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Was wir von Wasbüttel lernen können

Nistplätze für Meisen gegen Schädlinge und Blühstreifen für Insekten

 

Wasbüttel muss man außerhalb Niedersachsens nicht unbedingt kennen.  Ein Dorf irgendwo zwischen Wolfsburg und Braunschweig, ein bisschen mehr als sechs Quadratkilometer groß, nicht ganz 2000 Einwohner.

 

Es gibt zahlreiche Eichen in Wasbüttel und damit auch den Eichenprozessionsspinner, vor dem beispielsweise in den Wiener Parkanlagen wie in vielen Gemeinden mit großen Hinweistafeln gewarnt wird.

Wasbüttel geht das Problem anders an. Die Gemeinde beteiligt sich an den Kosten für das Absaugen des Eichenprozessionsspinners an privaten Eichen mit einem Anteil von 50 Prozent, wie Bürgermeister Hartmut Jonas bei der jüngsten Ratssitzung informierte. Damit der Bestand des Eichenprozessionsspinners aber schon vor der Raupenphase reduziert wird, will Wasbüttel Nistkästen bauen. „Ziel soll sein, dass an jeder Eiche im Dorf ein Nistkasten hängt“, so Jonas. Kohlmeisen, Blaumeisen und andere Insektenfresser als natürliche Feinde sollen der Ausbreitung des Schädlings entgegen wirken.

 Was nach einer ungewöhnlichen Idee klingt, hat anderswo schon beachtliche Erfolge erzielt, beispielsweise auch in den Niederlanden, wie Jonas berichtete. „Wir wollen bei den Ursachen anfangen und nicht erst an den Symptomen.“ Deshalb würden auch die Gemeindearbeiter in den Wintermonaten Nistkästen bauen. Helfer sowie Spender von Holzbrettern für die Kästen werden noch gesucht.

 

Der Bürgermeister und die "Eh-da-Flächen"

 

Eine andere Idee des umtriebigen Bürgermeisters betrifft die „Eh-da-Flächen“.  Das sind Flächen, die eh da sind, aber nicht genutzt werden. Ackerrandstreifen beispielsweise. Auf 2000 Quadratmetern davon hat die Gemeinde Wasbüttel jetzt Blühstreifen angelegt, um Insekten Nahrung zu bieten. Und weil jemand, der für Kost sorgt, auch für Logis sorgen muss, gibt es mehrere Insektenhotels.

Johanniskraut und wilde Möhre, Färberwaid und wilde Malve, Spitzwegerich und gewöhnlicher Hornklee: 39 Sorten stehen auf dem Beutel, in dem die Samenmischung steckt – 40 Prozent Wildblumen, 60 Prozent Kulturpflanzen. „Alles heimische Arten“, sagt Ratsherr Ernst Lütje. „Das ist der Unterschied zu einjährigen Mischungen: Da sind meist keine heimischen Arten dabei.“

Ein Versuch sei das, sagen Bürgermeister Jonas und Lütje. „Wir wollten nicht immer nur reden, sondern etwas tun“. Und da die Ackerrandstreifen ohnehin der Gemeinde gehören, beschloss der Rat, an vier Stellen je 200 Meter lange Blühstreifen anzulegen. „Damit tun wir etwas für die Insektenvielfalt, und wir tun etwas zur Verschönerung der Landschaft – das steigert den Erholungswert“, ist Jonas überzeugt.

Um die 1000 Euro hat die Gemeinde in dieses Projekt gesteckt, die Flächen mussten dreimal gefräst – und so von den Gräsern – befreit werden, ehe der Samen zu Beginn der Vegetationsperiode eingebracht wurde. Nun sind Lütje und Jonas gespannt, was daraus wird. Die Blühstreifen, die mit handgemalten Schildern markiert sind, müssen zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht werden, „dadurch werden die Pflanzen konkurrenzfähiger zu den Gräsern ringsum“, erklärt Lütje.

Rings um die Alte Schule sind drei handgefertigte Insektenhotels bezugsfertig, die ersten Etagen sind auch schon bewohnt, zeigt Jonas auf die Pfropfen am Ende der Strohhalme. Hummeln, Scheinwespen, Wildbienen und mehr finden dort ein Zuhause. „Nichts, was sticht“, beruhigt Jonas und ist gespannt, was aus dem Gesamtprojekt wird. „Wenn es klappt, legen wir weitere Blühstreifen an – und sonst lassen wir uns etwas Neues einfallen.“

 

Die schwalbenfreundlichen Häuser

 

Und weil es so schön ist noch eine Meldung aus der Umgebung Wasbüttels.  Zwölf Häuser im Landkreis wurden heuer im Rahmen der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ des Naturschutzbundes ausgezeichnet. Schauplatz der Ehrung war der außerhalb von Wasbüttel gelegene Hof von Hilmar Hoffmann. Schwalben aus etlichen der 50 Nester im Kuhstall und an anderen Hofgebäuden flatterten über die Köpfe, als der ehemalige Nabu-Kreisvorsitzende Gerhard Braun den Schwalbenfreunden Urkunde, Infobroschüre und das Schild überreichte, das ihr Gebäude als "Schwalbenfreundliches Haus" ausweist. Gäbe es ein Ranking, wären die Hoffmanns mit ihren 50 Nestern auf dem zweiten Platz gelandet. Knapp geschlagen von Dörthe Menk, die in Zasenbeck sogar 55 Nester von Mehl- und Rauchschwalben beherbergt.