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In Tirol sind vor dem Gesetz alle Hunde gleich

Behörde kann Schulungen und tierärztliche Untersuchung für auffällige Hunde vorschreiben

 

Tirol verschärft die Regeln für die Hundehaltung durch Leinen- und Maulkorbpflicht, den Sachkundenachweis bei erstmaliger Hundehaltung und die Möglichkeit, den Haltern auffälliger Hunde Schulungen und tierärztlich Untersuchungen vorzuschreiben. Bemerkenswert: Die Regeln gelten für alle Hunde. Rasselisten gibt es nicht. Die Bestimmungen zur Abnahme und Tötung gefährlicher Hunde sind seit Jahren geltendes Recht und werden nicht verändert.

 

Die Novelle zur Änderung des Landes-Polizeigesetzes wurde vor dem Sommer zur Begutachtung ausgeschickt. Nach dem Vorliegen der Stellungnahmen soll es im Herbst noch eine Diskussionsrunde mit den Experten geben. Dann soll das Gesetz ausformuliert werden und in Kraft treten. Diesen Fahrplan formuliert das Büro der zuständigen Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Ziel sei eine „für die Hunde verträgliche und für die Sicherheit der Menschen akzeptable Lösung“.

 

Schon im Frühjahr hat Zoller-Frischauf angekündigt, auf Rasselisten zu verzichten, weil die Gefährlichkeit eines Hundes individuell sei und nicht an der Rasse festgemacht werden könne, wie alle Experten bestätigen. Tatsächlich bezieht sich die Gesetzesnovelle auf alle Hunde, gleich welcher Rasse.

 

Neu ist,

 

  • dass Hunde künftig an öffentlichen Orten innerhalb geschlossener Ortschaften an der Leine zu führen sind,

 

  • dass an Orten mit größeren Menschenansammlungen Maulkorbpflicht besteht,

 

  • dass vor der erstmaligen Hundehaltung eine theoretische Ausbildung zu absolvieren ist,

 

  • und dass den Haltern auffälliger Hunde neben Maulkorb- und Leinenzwang auch Maßnahmen wie Hundeschulungen und tierärztliche Untersuchungen vorgeschrieben werden können.

 

Diese zusätzlichen Maßnahmen werden damit begründet, dass „aus fachlicher Sicht Hunde vielfach als Folge von körperlichen Beschwerden (insbesondere Schmerzen) auffällig werden. Die verpflichtende Ausbildung für Neueinsteiger ist von tierschutzqualifizierten Hundetrainern durchzuführen.

 

 

Abnahme und Tötung von gefährlichen Hunden durch die Behörde

 

 

Die Regeln für die Hundehaltung sind im Landes-Polizeigesetz festgelegt. Kürzlich haben in den sozialen Medien jene Paragraphen für heftigen Widerhall gesorgt, die sich mit der Abnahme und Tötung gefährlicher Hunde befassen und der Behörde sehr weitgehende Rechte einräumen.  

 

So heißt es im § 6 Absatz 6:

 

Die Behörde kann eine Gefährdung oder eine über das zumutbare Maß hinausgehende Belästigung Dritter durch Tiere mit geeigneten Maßnahmen, wie die Abnahme oder Sicherstellung von Tieren, beenden.

 

Und weiter im § 7 Absatz 7:

 

Entwichene Tiere, die Menschen oder Sachen gefährden oder Menschen über das zumutbare Maß hinaus belästigen und die einzufangen wegen ihrer Gefährlichkeit oder der voraussichtlich entstehenden, im Verhältnis zum Wert des Tieres unangemessen hohen Kosten untunlich ist, können von der Behörde sofort getötet werden.

 

Diese Bestimmungen sind laut dem Verfassungsdienst der Tiroler Landesregierung „seit Jahren“ in Kraft und werden mit der Novelle auch nicht geändert.