Kortisontherapie bei Hunden: Segen oder Fluch? [10|21]

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(c)n Photo: Ralf Bitzer auf Pixabay

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Gesundheit, Medikament, Kortison, Nebenwirkungen, Anwendung, Absetzen - News [24|10|21]

  • Kortison verursacht bei Langzeitanwendung schwere Nebenwirkungen
  • Kortison wirkt nicht direkt im Organismus
  • Kortison muss für die Wirkung in die aktive Form Hydrokortison (Kortisol) umgewandelt werden
  • Kortison ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde erzeugt wird.
  • Ohne Kortison können Menschen und Tiere nicht überleben

Bei entzündlichen Erkrankungen wird häufig Kortison für die Therapie verwendet. Die Wirkung setzt schnell ein. Doch es treten auch Nebenwirkungen auf. Vor allem bei einer Langzeittherapie ist besondere Vorsicht geboten.

1. Kortison ist ein lebenswichtiges Hormon:

Kortison wird in der Nebennierenrinde erzeugt. Es erfüllt folgende Funktionen im Körper:

  • Beeinflussung des Immunsystems
  • Regulierung des Blutzuckerspiegels
  • Beteiligt an Stressreaktionen
  • Beeinflussung von Blutdruck und Herzfrequenz
  • Verringerung der Produktion von Magensaft
  • Juckreiz wird vermindert
  • Entzündungen können sich nicht weiter ausbreiten
  • Bei Ausschüttung steigt die Körpertemperatur

2. Symptome bei Kortisonmangel:

Besteht ein Mangel an körpereigenem Kortison:

  • Haarausfall
  • Gewichtsverlust
  • Juckreiz
  • Chronische Müdigkeit
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen
  • Sehstörungen
  • Durchfall
  • Zittern
  • Der Blutdruck sinkt
  • Austrocknung

3. Wie Kortison angewendet wird:

Wirksam ist nur die aktive Form des Kortisons, das Hydrokortison oder Kortisol. In Cremen und Salben ist deshalb immer Hydrokortison enthalten, da auf und in der Haut keine Umwandlung in die aktive Form stattfinden kann.

  1. Ultrakurzzeitcortisone: bei Schock und Allergien
  2. Kurzzeitcortisone: bei akuten Beschwerden. Die Wirkung tritt nach 2 – 4 Stunden ein
  3. Langzeitcortisone: die Wirkung hält 10 Tage bis drei Monate an.

Früher wurde Kortison direkt aus den Organen der geschlachteten Tiere gewonnen. Heute wird es synthetisch hergestellt.

4. Häufigste Anwendungsgebiete:

  • Hepatitis: Entzündung der Leber
  • Pankreatitis: Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Arthritis: Entzündung der Gelenke
  • Nephritis: Entzündung der Nieren
  • Encephalitis: Entzündung des Gehirns
  • Allergien
  • Ekzeme
  • Unterdrückung des Immunsystems

5. Wie Kortison wirkt:

Kortison wird an die Glukokortikoid-Rezeptoren der Zellen gebunden. Es gelangt über das Zellplasma in den Zellkern und verändert dort die Teilung der DNA und die Reproduktion der Gene. Die Erzeugung von Eiweiß durch die Zellen wird verändert. Dadurch kann Kortison verschiedene Stoffwechselvorgänge beeinflussen.

6. In welchen Formen Kortison verabreicht wird:

  1. Injektionen
  2. Tabletten
  3. Salben
  4. Cremen
  5. Spray

Kortison ist immer rezeptpflichtig und darf nicht ohne Rücksprache mit dem Tierarzt angewendet werden.

ACHTUNG: Bei falschen oder zu niedrigen Dosierungen wirkt das Medikament nicht, oder es kommt zu schweren Nebenwirkungen.

7. Was Sie bei der Anwendung beachten sollten:

  1. Genügend frisches Wasser zum Trinken
  2. Häufigere Spaziergänge
  3. Regelmäßige Blutkontrollen, um Nebenwirkungen schneller zu erkennen und die Dosis des Kortisons anzupassen
  4. Kortison darf nicht plötzlich abgesetzt werden.
  5. Die Dosis muss langsam über mehrere Tage reduziert werden. Dieser Vorgang wird auch als Ausschleichen bezeichnet.

8. Nebenwirkungen einer Kortisontherapie:

  1. Erhöhte Wasseraufnahme
  2. Erhöhter Harnabsatz
  3. Größeres Hungergefühl
  4. Einlagerung von Wasser im Gewebe und Bildung von Ödemen
  5. Der Blutzucker kann stark schwanken
  6. Fett wird verstärkt im Körper eingelagert
  7. Knochenerweichung durch Herauslösen von Kalzium aus den Knochen
  8. Pergamenthaut: dünne Haut
  9. Brüchige, glanzlose Haare
  10. Die Haare fallen aus
  11. Störung der Wundheilung
  12. Veränderung des Verhaltens: Aggressionen treten häufiger auf
  13. Geschwüre in Magen und Darm

9. Mehrwissen: warum Kortison durch Ausschleichen abgesetzt werden muss: 

Die Nebennierenrinde wird über den Hypothalamus im Gehirn gesteuert. Durch die Ausschüttung von ACTH aus der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, wird die Nebenniere dazu angeregt, mehr Kortisol zu produzieren.

Erhält der Hund bei einer Therapie von außen Kortison, verringert die Hypophyse die Produktion und Ausschüttung von ACTH.

Wird nach einer Behandlung das Kortison plötzlich abgesetzt, kommt es im Körper des Hundes zu einem Mangel an Kortison, da sich die körpereigene Produktion des Hormons erst anpassen muss.