Eine Hundezone ist kein Ort, wo man seinen Hund abgibt: Zeitung liest, ins Handy schaut, plaudert und alles um sich herum vergisst.
(c) Jan Resperger & petdoctors.at

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Krach in der Hundezone: wilde Jagd und Mobbing statt entspanntem Spiel

Hundesprache, Calming Signals, Mobbing - news 21/11/20

  • In der Hundezone kracht es oft. Die Gründe dafür sind vielfältig.
  • Doch eines trifft meist zu, die Menschen achten nicht auf ihre Vierbeiner.
  • Sie erkennen die Calming Signals nicht, die lange bevor es kracht zu sehen sind.
  • Viele Zweibeiner studieren lieber ihr Handy, statt das Verhalten ihres Hundes.
  • Hunde-Mobbing ist an der Tagesordnung. Die Jagdsaison ist eröffnet.
  • Aus Spaß und Spiel kann tödlicher Ernst werden.

Wenn die Hundezone zum Kampfgebiet wird.

Zwei Vierbeiner sind mit Ihren Zweibeinern in der Hundezone. Die HundehalterInnen sind in ein Gespräch vertieft. Die Hunde toben und tollen durch die Gegend. Sie sind offensichtlich best Buddys. In der Wiese liegt ein Ball und ein Zugseil. Requisiten für ein schlechtes Ende, wenn ein weiterer Hund dazu kommt. 

  • Ball und Zugseil werden zu Ressourcen die von ihren vierbeinigen BesitzerInnen verteidigt werden.
  • Aber auch die Sitzbank, auf der die geliebten Fraulis und Herrlis sitzen, könnte sich als Streitpunkt eignen. Denn auch diese könnte als Ressource betrachtet werden. Denn schließlich war man ja zuerst da. 
  • Best Buddys machen die Hundezone zu ihrem Revier. Sie mobben jeden "Eindringling"  und hetzten ihn durch die Gegend. 
  • Wenn jetzt keiner hinsieht und einschreitet, die Hunde zurück ruft, dann stehen die Chancen gut, dass es am Ende heftig kracht.

Eine Hundezone ist kein Ort, wo man seinen Hund abgibt: Zeitung liest, ins Handy schaut, plaudert und alles um sich herum vergisst. Wer die Anzeichen für einen Streit zwischen Hunden verpasst, weil er nicht hinsieht oder das Verhalten falsch interpretiert ... "Die spielen ja nur" ... riskiert, dass der eigene Hund oder ein anderer verletzt wird. 

Auf welche Signale Hundemenschen achten sollten:

 

 

Niemand achtet auf die Hunde. Der Kleine ist bereits aufmerksam und angespannt.
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1. Schlechte Karten für den Chihuahua

Schon auf den ersten Blick sind die Voraussetzungen denkbar schlecht für den kleinen Chihuahua. Zwei große Hunde in ein Zerrspiel verwickelt. Sein Herrl ins Handy, die Hundehalterinnen in ein Gespräch vertieft. Niemand achtet auf die Hunde. Der Kleine ist bereits aufmerksam und angespannt. 

Die beiden großen Hunde sind aufgeregt und starren den Kleinen an. Der versucht zu beschwichtigen.
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2. Dem Chihuahua ist die Situation sichtlich unangenehm.

Die beiden Hunde schauen direkt in seine Richtung und sind aufgeregt. Der Chihuahua beschwichtigt. Calming Signal: Er dreht ihnen seine Kehrseite zu und schnüffelt im Gras. In der Hundesprache: "Ich bin nicht an Euch interssiert, lasst mich in Ruhe ..." Spätestens jetzt sollte sein Mensch erkennen, dass sein Hund ein Problem hat. 

Spätestens jetzt sollten alle Hunde von  den Halterinnen zurück gerufen werden.
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3. Alle schauen weg. Die Jagd beginnt. Der Kleine rennt.

Die wilde Jagd ist kein lustiges Spiel, jedenfalls nicht für den Chihuahua. Die Großen hetzen den Kleinen. Man nennt dieses Verhalten auch Mobbing. Spätestens jetzt wäre der Zeitunkt an dem alle HundehalterInnen ihre Hunde sofort zurück rufen sollten. Aber ...

