Buchtipp No85: Elsterjahre [09|21]

Buchtipp, Roman, Charlie Gilmour, Rowohlt Verlag
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Buchtipp, Roman, Charlie Gilmour, Rowohlt Verlag - News [19|09|21]

Wie ein kleiner Vogel mein Leben veränderte

Ein Elsterjunges fällt aus dem Nest. Damit beginnt eine große Liebesgeschichte zwischen Charlie Gilmour und der Elster Benzene. Gemeinsam mit seiner Freundin versucht der Autor, die Elster aufzuziehen. Anspruchsvoll und hungrig nimmt der kleine Vogel einen immer größeren Raum im Leben von Charlie Gilmour ein. Die Aufzucht des Vogels löst in dem Autor einige Veränderungen aus. Er beginnt über sein eigenes Leben und die problematische Beziehung zu seinem Vater nachzudenken. Wer hat sein Leben mehr beeinflusst, sein biologischer Vater oder der zweite Mann seiner Mutter, der ihn liebevoll großgezogen hat. Charlie Gilmour möchte seine Freundin heiraten. Doch er ist sich nicht darüber klar, ob er Verantwortung für eine Ehe und ein Kind übernehmen kann.

Je mehr sich Charlie Gilmour mit der Elster beschäftigt, umso mehr erkennt er seine eigenen Probleme. Er nimmt den Kontakt zu seinem biologischen Vater wieder auf und versucht Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Als Benzene erwachsen und flugfähig ist, ist es an der Zeit, den Vogel in die Freiheit zu entlassen. Doch der denkt nicht daran, sein warmes Nest bei Charlie Gilmour aufzugeben. Erst im Frühjahr entschließt sich Benzene, das freie Leben zu genießen und fliegt zurück zu dem Nest, in dem sie geschlüpft ist.
Charlie Gilmour hat von der Elster gelernt, dass die Freiheit immer eine eigene Entscheidung ist und dass Bindungen keine Fesseln sein müssen. Im Gegenteil: Sie sind die Möglichkeit, wieder zurückzukehren.
 
Charlie Gilmour lebt heute mit seiner Frau und seiner Tochter in London. Er schreibt für verschiedene Magazine und Zeitungen. Sein Buchdebut, das ein überwältigendes Erinnerungsbuch ist, wird als herausragendes Nature Writing gefeiert. Und auch wenn die Leser*in nach dem Buch nicht unbedingt den Wunsch haben wird, selber eine Elster aufzuziehen, ist das Buch ein Anstoß dafür, den Kontakt mit der Familie wieder zu vertiefen.