Teilen, verschicken oder drucken Sie diesen Artikel

Wenn Katzen unter Epilepsie leiden

Unter Epilepsie versteht man eine Neigung zu Krampfanfällen, die oft mit Bewusstseinsstörungen verbunden ist.

 

Wie ein Anfall verläuft

Ein klassischer Anfall verläuft in drei Stadien.

1. Vorbereitungsphase - Aura

Das Verhalten der Katze ist verändert.

2. Grand Mal - Ilktus

Die Katze fällt um, verliert das Bewusstsein, die Muskeln krampfen.

3. Postiktale Phase

Die Katze ist desorientiert, erholt sich aber langsam.

Ursachen

Die idiopathische, vererbte Epilepsie, wie sie bei Hunden auftritt, ist bei Katzen sehr selten (20%). Meistens leiden die Stubentiger an einer erworbenen Epilepsie.

Nekrose des Ammonshorns:

Das Ammonshorn ist ein Teil des Gehirns, der für die Steuerung des Verhaltens verantwortlich ist. Sterben die Nervenzellen dieser Region ab, treten epileptische Anfälle und stark verändertes Verhalten auf. Diese Form der Epilepsie tritt meistens im Alter von 1- 6 Jahren auf.

Stoffwechselerkrankungen:

Versagen von Leber und Niere, sowie Schilddrüsenüberfunktion können epileptische Anfälle verursachen.

Vergiftungen:

Da Katzen beim Fressen wählerisch sind, treten Vergiftungen seltener auf als bei Hunden. Frostschutzmittel, Insektizide, Philodendron und Rattengift können Anfälle auslösen.

Encephalitis - Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute:

Leidet die Katze an FIP oder Leukose können Entzündungen der Nerven Anfälle verursachen.

Tumoren und Gefäßmissbildungen im Gehirn:

Die Anfälle entstehen durch zu geringe Blutversorgung des Gehirns, oder durch Veränderungen des Gehirnstoffwechsels.

Was bei einem Anfall passiert

Im Gehirn sind einige Nervenzellen aktiv, andere gehemmt. Bei einem epileptischen Anfall sind die Nervenzellen übermäßig aktiv, ein Feuerwerk an Reizen wird ausgesendet. Man spricht auch von einem „Gewitter im Gehirn“.

Symptome

Bei Katzen tritt der Grand Mal (Die Katze fällt um, verliert das Bewusstsein, die Muskeln krampfen.) nicht immer auf, oft zeigen sie eher untypische Veränderungen. Vor dem Anfall ist die Katze unruhig und ängstlich, sie verkriecht sich.

Während des Anfalls speichelt die Katze stark, die Füße laufen, Harn und Kot werden abgesetzt. Die Wahrnehmung der Umgebung ist getrübt.

In der Erholungsphase ist die Katze oft aggressiv, Bewegungsstörungen und Verlust des Sehvermögens können mehrere Stunden andauern.

Einige Katzen zeigen während eines Anfalls nur untypisches Verhalten. Sie laufen ziellos durch die Wohnung, springen plötzlich hoch. Die Pupillen sind geweitet, Schnurrhaare und Ohrenspitzen zittern.

Erholt sich die Katze nicht von dem Anfall, liegt ein Status epilepticus vor. Die Katze muss sofort von einem Tierarzt behandelt werden. Oft treten mehrere Anfälle in kurzen Abständen auf (Cluster- Anfälle)

Diagnose

Durch Computertomographie werden Verletzungen und Tumore im Gehirn dargestellt. Eine Untersuchung des Liquors (Gehirnflüssigkeit) gibt Auskunft über die Infektion mit Krankheitserregern und entzündliche Prozesse.

Durch eine Messung der Gehirnströme mittels EEG kann das auslösende Zentrum der Epilepsie lokalisiert werden. Bei Tieren, die aufgrund eines Status epilepticus in künstlichen Tiefschlaf versetzt wurden, kann so der Zeitpunkt bestimmt werden, an dem der Anfall nachlässt und das Tier wieder aus der Narkose aufgeweckt werden kann.

Therapie

Treten die epileptischen Anfälle nur sehr selten auf, ist eine Therapie nicht nötig. Bei mehreren Anfällen können diese durch Medikamente gelindert oder unterdrückt werden. Meistens werden Phenobarbital und Diazepam verwendet.

Die Medikamente müssen regelmäßig, täglich verabreicht werden. Anfangs reagieren Katzen auf die Medikamente oft mit Müdigkeit.

Homöopathie:

Carduus marianus D6 und Lycopodium D6 unterstützen die Leber und das Gehirn. Bei sehr sensiblen Katzen kann Causticum C30 eingesetzt werden.

Cuprum C30 verringert die Erregung der Nervenzellen.

Verhalten während eines Anfalls

Bleiben Sie ruhig und vermeiden sie schnelle Bewegungen, Geräusche und grelles Licht. Schützen Sie die Katze vor Verletzungen.

Kündigt sich der Anfall durch Verhaltensänderungen an, bringen sie ihre Katze in einen sicheren Raum. Fassen Sie die Katze während des Anfalls nicht an, sie könnte unkontrolliert zubeißen. Filmen sie, wenn möglich, das Verhalten Ihrer Katze bei einem Anfall und zeigen Sie das Video einem Tierarzt. So kann der Schweregrad der Epilepsie leichter bestimmt werden.

Muss die Katze von einem Tierarzt untersucht werden?

Besteht der Verdacht auf Epilepsie, sollten sie Ihre Katze unbedingt von einer Tierärztin/einem Tierarzt untersuchen lassen, damit Ihre Katze geeignete Medikamente erhält. Ohne Behandlung gewöhnen sich die Nervenzellen im Gehirn an die vermehrte Aktivität während eines Anfalls und reagieren bei jedem Anfall stärker, bis ein Status epilepticus vorliegt und die Katze das Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Epilepsie ist eine unheilbare Erkrankung des Gehirns. Eine frühe Diagnose und Behandlung erhöht die Chancen, die Anfälle zu unterdrücken und ihrer Katze eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.