Die Situation ist bereits eskaliert, die Zeichen stehen auf Kampf.
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4. Der Chihuahua rettet sich zu seinem Herrl und "friert ein"

Nachden seine Calming Signals von den beiden Hunden und allen Zweibeinern nicht beachtet wurden, ist der Kleine auf sich gestellt. Und sucht Schutz bei seinem Herrrl. Er friert ein, stellt die Haare auf und beginnt zu knurren. In der Hundesprache sagt er: "Jetzt lasst mich endlich in Ruhe. Kommt nicht näher, sonst beisse ich." 

Die Eskalation beginnt mit  Luftschnappen. Dann kommt gezieltes Schnappen nach den Gegnern. Erst dann folgt die Beißatacke.

5. Die beiden Hunde ignorieren die Warnung. Es kracht!

Nachdem die beiden Hunde immer näher kommen und niemand dem Chihuahua zu Hilfe kommt, bleibt ihm nichts mehr anderes übrig als nach vor zu gehen. Die Eskalation beginnt mit  Luftschnappen. Es folgt gezieltes Schnappen nach den Gegnern. Erst dann kommt die Beißattacke. Die letzte Eskalationsstufe ist erreicht.

6. Es ist noch einmal gut gegangen. Zum Glück!

Alle HundehalterInnen sind viel zu spät eingeschritten. Denn wenn eine solche Rauferei erst begonnen hat, endet sie oft mit Bisswunden. Für den Kleinen meist tödlich. Die Hundesprache war klar, deutlich und unmissverständlich. Es hätte gereicht, die Aufmerksamkeit bei den Hunden zu haben, anstatt sie Handy & Co zu schenken.

10 Tipps für ein friedliches Miteinander in der Hundezone:

  1. Beobachten Sie Ihren Hund und andere Hunde beim Spiel. Welche Signale gibt er. 
  2. Wer in der Hundezone nur auf sein Handy schaut oder sich ins Gespräch mit anderen HalterInnen vertieft, kann nicht rechtzeitig reagieren und gefährdet seinen und alle anderen Hunde.
  3. Kommt es zum Kampf, ist es vorbei. Die höchste Eskalationsstufe in der Beziehung zwischen Hunden ist erreicht. Ein Rückruf oder Trennen ist nicht mehr möglich.  
  4. Zu wildes Spiel sollte unterbunden werden, es eskaliert meist und endet dann in einem Streit.
  5. Es ist Sache der HundehalterInnen das Mobbing unter den Hunden zu verhindern. Der gemobbte Hund kann das selbst nicht!
  6. Bevor man in die Hundezpne geht, muss der Rückruf sitzen, damit Sie Ihren Hund bei Bedarf jederzeit abrufen können.
  7. Kein Spielzeug in der Hundezone! Ball, Kuscheltier und Co. sind für Hunde wertvolle Ressourcen, die sie verteidigen. Damit sind Auseinandersetzungen zwischen Hunden vorprogrammiert.
  8. Bitte nicht Füttern! Keine Leckerlis und Hundesnacks in der Hundeszone an fremde Hunde verteilen. Auch wenn sie noch so lieb schauen.
  9. Nicht nur auf alle Hunde sondern auch auf Ihre menschlichen BegleiterInnen sollte Rücksicht genommen werden. Das gilt besonders für betagte Menschen und Kinder. Es ist auch nicht lustig, wenn fremde Hunde ihren Kopf in Taschen anderer Leute stecken oder an ihnen hoch springen etc.
  10. Hundekot muss in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt werden. Auch das ist ein Frage der Rücksichtnahme.

7. Sie möchten mehr über die Sprache der Hunde erfahren. Lesen Sie hier gleich weiter:

"So süüüß" - Was Menschen lieben und Hunde hassen.

"Hier" - Warum Ihr Hund lieber nicht herkommt.

"Hilfeeee" - Da kommt ein großer Hund!

(c) Illustrationen Jan Resperger

petdoctors & pettrainers bedanken sich für die perfekte Umsetzung. Mehr von und über Jan Resperger finden Sie bald auf petdoctors.