Hunde brauchen soziale Kontakte

Hund soziale kontakte artikel
Teilen

Verhalten/Hundeetikette/Gelber Hund - update: 30/04/20

  • Einander begegnen, kurz beschnüffeln, gemeinsames Spielen, das ist das ideale Kennenlernen.
  • Doch auch gut sozialisierte und verträgliche Hunde können mit manchen Begegnungen Probleme haben.
  • Rücksichtnahme auf andere Hundebesitzer und Hunde sollte immer selbstverständlich sein.
  • Es gibt viele gute Gründe, warum ein Hund einen sozialen Kontakt ablehnt.
  • Ein Hund sollte, wenn er frei läuft IMMER im Auge behalten werden und JEDERZEIT rückrufbar sein.
  • Die "Aktion gelber Hund" wurde für Hunde ins Leben gerufen, die keinen Kontakt möchten: Zeichen dafür ist die "Gelbe Schleife" oder ein gelbes Halstuch.

1. Hundebegegnungen laufen nicht immer freundlich ab. 

Sie gehen mit Ihrem angeleinten Hund spazieren. Ein fremder Hund läuft auf sie zu, vom Besitzer nichts zu sehen. Ihr Hund knurrt, sie versuchen, den fremden Hund fernzuhalten und gleichzeitig den eigenen Hund zu sichern.

Ein schwieriges nicht ungefährliches Unterfangen. Und falls dann endlich jemand kommt, erntet man leider oft die Bemerkung: "Was wollen Sie denn, die einigen sich schon.“ oder noch besser "Der tut nichts" -  Hat aber sichtlich schon alle Nackenhaare aufgestellt.

Eine mehr als ärgerliche Situation. Eine Rücksichtslosigkeit des anderen Hundebesitzers, der seinen Hund nicht im Blick hat und zurück ruft.  Und ein leider nicht ungefährliches Verkennen der Situation. 

2. Nicht immer ist sozialer Kontakt auch erwünscht.

Einige Beispiele dazu:

  1. Der Hund ist angeleint, weil er krank ist oder gerade eine Operation hinter sich hatte. Wildes Spielen ist dann sicher nicht gewünscht.
  2. Der Hund ist ängstlich und möchte nicht von einem fremden Artgenossen bestürmt werden.
  3. Der Vierbeiner fühlt sich belästigt. Er will selbst über die Kontaktaufnahme  entscheiden. 
  4. Der Hund wünscht keine neuen Freunde. Er hat ausreichend Spielkameraden und setzt bei neuen Begegnungen klare Grenzen.
  5. Der Hund wird gerade an der Leine trainiert. Fremde, heranstürmende Hunde stören das Training und lenken die Aufmerksamkeit des Vierbeiners von seinen Aufgaben ab.
  6. Der Hund hat schlechte Erfahrungen gesammelt und reagiert auf neue Bekanntschaften ängestlich oder ungehalten. Er mag einfach keine fremden Hunde.
  7. Der Hund ist angespannt, unerwünschte Begegnungen führen an der Leine zu Streitigkeiten.
  8. Durch Zeitmangel ist ausgiebiges Beschnüffeln nicht möglich. Das Kennenlernen sollte auf einen anderen Zeitpunkt verschoben werden.
  9. Ein Treffen angeleinter Hunde, die sich noch nicht kennen, ist durch eine beengte Situation oft problematisch.

3. Wie Sie Ihren Hund auf positive Begegnungen mit Artgenossen vorbereiten

Einige Beispiele dazu:

  1. Trainieren Sie ein lockeres Vorbeigehen: Sieht ein Welpe einen anderen Hund, will er auf ihn zustürmen. Die störende Leine mit Anhang – kein Problem -  wird einfach ignoriert. Das Zerren wird zum festen Programm, im Gehirn gespeichert und bleibt auch im erwachsenen Alter erhalten.
  2. Hunde sollten vom Beginn an lernen, dass man anderen Hunden gegenüber rücksichtsvoll gegenüber zu treten hat. Dass man nicht immer dorthin laufen kann, wohin man gerade möchte. 
  3. Lassen sie Ihren angeleinten Hund nicht zu jedem Hund, den er gerade sieht.
    • Trainieren Sie frühszeitig Alternatives Verhalten anzubieten, das spannender ist, als zum nächsten Hund zu stürmen. (z.B.  Leckerchen Suche auf das Signal "Such") 
    • Üben Sie auch mit lockeren Leine an einem anderen Hund vorbeizugehen. 
  4. Üben Sie verschiedene Signale, die ein alternatives Verhalten anbieten. Das Signal „Schau“ oder "Such" und ein besonderes Leckerchen sind meist viel interessanter als fremde Hunde.
  5. Spannen Sie nicht unbewusst die Leine an, sobald Sie einen fremden Hund sehen. Ihr Vierbeiner wird dann erst recht auf den Artgenossen aufmerksam. Er sprürt Ihre Anspannung.
  6. Halten Sie Abstand und gehen Sie einen leichten Bogen, kurz bevor die Hunde auf gleicher Höhe sind. Der andere Hund wird dann verstehen, dass eine Begegnung unerwünscht ist. Abstand gewinnen, weggehen statt sich nähern, ist ein Calming Signal in der Hundesprache.

Positive Kontakte sind natürlich erwünscht. Ist der andere Hund bekannt und verhält sich entspannt und höflich, spricht natürlich nichts gegen einen Kontakt an der Leine.

Idealerweise werden beide Vierbeiner nur

  1. mit der locker gehaltenen Leine gesichert und
  2. beschnüffeln sich unaufgeregt.
  3. Spiele erfolgen erst im gesicherten Gelände, damit kein Leinenwirrwarr entsteht.
  4. Beide Hundebesitzer sind gelassen und ermöglichen ihren Hunden genügend Freiraum für die Begegnung.

Rücksichtnahme ist das A und O für entspannte Hundebegegnungen. Erwarten Sie nicht nur Toleranz, sondern bringen sie diese auch anderen Hunden entgegen. Denken sie daran, dass sich nicht alle Hunde mögen.

4. Aktion gelber Hund -  für Hunde, die keine Begegenungen wünschen.

Eine gelbe Schleife oder ein gelbes Halstuch an der Leine oder am Halsband zeigt an, dass der Hund mehr Freiraum benötigt. Kontakt und Streicheln sind nicht erwünscht.

Grundsätzlich sollte immer bevor man mit einem fremden Hund in Kontakt tritt, auch gefragt werden, ob das erwüncht ist!. So können gefährliche Situationen von vorn herein vermieden werden.

Das Halstuch, oder die Schleife sind nicht stigmatisierend, es bedeutet nur, dass der Hund, aus welchem Grund auch immer, derzeit mehr Freiraum benötigt.

Der Hund kann krank oder läufig sein, sich gerade in Rehabilitation oder im Training befinden, oder er hat sich an seine neue Umgebung noch nicht gewöhnt. Die gelbe Markierung ist keine Kennzeichnung für aggressive Hunde.

Die Idee stammt ursprünglich aus Australien und wurde durch eine schwedische Hundeschule in Europa verbreitet. Die Idee der REKO – Gruppe ist es, einen fairen, freundlichen und ethischen Umgang von Mensch und Tier zu fördern.

Mehr über die Aktion gelber Hund auf www.gelber-hund.at oder auf facebook.

 

Es gibt viele, unterschiedliche Gründe, warum ein Hund mehr Freiraum braucht. Zeigen Sie Respekt, akzeptieren Sie den Wunsch und halten Sie rücksichtsvoll Abstand. Hinter jedem gelben Hund steckt eine persönliche Geschichte.