfanfälle
  • Zuckungen der Muskeln
  • Speicheln
  • Unwillkürlicher Absatz von Harn und Kot
  • Einschränkungen des Bewusstseins
  • Koma

6. Diagnose der Erkrankung:

  • Klinische Untersuchung
  • Kernspintomographie
  • Ultraschall: die Darstellung der Ventrikel ist nur bei Katzenwelpen möglich, solange die Schädelnähte offen sind. 
  • Computertomographie
  • Untersuchung des Liquors: Ausschluss von Infektionskrankheiten

7. Therapie: chirurgischer Eingriff

Über einen Shunt (Schlauchsystem, das die Flüssigkeit ableitet) wird der Druck im Schädel gesenkt. Der Schlauch wird unter der Haut bis in den Bauchraum geführt. Dort kann die Flüssigkeit resorbiert und ausgeschieden werden. Mit einem Ventil wird die Geschwindigkeit des Abflusses der Flüssigkeit geregelt.

Liegt ein Hydrocephalus ex vacuo oder eine Porencephalie vor, bringt die Operation keine Erleichterung.

Risiken der Operation:

  • Blutungen
  • Infektionen
  • Verstopfung des Katethers

[MehrWissen: Bei Hunden ist eine Therapie mit Medikamenten möglich, die aber nur die Zeit bis zu einer Operation überbrücken kann. Ein dauerhafter Behandlungserfolg ist mit Medikamenten nicht möglich.]

8. Prognose:

  1. Wird die Operation durchgeführt, bevor das Gehirn durch den Druck geschädigt ist, ist die Prognose gut.
  2. Die Katzen überleben die Operation durchschnittlich zehn Jahre.
  3. Die Symptome verschwinden vollständig.
  4. Ist bereits ein Verlust des Sehvermögens eingetreten, kann dieses auch durch die Operation nicht mehr hergestellt werden.